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Aus Silage wird sauberer Strom

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Von: Niko Mönkemeyer

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Bei der „Fütterung“: Heino Arnemann, Felix Arnemann und Torsten Fröchtenicht halten in Hillerse die Biogasanlage am Laufen.
Bei der „Fütterung“: Heino Arnemann, Felix Arnemann und Torsten Fröchtenicht halten in Hillerse die Biogasanlage am Laufen. Hier wird zweimal am Tag das Substrat nachgefüllt, damit die in den Gärtürmen lebenden Bakterien ihre Arbeit machen können. © Niko Mönkemeyer

Torsten Fröchtenicht aus Hillerse war bereits vor 16 Jahren bereit, mit seinem landwirtschaftlichen Betrieb, den er 1996 von seinen Eltern übernommen hatte, völlig neue Wege zu gehen.

Hillerse – Damals hatte er ein Konzept für ein Strohheizwerk, das von einer Bioengerie-Genossenschaft betrieben worden wäre und das über ein Fernwärmenetz bis zu 100 Haushalte im Ort versorgt hätte (HNA berichtete). Als die Planungen für die Anlage, die in dieser Form die erste in ganz Deutschland gewesen wäre, aus Kostengründen aufgegeben werden mussten, stand der Hillerser Landwirt erneut vor der Frage, wie er mit einem zweiten Standbein seinen Betrieb richtig für die Zukunft aufstellen könnte.

Bereits 2005 hatte er mit Heino Arnemann, ebenfalls Landwirt in Hillerse, eine Betriebsgemeinschaft gegründet, und nach dem Aus für das Strohheizwerk entschieden die beiden sich dafür, zusammen mit den Hillersern Thorsten Marienhagen, Hayo Jungklaus, Otto Winter und Wilfried Bethe die Biogas-Hillerse GmbH und Co. KG zu gründen, um ein Biogaswerk zu bauen. Das ging bereits 2011 ans Netz und produziert aktuell 4,18 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr.

„Meine Eltern hatten schon 1990 die Kühe abgeschafft“, blickt Fröchtenicht zurück und fügt schmunzelnd hinzu. „Jetzt haben wir auf diese Weise wieder eine einzige ganz große Kuh auf dem Hof, und die gibt Milch in Form von Strom, den wir ins Netz einspeisen und der ungefähr 100 Haushalte versorgt.“

Gefüttert wird die „Kuh“ täglich zweimal mit Substraten, die zum einen aus der landwirtschaftlichen Produktion der Betriebsgemeinschaft stammen und zum anderen von Landwirten aus dem Umkreis angeliefert werden.

„Hauptsächlich verfüttern wir Mais – ungefähr 6000 Tonnen pro Jahr“, sagt Fröchtenicht und erklärt, dass außerdem 1800 Tonnen Gülle, 1000 Tonnen Schweinemist, 300 Tonnen Hähnchenmist und 20 Tonnen Gras zu Methan vergoren werden. Darüber hinaus werden laut Fröchtenicht noch 600 Tonnen GPS verwertet.

Blick von den Gärtürmen auf die Lagerflächen.
Blick von den Gärtürmen auf die Lagerflächen. Dort werden die Substrate gelagert, mit denen die Anlage Betrieben wird. Diese werden zum Teil selbst produziert, aber auch von anderen Landwirten angeliefert. © Niko Mönkemeyer

Diese Abkürzung ist für Außenstehende etwas verwirrend, da man diese eher im Zusammenhang mit dem Navigationsgerät im Auto kennt. „Das bedeutet Ganz-Pflanzen-Silage, also Getreide, das vor der Erntereife abgemäht wird“, erläutert Fröchtenicht. „Allein 300 bis 400 Tonnen davon bekommen wir von der KWS Wetze, und die stammen von den Streifen, die dort als Schutz um die Versuchsfelder angelegt werden.“

Pro Tonne Mais, die angeliefert werden, erhalten die Lieferanten anschließend 0,8 Tonnen an Gärresten zurück, die dann zum Düngen von etwa zwei Hektar Ackerfläche reichen. „Wir haben hier also in unserer Anlage einen kompletten Stoffkreislauf“, sagt Felix Arnemann. Der 21-Jährige hat seine dreijährige Ausbildung bereits 2020 abgeschlossen und besucht jetzt die Fachschule in Hildesheim. Geplant ist, dass er nach seinem Abschluss als Staatlich Geprüfter Betriebswirt in den Betrieb einsteigt und zunächst die Aufgaben seines Vaters übernimmt, wenn der in den Ruhestand geht. Langfristig ist geplant, dass er später, wenn auch Fröchtenicht das Rentenalter erreicht hat, die Leitung der Betriebsgemeinschaft übernimmt.

Fröchtenichts Tochter hat zwar Landwirtschaft studiert, entschied sich dann aber noch einmal anders und ist mittlerweile beim Finanzamt tätig. „Sie hilft aber weiter bei der Betriebsführung mit und wird das auch künftig machen“, so Fröchtenicht. (Niko Mönkemeyer)

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