Ausstellung im Museum: Northeim unterm Hakenkreuz

Vor dem Rathaus (heute Verbändehaus): SA und Anhänger der NSDAP am Entenmarkt wahrscheinlich nach der bereits von Repressionen durch die Nazis geprägten Reichstagswahl am 5. März 1933, bei die Nazis 62,7 Prozent der Stimmen erreichten Foto:  Stadtarchiv

Northeim. Eine am Sonntag beginnende Sonderausstellung im Northeimer Heimatmuseum zeigt, wie die NSDAP bereits vor 1933 zur stärksten politischen Kraft in Northeim wurde und wie die Nazis ihre Machtposition festigten.

Das ist erst 81 Jahre her: Hakenkreuze hängen am heutigen Verbändehaus. Vor dem damals als Rathaus genutzten Gebäude steht eine Menschenmenge, die rechten Arme in Augenhöhe stramm nach vorn gereckt. Das nicht genau datierte Foto zeigt sinnbildlich, worum es in der neuen Sonderausstellung des Northeimer Heimatmuseums geht: Die Machtergreifung in Northeim, im Solling und im Wesertal.

Stadtarchivar und Museumsleiter Ekkehard Just zeigt anhand zahlreicher Bilder, Zeitungsausschnitte und Plakate wie die NSDAP Anfang der 1930er-Jahre die führende politische Kraft in der Kreisstadt wurde. Der Machtergreifung Hitlers in Berlin bedurften die Northeimer Nazis dafür nicht. Schon vor 1933 erreichten sie Stimmenanteile von über 50 Prozent.

Das erklärt Just mit den städtischen Strukturen. In der Beamtenstadt Northeim spielte die Arbeiterschaft kaum eine Rolle. Auch wenn die SPD zwischenzeitlich bei Wahlen bis zu 40 Prozent der Stimmen erreichte, betrug ihr Stammwählerpotenzial kaum mehr als 25 Prozent. Und auch der katholische Bevölkerungsanteil und damit der Einfluss der den Nazis trotzenden Zentrumspartei war gering.

In der Ausstellung geht es außerdem unter anderem darum, wie Bürgermeister Richard Peters von den Nazis aus dem Amt gedrängt wurde.

Auch der 1933 an der Wieterstraße aufgestellte sogenannte Schlageter-Stein wird behandelt. Der Stein, der an den von französischen Besatzungstruppen in Düsseldorf erschossenen Rechtsterroristen Theo Schlageter erinnerte, wurde an dessen 10. Todestag am 26. Mai 1933 aufgestellt. Mit einer veränderte Inschrift versehen, stand der Stein noch bis 1989 an der Wilhelmswiese, dann wurde er auf Beschluss des Stadtrates entfernt.

Der Rat erkannte auch 1990 Adolf Hitler, Hermann Göring, Regierungspräsident Dr. Hermann Muhs, und Hanns Oberlindober, Leiter der nationalsozislistischen Kriegsopferversorgung, die Ehrenbürgerwürde ab. Nur die ebenfalls vom nationalsozialistischen Bürgervorsteherkollegium verliehene Ehrenbürgerwürde für Reichspräsident Paul von Hindenburg blieb unangetastet.

Die Austellung, die am Sonntag, 9. November, um 11.30 Uhr eröffnet wird, ist bis zum 12. April 2015 zu sehen. Sie wird komplettiert durch Schautafeln und Bilder über die Vorgänge rund um die Machtergreifung im Solling und an der Weser. Diese waren bereits in einer Ausstellung in Uslar zu sehen.

Von Olaf Weiss

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