Volksbegehren möchte neue Regeln für Land- und Forstwirtschaft

Nabu Northeim sammelt Unterschriften für Artenvielfalt

Zwei Männer mit Mundschutz bei einer Unterschriftenaktion
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Unterschriftenaktion in Corona-Zeiten: Dieses Foto entstand beim Auftakt der Aktion in Moringen.

Im Landkreis Norheim werden Unterschriften für mehr Artenschutz gesammelt.

Eine größere Vielfalt in der Landschaft, artenreiche Wiesen, mehr naturnahe Wälder und weniger Pestizide in der Landwirtschaft – so lauten die Ziele des Volksbegehrens Artenvielfalt, das jetzt unter Federführung des Naturschutzbundes (Nabu) Niedersachsen auch im Landkreis Northeim eine Unterschriftensammlung gestartet hat. Dazu einige Fragen und Antworten.

Wer steht hinter dem Volksbegehren?

Initiatoren sind Klaus Ahrens, Vizepräsident des Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imkerbundes, Dr. Nick Büscher und Dr. Holger Buschmann vom Nabu sowie Hans-Joachim Janßen und Anne Kura von den niedersächsischen Grünen sowie 130 Bündnispartner, darunter der BUND, der WWF, Die Linke und die ÖDP.

Wo können Interessenten im Landkreis Northeim unterschreiben?

Laut Klaus Bodenstein, stellvertretender Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Northeim, sind die einzelnen Ortsgruppen ab sofort in der Region unterwegs. „Wir werden nicht nur vor Supermärkten mit den Listen zu finden sein, sondern auch von Haus zu Haus gehen, um Unterschriften zu sammeln.“

Was möchten die Initiatoren erreichen?

Ziel ist es, eine möglichst große Zustimmung aus der Bevölkerung für eine gesetzliche Neuregelung bezüglich der Bewirtschaftung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen in Niedersachsen zu erreichen. Vorbild ist das Volksbegehren Artenvielfalt, das im Jahr 2018 in Bayern unter dem Motto „Rettet die Bienen“ stattfand und an dem sich 1,8 Millionen Menschen beteiligt hatten.

Wie lauten die konkreten Forderungen des Bürgerbegehrens?

Die Unterzeichner sprechen sich mit ihrer Unterschrift unter anderem für eine Reduzierung des Pestizideinsatzes aus. Weitere Forderungen sind kleinere Viehbestände, eine ganzjährige Weidehaltung, den Humusaufbau und das Bodenleben fördernde Bewirtschaftungsmethoden sowie die Entwicklung und Erweiterung dauerhafter Feldgehölze, Hecken, Gewässerrandstreifen, Baumreihen und Kleingewässer. Darüber hinaus sollen mehrjährige Blühstreifen mit standortgerechten Arten entstehen und Biotope mit extensiver Nutzung, wie Trockenrasen, Feucht- und Nasswiesen oder Hutewälder, geschaffen werden.

Diese Forderungen können aber nur in Zusammenarbeit mit der Land- und Forstwirtschaft umgesetzt werden. Im Vorfeld wurde diesbezüglich schon Widerstand deutlich. Rechnen die Initiatoren mit einer Einigung?

„Wir müssen mit der Landwirtschaft zusammenarbeiten, ohne die Bauern geht gar nichts“, lässt Bodenstein keinen Zweifel daran, dass der Nabu an einer Lösung interessiert ist, mit der alle Beteiligten leben können. Die Ängste der Landwirte seien nachvollziehbar. Hintergrund dafür seien aber nicht etwa überzogene Forderungen von Naturschützern, sondern die von der Nahrungsmittelindustrie und Agrarchemie diktierten Verhältnisse. Die ließen den Bauern gar keine andere Wahl als eine intensive Bewirtschaftung ihrer Flächen – mit den entsprechenden Folgen für die Natur.

Wie bewerten die Initiatoren die freiwilligen Einschränkungen und Maßnahmen im Sinne des Naturschutzes?

„Freiwillige Einschränkungen haben bislang nicht viel gebracht“, sagt Bodenstein. Um wirklich etwas zu erreichen, seien Gesetze nötig.

Wer kann sich an der Unterschriftenaktion beteiligen?

Das Volksbegehren können alle unterschreiben, die in Niedersachsen ihren Wohnsitz haben und wahlberechtigt sind. Das Unterschreiben ist nur auf den Original-Unterschriftenbögen gültig. Online kann man nicht unterschreiben. Auch Kopien sind nicht gültig. Unterschriftenbögen können per E-Mail an die Adresse material@artenvielfalt-niedersachsen.jetzt oder telefonisch unter 05 11/9 11 05-25 angefordert werden.

Wie viele Unterschriften müssen zusammenkommen?

25 000 Unterschriften sind nötig, damit sich der niedersächsische Landtag mit dem Volksbegehren beschäftigt. „Bei 110 000 Mitgliedern in Niedersachsen ist das ein Klacks“, zeigt sich Bodenstein zuversichtlich.

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