Stadtrat stimmt für den Umbau der seit 2017 geschlossenen Einrichtung

Aus Freibad in Bad Gandersheim wird Naturschwimmbad

Das große Becken des Freibads leckt, weil sich das Betonfundament abgesenkt hat: Hardy Eberhardt, Geschäftsführer der Betriebsgenossenschaft Sole-Waldschwimmbad Bad Gandersheim.
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Das große Becken des Freibads leckt, weil sich das Betonfundament abgesenkt hat: Hardy Eberhardt, Geschäftsführer der Betriebsgenossenschaft Sole-Waldschwimmbad Bad Gandersheim.

Bad Gandersheims Sole-Freibad soll spätestens bis zur Eröffnung der Landesgartenschau im April 2022 in ein Naturschwimmbad umgewandelt werden. Das hat der Rat der Stadt mehrheitlich beschlossen.

Bad Gandersheim - Eine gute Stunde lang hatten die rund 50 Zuhörer Gelegenheit, Stefan Bruns vom Planungsbüro Polyplan Kreikenbaum Fragen zu stellen. Einige Bürger befürchten hygienische Mägel bei einer biologischen Wasseraufbereitung. Es würden, erwiderte Bruns, die gleichen strengen Auflagen gelten wie bisher. Auch Sonnencreme lasse das Bad nicht umkippen, versicherte er. Den Sportschwimmern sagte der Planer zu, dass sie auch weiterhin 25 Meter lange Bahnen schwimmen und Startblöcke benutzen könnten. Wettkämpfe müssten jedoch künftig im benachbarten Hallenbad stattfinden.

Kritisch sehen Bürger, dass das Wasser demnächst nicht mehr 26 Grad Celsius warm sein wird. Der Solarabsorber, der die Gasheizung ersetzt, erwärmt das Wasser an Sonnentagen nur noch auf 22 bis 24 Grad Celsius. „Wir können uns die hohen Heizkosten nicht mehr leisten“, stellte Bürgermeisterin Franziska Schwarz (SPD) mit Blick auf den hohen Zuschussbedarf des Bades klar. Die Kosten senke zudem die Umstellung von einer mechanisch-chemischen auf eine biologische Wasseraufbereitung.

Den Kostenaspekt hob auch Hardy Ehrhardt hervor. Er ist Geschäftsführer der Betriebsgenossenschaft Sole-Waldschwimmbad Bad Gandersheim. Sie führt das Bad, zudem neben dem seit 2017 geschlossenen Freibad auch das Hallenbad gehört. In den vergangenen beiden Jahren habe die Stadt der Genossenschaft jeweils 190 000 Euro zur Abdeckung ihres Defizits überwiesen – jeweils 70 000 Euro mehr als eigentlich im städtischen Haushalt vorgesehen seien. Dieses Jahr falle der Verlust noch größer aus, da die Besucherzahlen aufgrund der Corona-Pandemie um zwei Drittel eingebrochen seien. Die Genossenschaft verspricht sich durch den Umbau eine erhöhte Attraktivität des Bades. Es entstünden ein Strandbereich und ein Marktplatz mit gastronomischem Angebot, führte Ehrhardt aus. Der Freizeitcharakter mache das Bad „auch über die Badesaison hinaus“, für junge Familien interessant, ergänzte die Bürgermeisterin. Von den Baukosten „im niedrigen, siebenstelligen Bereich“ müsse die Stadt zehn Prozent tragen. Es gebe Fördermittel, weil sie den Kohlendioxidausstoß verringerten. Zudem flössen Zuschüsse im Zuge der Landesgartenschau.

Das 1976 eröffnete Freibad ist seit 2017 geschlossen. „Das Betonfundament des großen Beckens, das von den Bächen Gande und Eterna umflossen wird, hat sich gesenkt“, erläuterte Ehrhardt. Zuletzt habe man hohe Wasserverluste durch Lecks gehabt. Zudem seien durch verrostete Eisenrohre Keime in die Becken gelangt. Schließlich sei es nicht mehr möglich gewesen, die geforderte Wasserqualität zu garantieren.

Die Genossenschaft hat gut 1000 Mitglieder. Zum Vergleich: Bad Gandersheim hat 9700 Einwohner. 30 bis 35 Bürger helfen aktiv mit, das Bad zu unterhalten. Ein Solebad gibt es in der Stadt seit 1878. Damals lief der Kurbetrieb langsam an. Seit 1932 darf sich die Stadt Bad Gandersheim nennen.  

(von Michael Caspar)

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