Bad Gandersheim: Berufsabschluss nach 20 Jahren

Die Urkunde in den Händen: Jasmin Memic vor dem Auer-Werk in Bad Gandersheim, wo er seit 17 Jahren arbeitet. Vor zwei Jahren bereits erreichte er über die IHK-Beratung die Anerkennung seines Ausbildungsberufes als Chemikant. Foto: Gödecke

Bad Gandersheim. Es war ein langer Weg, bis der Bosnier Jasmin Memic seinen jugoslawischen Fachschulabschluss in Deutschland anerkannt wurde. Möglich machte das ein Modellprojekt der IHK Hannover.

Seit über 20 Jahren bereits wohnt und arbeitet der einstige Bürgerkriegsflüchtling, der mittlerweile Deutscher ist, in Bad Gandersheim. Doch sein noch in Jugoslawien erworbener Fachschulabschluss als chemischer Techniker nutzte ihm in Deutschland nichts.

Das könnte sich nun mit der Anerkennung ändern, hofft der 42-Jährige.

Seit über 17 Jahren arbeitet Memic bei der Firma Auer Lighting in Bad Gandersheim, und das durchaus gerne, wie er betont. Vor 15 Jahren sei er bereits schon einmal Leiter der Fertigung im Betrieb gewesen, doch diese Position habe er zwei Jahre später wieder abgeben müssen, weil ihm die eigentlich dafür nötige Qualifikation gefehlt habe.

Seitdem ist der 42-Jährige, der mit seiner zweiten Frau und vier Kindern in der Kurstadt wohnt, als Vorarbeiter in verschiedenen Abteilungen tätig gewesen, derzeit in der CNC-Fertigung in der Bearbeitung von 3-D-Spiegeln für Kino-Projektoren.

„Immer wieder habe ich mich als Techniker im Betrieb beworben, doch mir wurde dann immer gesagt, ich hätte ja keine qualifizierte Ausbildung. Das hat mich natürlich geärgert“, sagt Memic und war deswegen froh, als er von dem neuen Anerkennungsgesetz des Bundes hörte, das 2012 in Kraft trat. Der Kurstädter, der seit 2003 Deutscher ist und akzentfrei Deutsch spricht, recherchierte daraufhin im Internet und stieß auf die Anerkennungsberatung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover. Er rief an, um zu erfahren, was sein 1991 an einer Fachschule in seiner einstigen Heimatstadt Lukavac erworbener Berufsabschluss als Chemischer Techniker in Deutschland wert sein könnte.

Glücklicherweise hatte der damals 19-Jährige, der die Heimat aus Furcht vor dem herannahenden Bürgerkrieg in Richtung Deutschland verließ, sein Abschlusszeugnis mit eingepackt. Anhand dessen konnte Anerkennungsberater Ilys Isa von der IHK Hannover 2013 relativ schnell den in Deutschland entsprechenden Berufsabschluss des Chemikanten ermitteln.

„Das ging alles ganz reibungslos und die Beratung war perfekt. Ich habe sogar einen Termin in Göttingen bei der IHK bekommen und musste nicht nach Hannover fahren“, erzählt Memic. Der Bad Gandersheimer war schließlich einer der ersten, der Ende Mai 2013 über das IHK-Modellprojekt seine Anerkennungsurkunde erwerben und sogar von der damaligen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen persönlich in Empfang nehmen konnte.

Zuvor musste Memic allerdings noch eine Bescheinigung beibringen, dass er bereits als Chemikant gearbeitet hat. Die bekam er von seinem Arbeitgeber, der Firma Auer problemlos. Was ihm nun noch fehlt, ist ein Job, der seiner Ausbildung entspricht. Die gab es in Bad Gandersheim bislang noch nicht. „Vielleicht ändert sich das noch,“ sagt der 42-Jährige, der aber auch bereit wäre, woanders in Deutschland auf Jobsuche zu gehen. „Fachkräfte werden schließlich gesucht“, sagt er.

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