Nach 21 Jahren

Ehmen verabschiedet sich als Chef im Gandersheimer Rathaus

Verabschiedet sich: Der noch amtierende Bürgermeister der Stadt Bad Gandersheim, Heinz-Gerhard Ehmen. Foto:  Plikat

Bad Gandersheim. Am Donnerstag wird der Bad Gandersheimer Bürgermeister offiziell verabschiedt. Er hatte im Mai die Wahl gegen Franziska Schwarz verloren.

Auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters steht ein schönes Blumengesteck mit herbstlichen Dahlien. Ein Farbklecks im sonst nüchtern anmutenden, ziemlich grauen Büro von Heinz-Gerhard Ehmen im Rathaus von Bad Gandersheim.

Eine gute Woche noch, dann endet die über 20-jährige Amtszeit des Stadtdirektors und Bürgermeisters der Domstadt. Der 57-Jährige, der ab 1993 zunächst Stadtdirektor war und 2001 zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt wurde, hat im Mai die Wahl gegen Franziska Schwarz (SPD) verloren. Sie wird demnächst die Amtsgeschäfte als neue Bürgermeisterin im Rathaus aufnehmen.

Als Verlierer fühlt sich Ehmen nicht: „Eine Nicht-Wiederwahl konnte ich aufgrund der langen Dienstzeit nicht ausschließen. Ein neues Gesicht mit neuen Gedanken kann für diese Stadt nicht schädlich sein“, sagt er. Und lächelt.

Schnell wird klar: In ein sprichwörtliches Loch wird Heinz Ehmen nicht fallen. Zuhause in Göttingen freut sich auf jeden Fall die Familie, dass der dreifache Vater nun mehr Zeit hat. „Erstmal“, schränkt der 57-Jährige ein. Denn eines steht fest: „Die Position des Hausmanns werde ich nicht auf Dauer ausfüllen. Das ist auch meiner Familie klar.“

Neue Situation

Aktuell will er sich keine „neue abhängige Tätigkeit“ suchen. „Vielleicht später irgendwann.“ Jetzt will er in den Ruhestand. „In der neuen Situation muss ich mich erstmal zurechtfinden. Und das wird nicht einfach.“

Dass er die Bürgermeisterwahl verlieren könnte, darauf hatte er sich im Vorfeld der Wahl eingestellt, sagt er. „Darum hat es mich nicht so hart getroffen. Das wäre anders gewesen, wenn ich total siegessicher gewesen wäre.“

Ehmen klingt überzeugend, wenn er Dinge sagt wie: „Bad Gandersheim ist mir in 21 Jahre sehr ans Herz gewachsen.“ Oder: „Das ist wirklich eine tolle Stadt“. Und dass er traurig ist, dass bald sein letzter Arbeitstag im Rathaus ist.

„Ein neues Gesicht mit neuen Gedanken kann für diese Stadt nicht schädlich sein“.

Und das, obwohl er, wenn das Gespräch auf die Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung kommt, auch mal richtig ernst wird: „Es war keine leichte Zeit“.

Ehmen erinnert sich an viele heftige Auseinandersetzungen, in denen es um persönliche Befindlichkeiten ging, und in denen auch mal kräftig ausgeteilt wurde. Dazu gehörten einige Ratssitzungen, die um 18.30 Uhr begannen und nachts um 2 Uhr abgebrochen wurden, weil einige Ratsmitglieder die Zeit nutzten, um mit politischen Gegnern und der Verwaltung abzurechnen.

Ein Wandel im politischen Miteinander habe sich im Jahr 2008 vollzogen, als die Stadt Bad Gandersheim mit der Entschuldung begann. Fast alle Beteiligten hätten an einem Strang gezogen - wenn auch zum Teil gezwungenermaßen.

Ehmen: „Das Klima im Rat wurde spürbar angenehmer, auch im Umgang mit der Verwaltung.“ Und das ist der einzige Rat, den er seiner Nachfolgerin Franziska Schwarz gibt: „Dieses Klima und Miteinander muss fortgeführt werden. Die Stadt braucht Zusammenhalt.“

In dieser Woche beginnt Ehmen nun mit einer Art „Abschiedstour“: Am Donnerstag wird er offziell von der Stadt Bad Gandersheim verabschiedet, in der kommenden Woche feiert er mit seinen Freunden und Unterstützern.

In ein paar Wochen, wenn die vielen lieben Abschiedsworte seiner Mitstreiter verklungen sind, will Heinz Ehmen sich aktiv um die Zukunft kümmern. Aktuell räumt er seinen Schreibtisch auf: „Ich bringe das hier erstmal zu Ende.“

Von Kathrin Plikat

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