Verschiebung auf das Jahr 2023 geplant

Der Landesgartenschau fehlen 4,7 Millionen Euro

Entwurf: Auf dem ersten der drei Osterbergseen sollen bei der Landesgartenschau schwimmende Inseln die Blicke auf sich ziehen.
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Entwurf: Auf dem ersten der drei Osterbergseen sollen bei der Landesgartenschau schwimmende Inseln die Blicke auf sich ziehen.

Das durch die Corona-Pandemie entstehende Defizit der Landesgartenschau in Bad Gandersheim wird auf 4,7 Millionen Euro geschätzt. Das geht aus den Beschlussvorlagen für den Bad Gandersheimer Stadtrat hervor.

Bad Gandersheim – Dieser soll in seiner Sitzung am Donnerstag, 16. Dezember, entscheiden, wie auf die Lieferengpässe bei Material, vor allem bei Holz, und Personalengpässe bei Auftragnehmern und Dienstleistern und die daraus folgenden Kostensteigerungen reagiert werden soll. Einen Tag später soll der Kreistag ebenfalls darüber abstimmen. Stadt und Landkreis sind Gesellschafter der Landesgartenschau GmbH.

Bürgermeisterin Franziska Schwarz (SPD) schlägt dem Rat der Kurstadt in den Beschlussvorlagen vor, die Laga um ein Jahr auf das Jahr 2023 zu verschieben. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD) schlägt dasselbe dem Kreistag vor. Außerdem soll die Stadt die Summe für einen möglichen Defizitausgleich um 200.000 Euro auf 700.000 erhöhen. Das ist an die Voraussetzung geknüpft, dass der Kreistag seinerseits beschließt, die maximale Summe für den Defizitausgleich durch den Landkreis um 500.000 Euro auf eine Million Euro zu erhöhen.

Das Land Niedersachsen habe zum Ausgleich des nun prognostizierten Defizits weitere drei Millionen in Aussicht gestellt, heißt es in den Beschlussvorlagen für Rat und Kreistag. Diese Summe sei aber an die Bedingung geknüpft, dass die Kurstadt und der Landkreis Anteile am Defizitausgleich wie beschrieben ausdehnen.

Vor der Pandemie war für die Laga eine schwarze Null angestrebt worden. Um ein mögliches Defizit ausgleichen zu können, hatte die Kurstadt auf Beschluss des Rates im vergangenen Jahr 500.000 Euro zurückgestellt. Der Kreistag hatte bereits 2017 beschlossen, sich an einem möglichen Laga-Minus mit maximal 500.000 Euro zu beteiligen. Das Land Niedersachsen beteiligt sich bisher mit fünf Millionen Euro an den Investitionen für die Laga und mit einer einer Million Euro an den Betriebskosten. Nun sollen bis zu drei Millionen Euro hinzukommen, um die zu erwarteten Mehrkosten aufzufangen.

Geschäftsführung will die Verschiebung

Die Geschäftsführung der Landesgartenschau GmbH spricht sich nachdrücklich für eine Verschiebung der Landesgartenschau um ein Jahr aus. Und das, obwohl das Minus für diesen Fall mit 4,7 Millionen Euro deutlich höher kalkuliert ist als das prognostizierte Defizit infolge der Corona-Auswirkungen von 2,6 Millionen Euro, wenn die Laga, wie ursprünglich geplant, im nächsten Jahr stattfinden würde.

Landesgartenschau-Geschäftsführer Thomas Hellingrath

Das geht aus der Beschlussvorlage für die Gesellschafterversammlung der GmbH hervor. Dabei führt die Geschäftsführung folgende Argumente an:

Landesgartenschau-Geschäftsführerin Ursula Stecker

-  Eine fristgerechte Öffnung wie bisher geplant am 14. April (Gründonnerstag) 2022 berge große Risiken. Dabei erinnern die Geschäftsführer Thomas Hellingrath und Ursula Stecker daran, dass vor dem Hintergrund der Pandemie sich der weitere Baufortschritt kaum kalkulieren lasse. Angesichts von anhaltenden Materiallieferengpässen und Ausschreibungen, auf die es keine oder nur überteuerte Angebote gegeben habe, sei das Ausmaß weiterer zeitlicher Verzögerungen und Kostensteigerungen nicht kalkulierbar. Außerdem sei es wegen des Fachkräftemangels und der überausgelasteten möglichen Auftragnehmer unwahrscheinlich, zusätzliches Personal zu gewinnen oder weitere Firmen beauftragen zu können, um den Baufortschritt zu beschleunigen. Hinzukommt laut der Geschäftsführung, dass Unternehmen angesichts Corona in Sachen Sponsoring zurückhaltend sind.

-   Eine Verschiebung der Laga um einige Wochen mit Beginn im Mai nächsten Jahres bedeutet laut der Geschäftsführung einen hohen organisatorischen Aufwand (Anpassung sämtlicher Verträge, neue Marketingkampagne). Weiteres Sponsorengeld könne dann nicht generiert werden. Dazu kämen die auch dann weiter bestehenden Risiken infolge der Corona-Pandemie.

-  Eine vollständige Absage der Landesgartenschau ist für die Verantwortlichen keine Option, da sie nach ihren Worten nicht nur einen erheblichen Imageschaden für die Kurstadt zur Folge hätte, sondern auch Regress- und Rückzahlungsforderungen nach sich ziehen würde. Fördergeld müsste erstattet werden, weil die Fördervoraussetzungen nicht mehr erfüllt wären. Sponsoren würden ihr Geld wegen fehlender Vertragserfüllung zurückverlangen.

-  Durch eine Verschiebung um ein Jahr kann laut Hellingrath und Stecker sichergestellt werden, dass die Landesgartenschau bis zur Eröffnung im geplanten Umfang fertiggestellt werden kann. Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie dürften bis dahin minimiert sein. Außerdem bestehe laut Beschlussvorlage die „berechtigte Aussicht, wieder vermehrt Sponsoren einwerben zu können und nicht völlig überteuerte Ausschreibungsergebnisse und -angebote akzeptieren zu müssen. (Olaf Weiss)

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