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Eierproduzent Schlegel aus Ellierode setzt auf Hühnermobile

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Von: Niko Mönkemeyer

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Familie Schlegel mit Hühnern und Ziegen auf einer Wiese vor einem Hühnermobil
Viel Auslauf im Grünen haben die Hühner von Stefanie und Christian Schlegel (hier mit ihren Töchtern Sophie, Carolin und Marie). Im Hintergrund sieht man eines der großen Hühnermobile, in dem 1500 Legehennen Platz haben. Die Ziegen übernehmen die Funktion von Wachhunden und halten Greifvögel fern. © Niko Mönkemeyer

Angesichts des aktuellen Agrarmarktes macht man sich auf vielen Bauernhöfen Gedanken über neue Ideen und neue Konzepte. vor.

Ellierode – Als Christian Schlegel 2002 den elterlichen Hof in Ellierode bei Bad Gandersheim übernahm, sah er die Zukunft des landwirtschaftlichen Familienbetriebes eindeutig nicht mehr in der bis dahin betriebenen Milchwirtschaft. Es folgte die Umstellung auf einen reinen Ackerbaubetrieb.

Sich von den Kühen zu trennen, sei zwar auf alle Fälle die richtige Entscheidung gewesen, blickt Schlegel heute zurück. „Aber irgendwas hat dann doch gefehlt, denn ein Bauernhof ganz ohne Tiere ist doch etwas zu eintönig, und so haben wir uns ein paar Hühner angeschafft.“

Da Schlegel von der damals noch ganz neuen Idee, Hühner in mobilen Ställen zu halten, überzeugt war, brachte er seine Hühner zunächst in einem selbst gebauten Bauwagen unter. Doch was als Hobby gedacht war, entwickelte sich dann im Laufe der Jahre immer weiter. „Mein Vater war zuerst gar nicht davon begeistert, wie ich mir die Zukunft des Betriebes vorstellte“, erinnert sich Schlegel.

Die Zeiten, in denen auf dem Hof von Familie Schlegel 70 Hühner im Bauwagen gehalten wurden, sind längst vorbei. Nachdem die Produktion von Eiern zunächst auf einen zusätzlichen festen Stall ausgeweitet wurde, wurde im Januar 2015 das erste Hühnermobil in Betrieb genommen.

Seit 2016 wird die Futtermischung für die Tiere auf dem Hof selbst hergestellt. Heute gibt es mehr als 4500 Hühner, und die produzieren pro Tag insgesamt rund 4000 Eier. Die Eier, außerdem Eiernudeln und Eierlikör, werden nicht nur im eigenen Hofladen, sondern vor allem in Lebensmittelmärkten der Region sowie in einigen Bäckereien und Schlachtereien vermarktet.

Innenansicht eines Hühnermobils mit Hühnern und Hähnen
Wohnen auf drei Etagen: Dieses Foto zeigt einen Blick ins Innere eines Hühnermobils. Von hier aus können die Tiere tagsüber nach Belieben den freien Auslauf nutzen. © Niko Mönkemeyer

Untergebracht sind die Hühner in mittlerweile fünf mobilen Ställen, die je nach Größe Platz für 350 bis 1500 Tiere bieten. Die beiden größten Ställe sind wegen der Steuerung des Raumklimas und der Erfassung des Futterverbrauchs mit modernster Computertechnik ausgestattet und an die Trinkwasserleitung angeschlossen. Die Kosten betrugen bis zu 200 000 Euro pro Stall. Rund um die fünf „Hühner-Mobilheime“ steht den Tieren Grünflächen mit Klee und Luzerne als Auslauf zur Verfügung.

Da sich die kleine Ortschaft Ellierode in einem Talkessel befindet, wurde vor einigen Jahren ein angrenzendes Areal von 60 000 Quadratmetern in Hanglage eigens für die Haltung der Hühner mit neun Meter breiten Terrassen angelegt, auf denen die Hühnermobile das ganze Jahr über hin und her wandern.

„Wir versetzen die Wagen nach Bedarf, das heißt, je nachdem wie stark der Auslauf von den Tieren in Mitleidenschaft gezogen wurde. Umzug ist aber mindestens sechsmal im Jahr“, sagt Schlegel. Durch das regelmäßige Versetzen spielen Probleme wie Überdüngung der Fläche durch den Kot der Tiere oder Schlamm- und Pfützenbildung im Auslauf mit einer einhergehenden Vermehrung von Krankheitserregern keine Rolle, sagt Schlegel.

„Den Tieren steht stets frisches Grün zur Verfügung und wir können uns täglich an vitalen Hühnern mit einer stabilen Gesundheit erfreuen“, erläutert Stefanie Schlegel. Dass es den Hühnern gut geht, zeigt die Tatsache, dass die Tiere weit über das übliche Jahr hinweg mit einer guten Legeleistung Eier legen.

Nach dem Legen werden die Hennen direkt vor Ort geschlachtet und als Suppenhühner auf dem Hof vermarktet. Einige werden aber auch lebend an Hobby-Hühnerhalter abgegeben, bei denen sie dann noch weiterhin Eier legen.

Christian und Stefanie Schlegel liegt übrigens nicht nur die artgerechte Haltung ihrer eigenen Hühner am Herzen, sondern auch das Wohl der sogenannten Bruderhähne. Das sind die männlichen Geschwister der Legehennen, für die es eigentlich keine Verwendung gibt, da sich ihre Aufzucht als Fleischhähnchen eigentlich nicht lohnt.

Bei Eierproduzenten, die sich wie der Schlegel-Hof an dem Konzept „Mein Bruderhahn“ beteiligen, werden solche Junghähne in Deutschland tiergerecht aufgezogen und können viermal länger leben als Masthähnchen, ehe sie zu hochwertigen Produkten verarbeitet und vermarktet werden. Die kostenintensive Aufzucht der Hähne wird über den Verkauf der Produkte finanziert. „Dies gelingt allerdings nur, sofern die Kunden uns auch hier unterstützen und die Bruderhahnprodukte kaufen“, erläutert Schlegel. (Niko Mönkemeyer)

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