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Uwe Schwarz genießt nun ein bisschen Luxus am Morgen

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Von: Olaf Weiss

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Der Garten ist sein Refugium: Uwe Schwarz lässt nur den Baumschnitt Profis machen, weil er davon nichts versteht, wie er selbst sagt. Die übrigen Arbeiten macht er mit Spaß selbst.
Der Garten ist sein Refugium: Uwe Schwarz lässt nur den Baumschnitt Profis machen, weil er davon nichts versteht, wie er selbst sagt. Die übrigen Arbeiten macht er mit Spaß selbst. © Olaf Weiss

Uwe Schwarz (SPD) ist nun im Ruhestand. Zeit ist für ihn aber nach wie vor Mangelware.

Bad Gandersheim – In jedem Klischee steckt ein Fünkchen Wahrheit. Diese Erkenntnis erlebt Uwe Schwarz gerade am eigenen Leib. Dem Sozialdemokrat, der mit Beginn der neuen Legislaturperiode des Niedersächsischen Landtags im Ruhestand ist, ergeht es so, wie vielen Rentnern beim Eintritt in den Ruhestand: Die erwartete viele Freizeit gibt es nicht.

„Ich habe mehr Zeit für andere Dinge, aber nicht genug“ sagt er. 90 Stunden pro Woche habe er auf dem Papier gewonnen. Das sei nach einer wissenschaftlichen Untersuchung die wöchentliche Arbeitszeit eines Landtagsabgeordneten, wenn man alle Termine im Wahlkreis mitrechnet. Seine Ehrenämter nehmen ihn aber einstweilen noch so in Beschlag, dass er kaum Freizeit hinzugewonnen hat.

So ist er unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der Domfestspiel gGmbH und Mitglied im Aufsichtsrat der Landesgartenschau GmbH. Dazu gehört für Schwarz, sich zu kümmern: unter anderem, seine Kontakte nach Hannover zu nutzen und Verbindungen zu knüpfen. Außerdem ist er weiterhin Vorsitzender der SPD-Fraktion im Northeimer Kreistag und Mitglied im Stiftungsrat der Blinden- und Sehbehindertenstiftung Niedersachsen. Und aus Hannover, also der Landespolitik, ist er nach eigenen Worten auch „noch nicht ganz weg“. Da werde er noch nach dem einen oder anderen Tipp gefragt, erzählt er.

„Das ist doch ein Geschenk, so einen Betrieb 36 Jahre überlebt zu haben – nicht nur politisch, sondern auch gesundheitlich“, blickt er dankbar auf seine Zeit als Berufspolitiker zurück. Von 1986 bis 2022 war er Mitglied des Landtags und hatte sich dort vor allem als Sozialpolitiker einen Namen gemacht.

Etwas Lebensqualität hat Schwarz als Landtagsabgeordneter im Ruhestand allerdings doch gewonnen. Wenn seine Frau Franziska Schwarz zwischen 8 und 8.30 Uhr morgens das Haus verlässt, um im Bad Gandersheimer Rathaus ihren Amtsgeschäften als Bürgermeisterin nachzugehen, dann lässt er es noch ein bisschen ruhig angehen. „Dann bleibe ich sitzen und lese in Ruhe Zeitung“, sagt er. Auch dass er nun morgens Zeit für Gymnastik, Yoga und zum Strampeln auf dem Ergometer hat, empfindet er als Luxus.

Ein weiterer täglicher Fixpunkt sind die Mahlzeiten, die er und seine Frau, wann immer es geht, zusammen einnehmen. „Wir leben nicht nebeneinander her“, betont er, dass es für beide wichtig sei, sich nicht nur zufällig zu Hause zu treffen. Als fünffacher Großvater in einer Patchwork-Familie sei er auch sonst familiär gefordert, auch wenn die nicht gerade um die Ecke wohnen.

„Wenn ich Luft habe, mache ich gerne Gartenarbeit“, sagt Pflanzenliebhaber Schwarz. Die noch auf den herbstlichen Rückschnitt wartenden Büsche und Sträucher sind Zeugen dafür, dass es in seinem Terminplan bisher noch nicht viel Luft gab.

Fürs Foto mit der Gartenschere an einem Busch ein paar Schnitte zu setzen, lehnt Schwarz aber ab. „Dann höre ich nicht mehr auf.“ Das lässt sein Tagesplan aber offenbar nicht zu. So räumt er für das Foto noch einmal ein Teil einer einst massiven, nun morsch gewordenen, Gartenbank beiseite.

Auch das Lesen von Büchern kommt ebenso wie seine heimliche Leidenschaft, das Bauen von Lego-Technik-Modellen, weiterhin zu kurz. Drei Modelle warten darauf, endlich von ihm zusammengesetzt zu werden. Das jüngste davon hat er nach eigenen Worten im vergangenen Jahr zu Weihnachten bekommen.

„Ich will mich nicht hinsetzen und warten, dass ich sterbe“, blickt der 65-Jährige nach vorn. Nun wolle er aber erst mal runterkommen, sein Leben neu sortieren und dann sehen, welche Möglichkeiten sich ihm noch bieten. So kurz nach dem Ende seiner parlamentarischen Tätigkeit ist er damit jedenfalls noch lange nicht fertig. Zunächst steht auf seiner To-do-Liste, sein Archiv im Keller zu sortieren und Überflüssiges daraus zu entsorgen.

Schwarz wird Ehrenbürger

Uwe Schwarz, ehemaliger Bürgermeister von Bad Gandersheim und langjähriger SPD-Landtagsabgeordneter, wird Mitte Dezember Ehrenbürger der Stadt Bad Gandersheim. Seit dem Jahr 1875 hat es insgesamt 22 Ehrenbürger der Stadt Bad Gandersheim gegeben, die inzwischen alle verstorben sind.

Die letzte Verleihung fand im Jahr 2002 an den früheren Bürgermeister sowie Stadt- und Kurdirektor Hans-Dieter Gottschalk und den zwölf Jahre amtierenden Bürgermeister Dr. Heinz Köhler statt, so die Stadt in einer Pressemitteilung.

Mit dem Ehrenbürgerrecht solle die mehr als 40-jährige politische Arbeit von Schwarz für die Belange der Stadt besonders gewürdigt werden, heißt es weiter. Von 1986 bis 2022 war Schwarz Mitglied des Niedersächsischen Landtages, zudem gehörte Uwe Schwarz dem Rat der Stadt Bad Gandersheim von 1981 bis 2005 an. In dieser Zeit war er von 1986 bis 1991 und von 1996 bis 2001 als ehrenamtlicher Bürgermeister für die Stadt aktiv.

Zusätzlich ist Schwarz Aufsichtsratsvorsitzender der „Gandersheimer Domfestspiele gGmbH“ und seit dem Jahr 1996 Mitglied und aktuell SPD-Fraktionsvorsitzender des Northeimer Kreistags.

Laut Mitteilung aus dem Rathaus habe sich Schwarz unter anderem maßgeblich für die Gestaltung der historischen Altstadt Bad Gandersheims sowie für die Sanierungen des ehemaligen evangelischen Krankenhauses, des Rudolf-Cahn-von-Seelen-Stadions und des Sole-Freibades engagiert.

Weiter heißt es: „Die Errichtung des Rückhaltebeckens Seboldshausen und die zentrale Abwasserentsorgung der Dörfer, der Ausbau des Finanzamtes und der Erhalt des Straßenbauamtes, die Wirtschaftsförderung heimischer Betriebe, die Landesförderung der Landesgartenschau 2023 sowie die Weiterentwicklung der Gandersheimer Domfestspiele sind weitere Bereiche, die bis heute die Handschrift von Uwe Schwarz tragen.“ (kat)

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