Ein rettendes Dach fürs Theater

Das Probenzentrum der Domfestspiele hat seine Feuertaufe bestanden

Das Gebäude liegt an der neuen Straße am westlichen Stadtrand der Kurstadt.
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Das Gebäude liegt an der neuen Straße am westlichen Stadtrand der Kurstadt. Es ist das einzige Probenzentrum eines deutschen Freilichttheaters.

Ohne das neue Probenzentrum hätte es wohl auch in diesem Jahr kein Theater vor der Stiftskirche gegeben. „Das Probenzentrum hat uns gerettet“, sagt Domfestspiel-Intendant Achim Lenz.

Bad Gandersheim – Die Größe des Gebäudes habe es ermöglicht, coronakonform an mehreren Stücken zu arbeiten.

„Es ist nicht einfach, unter diesen Bedingungen zu arbeiten“, betont Lenz, aber es sei trotz Corona Probenarbeit möglich gewesen. Wenn auch zu Beginn die Schauspieler noch FFP2-Masken tragen und bei störenden Straßengeräuschen proben mussten, weil die Fenster des Probenzentrums zur Minimierung des Coronarisikos geöffnet bleiben mussten.

Intendant Achim Lenz

Ein eigenes Probenzentrum habe kein anderes Freilichttheater in Deutschland, sind der Intendant und Geschäftsführer Thomas Groß stolz auf die neue Einrichtung, die während der Festspiele auch von der Theaterpädagogik genutzt werden soll. Damit gebe es bei den Domfestspielen nun ähnlich gute Probenbedingungen wie in einem festen Theater, so Lenz.

Anderthalb Jahre dauerten die Arbeiten an dem Gebäudekomplex, der umgebaut und erweitert wurde. Das im Herbst vergangenen Jahres fertiggestellte Probenzentrum verfügt nun über

-  eine große Halle, deren Größe exakt den Bühnenausmaßen vor dem Domportal entspricht,

-  eine kleine Halle mit einem für das Tanztheater wichtigen Schwingboden sowie

-  einen Clubraum mit einer Küche.

-  Dazu kommen außerdem Umkleiden mit Duschen und sanitären Einrichtungen.

Probe zu „Faust“ unter Corona-Bedingungen: Zu Beginn der Erarbeitung der Stücke mussten die Schauspieler, hier Alexander Wipprecht (Faust) und Felicitas Heyerick (Mephistopheles), im Probenzentrum Masken tragen.

In der Vergangenheit mussten für die Proben jedes Jahr wieder neue Räume gefunden und angemietet werden. Das sei immer schwieriger geworden, so Domfestspiel-Sprecher Frank Bertram. Auch seien die dezentral an verschiedenen Orten stattfindenden Proben immer eine große Belastung für alle Beteiligten gewesen.

Auch als Veranstaltungsort ist das Probenzentrum gedacht. So finden bei den diesjährigen Domfestspielen dort die Vorstellungen der Wiederaufnahme des Stückes „Al dente – ich bin hier der Chef“ statt. In der Zeit, wo es für die Domfestspiele nicht gebraucht werde, soll es aber auch vermietet werden, beispielsweise an Vereine.

Das Probenzentrum bietet so viel Platz, dass gleichzeitig an mehreren Stücken gearbeitet werden kann.

Möglich wurde die Einrichtung des Probenzentrums durch das Sponsoring des Bad Gandersheimer Unternehmens Leicht & Appel, von dem die Domfestspiel gGmbH das Gebäude bekommen hat. Zuletzt war der Komplex, der einst als Fabrikgebäude diente, an einen Lebensmittel-Logistiker verpachtet.

Über die finanziellen Konditionen, zu denen die Domfestspiele das Gebäude am Stadtrand der Kurstadt erhalten und ausgestattet haben, schweigen sich die Verantwortlichen aus. Nur so viel verraten sie: Es sei die mit Abstand größte Investition in der Geschichte der Domfestspiele. Es dürfte sich dabei in jedem Fall um eine höhere sechsstellige Summe handeln, die nur dank zahlreicher Sponsoren aufgebracht werden konnte. Zur Finanzierung der technischen Ausstattung hatte die Festspielleitung außerdem eine Spendenaktion gestartet.

Je nach Höhe der Unterstützung erhielten die Spender als Dankeschön eine Gegenleistung. Die Liste reichte bis zu Abendessen mit dem Intendanten. Dafür musste man 750 Euro spenden. (Olaf Weiss)

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