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Schnelle Hilfe für psychisch Erkrankte in Gandersheimer Klinik

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Von: Axel Gödecke

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Steht seit einigen Jahren leer: Die frühere Roswitha-Klinik an der Hildesheimer Straße in Bad Gandersheim. Archiv
Steht seit einigen Jahren leer: Die frühere Roswitha-Klinik an der Hildesheimer Straße in Bad Gandersheim. © Konstantin Mennecke

An Depression erkrankte Menschen warten aktuell 22 Wochen auf einen ambulanten Therapieplatz. In der Paracelsus Roswithaklinik Bad Gandersheim geht es wesentlich schneller.

Bad Gandersheim - In der psychosomatische Reha-Klinik mit 200 Betten hat man schon 2005 einen besonderen Weg eingeschlagen. Seitdem gibt es dort unter dem Titel „Integrierte Versorgung“ eine sektorübergreifende Behandlung psychisch Erkrankter, wobei der in Gandersheim gewählte Ansatz den ambulanten und stationären Sektor verbindet. Darauf weist die Klinik anlässlich der gerade bundesweit laufenden „Woche der Seelischen Gesundheit“ hin.

In der Gandersheimer Klinik passiert die Einleitung und Aufnahme einer stationären Psychotherapie innerhalb einer Woche. Danach schließt sich eine ambulante Nachsorge an. „Das Problem der Wartezeit ist das Eine“, erläutert Helmut Platte, Oberarzt in der Roswithaklinik. „Das Andere ist, dass Betroffene oft Bedenken haben, sich in eine stationäre Behandlung zu begeben. Wir wollten die Situation in Südniedersachsen und im Landkreis Northeim verbessern.“ Der in Bad Gandersheim verfolgte Ansatz sei einmalig in Niedersachsen.

Helmut Platte
Helmut Platte © Paracelsus Roswithaklinik

Dass dies dort möglich sei, liege an der Vernetzung der Klinik mit über 250 qualifizierten Einweisern in der Region und mehr als 40 Krankenkassen. Vertragspartner seien Hausärzte, Nervenärzte und psychologische Psychotherapeuten.

„Durch die Kooperation von niedergelassenen Kollegen und Klinik können Betroffene rasch einen wohnortnahen Behandlungsplatz erhalten“, so Platte. „Wir sind in unserer Klinik flexibel und schnell in der Lage, Patienten ein Einzelzimmer mit Balkon, Bad und TV zur Verfügung zu stellen.“

Die Patienten bleiben sechs Wochen in Bad Gandersheim. Während dieser Zeit stehen verhaltenstherapeutisch basierte Einzel- und Gruppenpsychotherapie, Sport-, Kunst- und Ergotherapie sowie tiergestützte Therapie auf dem Programm.

„Wir gehen die Therapie ganzheitlich an, kümmern uns um stressassoziierte Störungen und arbeitsplatzbezogene Konflikte“, erläutert der Oberarzt. Ziel sei es unter anderem, lange Zeiten der Arbeitsunfähigkeit zu vermeiden. Das gelinge besser, wenn Patienten zeitnah behandelt werden.

Auch nach der Entlassung sei mit der Behandlung nicht Schluss. Sechs psychotherapeutische Gespräche mit dem ärztlichen oder psychologischen Einweiser dienten dazu, die Ergebnisse der stationären Therapie zu festigen. Nach Absprache könnten die Gespräche auch in der Klinik stattfinden.

Zusätzlich könne eine eigene digitale Therapie-App von Paracelsus zur Anwendung kommen. Diese werde bereits während des Klinikaufenthalts eingesetzt und unterstützte bei der Umsetzung des Erlernten in den Alltag zuhause, zum Beispiel mit Anleitung zur Entspannung.

300 Patienten pro Jahr

Der Erfolg gibt den Gandersheimern Recht: Bis zu 300 Patienten kommen im Jahr zu Oberarzt Helmut Platte und seinen Kolleginnen und Kollegen in die Klinik.

Der Weg in die kombinierte Behandlung führt über einen kooperierenden Arzt oder Psychotherapeuten, der Mitglied im Netzwerk der „Integrierten Versorgung“ ist, heißt es von der Klinik. Dieser leite die Direkteinweisung ein. Auch die Krankenkasse – zum Beispiel die AOK oder eine von 40 Betriebskrankenkassen – müsse im Projekt als Partner eingebunden sein. (Axel Gödecke)

Kontakt: Paracelsus Roswithaklinik, Tel. 05382/91 73 84 oder eine E-Mail an Elona.bechler@pkd.de

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