Nach Verschärfung der Sicherheitshinweise

Frau aus Kreis Northeim in der Türkei: Ton wird immer aggressiver

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Polizeiabsperrung in Istanbul: Eine junge Frau aus dem Landkreis Northeim lebt seit einiger Zeit in der Nähe Istanbuls und hat mehrfach negative Erfahrungen bei Polizeikontrollen gemacht.

Northeim. Seit dieser Woche gelten verschärfte Reise- und Sicherheitshinweise für die Türkei. Eine junge Frau, die in der Türkei arbeitet und anonym bleiben möchte, hat uns ihre Erfahrungen geschildert. 

Die Frau Anfang 20 arbeitet als Lehrerin in einer nicht von Tourismus geprägten Stadt nahe Istanbul. Uns hat sie ihre Erfahrungen in der Türkei eindrucksvoll geschildert: 

„Ich merke sehr deutlich, dass außerhalb der Touristen-Regionen der Tonfall sehr viel aggressiver gegenüber Deutschen geworden ist. Auch sind die Kontrollen deutlich stärker geworden. Ich habe mich entschieden in die Türkei zu gehen, weil ich dieses Land schon immer faszinierend fand und ich Auslandserfahrungen sammeln wollte“, berichtet sie.

„Ich unterrichte Englisch, selbst das ist schon heikel, da alles, was fremd ist, wie die englische Sprache, prinzipiell erst mal als gefährlich empfunden wird. Im Unterricht selbst wird andauernd versucht, mit mir über Politik oder auch Religion zu sprechen. Ich muss jedes Wort überlegen und abschätzen, ob es mir negativ ausgelegt werden könnte.“

Gebrüll und rauer Umgang

Auch beim Einkaufen oder bei einer Polizeikontrolle habe sie schon negative Erfahrungen gesammelt: „Die aggressive Haltung mir gegenüber bekomme ich dann zu spüren, wenn ich zum Beispiel etwas kaufen will, die türkische Bezeichnung aber nicht kenne. Dann bekommt man mit, dass ich Ausländerin bin, teilweise wird einfach aufgehört, mich zu bedienen. Ich wurde auch schon des Geschäftes verwiesen.“ Besonders schwierig seien nach ihren Schilderungen die Polizei-Kontrollen: „Diese finden überall spontan statt. Kein türkischer Polizist spricht englisch. Da kommt es ganz schnell zu Gebrüll und einem sehr rauen Umgang mit mir. Ich denke, aus Unsicherheit und Abneigung.“

Warum die junge Frau nicht mit Foto und Namen in der Zeitung erscheinen möchte, begründet sie so: „Es braucht nur jemand diesen Artikel zu lesen und meinen Namen weiter zu leiten, dann geht es mir hier ganz schnell nicht mehr so gut wie jetzt. Das ist auch eines der ersten Dinge, die ich hier lernen musste: Äußere dich nie in irgendeiner Weise öffentlich. Nicht einmal auf Facebook. Die Türkei ist ein tolles Land. Aber niemand sollte, ohne sich vorher genau zu informieren, herkommen.“

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