Korrekte Ermittlung der Geräuschbelastung war nicht möglich

Lärmmessungen rund um die Gandersheimer Domfestspiele bleiben ein Thema

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Rechts neben der Tribüne befindet sich das Haus, in dem die Beschwerdeführerin wohnt.

Bad Gandersheim. Eine Frage war zum Auftakt der 61. Spielzeit am Sonntag noch in der Schwebe: Befindet sich die Lärmbelastung für die Anwohner in einem erträglichen Maß.

Der Landkreis Northeim hatte in der vergangenen Saison durch einen öffentlich bestellten Sachverständigen Messungen vornehmen lassen, um zu ermitteln, wie hoch die Geräuschbelastung bei den Festspielen ist. Das Gutachten liege inzwischen vor, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung. Allerdings habe es bei den Messungen ein Problem gegeben.

Die Messungen waren eine Auflage des Verwaltungsgerichts Göttingen. Das Gericht hatte im Sommer 2017 der Klage einer Anwohnerin des Domvorplatzes stattgegeben, die sich durch die Geräuschkulisse während der Festspielzeit beeinträchtigt fühlte. Das Gericht verpflichtete den Landkreis zum „bauaufsichtlichen Einschreiten“. Sollte sich herausstellen, dass die zulässigen Immissionsrichtwerte bei den Open-Air-Darbietungen überschritten werden, müsste die Behörde gegen die Domfestspiele gGmbH einschreiten.

Der Landkreis beauftragte daraufhin ein Ingenieurbüro in Hannover, das auf technische Akustik spezialisiert ist. Das jetzt vorliegende Gutachten basiere auf Messungen, die zwischen April und Juli 2018 vorgenommen wurden, teilte Verwaltungssprecher Dirk Niemeyer mit. Nach den Vorgaben des Gerichts waren jeweils an zwei Tagen des Auf- und Abbaus der Tribüne Lärmmessungen vorzunehmen, außerdem jeweils eine Messung bei den Proben sowie jeweils zwei Messungen bei den Abendvorstellungen der einzelnen Stücke. Dabei ging es nicht nur um den Geräuschpegel, den die Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker auf der Bühne produzierten, sondern auch um die Lautstärke, die durch die Beifallsbekundungen des Publikums entsteht. Die Messungen müssten insbesondere auch den Schlussapplaus und das Verlassen der Tribüne durch die Zuschauer erfassen, hieß es in der Gerichtsentscheidung.

Die Messungen seien dadurch erschwert worden, dass die betroffene Wohnung der Beschwerdeführerin nicht zur Verfügung gestanden habe, sagte der Verwaltungssprecher. Aufgabenstellung des Gutachtens sei jedoch gewesen, die Geräuschimmissionen für diese Wohnung zu ermitteln. Deshalb hätten die Messungen nur außerhalb vorgenommen werden können, bei geschlossenem Fenster der Wohnung. „Geschlossene Fenster reflektieren aber den Schall, sodass die gemessenen Geräuschimmissionen auf rechnerisch ermittelten Werten beruhen“, erklärte Niemeyer. Derzeit würden die Ergebnisse des Gutachtens mit allen Beteiligten ausgewertet. Die Bauaufsichts- und die Immissionsschutzbehörde sowie der Jurist des Landkreises würden „den Sachverhalt und die Rechtslage noch intensiv und ausführlich“ prüfen.  

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