Trägergesellschaft hat ersten Entwurf für die Umgestaltung der Grünanlagen präsentiert

Die Landesgartenschau in  Bad Gandersheim: Stadtentwicklungsprojekt statt Blümchenschau

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Die Bad Gandersheimer Stiftskirche: Ein Ziel der Umgestaltung der Grünanlagen für die Landesgartenschau ist, den historische Stadtkern, in dessen Zentrum sie liegt, besser mit den Kuranlagen zu verbinden

Bad Gandersheim – Die Bedeutung der Landesgartenschau 2022 (Laga) für die Entwicklung von Bad Gandersheim hat der Geschäftsführer der Trägergesellschaft, Thomas Hellingrath betont.

„Die Landesgartenschau ist keine Blümchenschau, sondern ein städtebauliches Entwicklungskonzept“, sagte der Gärtner und Landschaftsarchitekt, der für die planerische Seite der Geschäftsführung zuständig ist, im Gespräch mit der HNA. 

Die Schau bietet nach seinen Worten die Chance, 

- den Gesundheitsstandort durch moderne Kuranlagen zu stärken, 

- das Stadtbild zu verbessern und

- die Stadt fit zu machen für die nächsten Jahrzehnte.

 So soll unter anderem die Anbindung der Kuranlagen an den historischen Stadtkern verbessert werden, erläuterte er. „Da wird ein Teppich ausgerollt, begehen müssen ihn andere“, sagte Hellingrath. Die Laga solle eine Initialzündung für private Investitionen sein, vor allem im Bereich Gastronomie und Hotellerie. Insbesondere touristisch sollen die Kurstadt, aber auch die Region, langfristig profitieren. 

Geschäftsführer Thomas Hellingrath.

Mit 300 000 Besuchern, aber 450 000 Besuchen kalkuliert Hellingrath. Dauerkartenbesitzer werden die Laga an vielen Tagen besuchen, andere zumindest an mehreren Tagen kommen. 

Als Haupteinzugsgebiet gilt nach seinen Worten der Bereich zwischen Kassel und Hannover, dem Harz und Paderborn. Diesen Besuchern, so sein Ziel, soll bei der Laga und ihrem Begleitprogramm so viel geboten werden, dass sie anschließend für Bad Gandersheim und Umgebung werben. So sei unter anderem eine Kooperation der Landesgartenschau mit den Domfestspielen geplant. 

Es gebe viel Unwissenheit, aber auch Interesse, beschreibt er die Haltung der Kurstädter zur Laga. Unter anderem müsse er viele Gerüchte entkräften. Beispielsweise, dass die Hildesheimer Straße (in Richtung Lamspringe) während der Laga gesperrt werde. Oder dass man mit einer Tageskarte nur einmal das Laga-Gelände betreten kann und nach dem Verlassen am selben Tag nicht noch einmal aufs Gelände darf.

Der Entwurf: Ein grünes Band mit alten Bäumen

Der Entwurf für die Pläne der Landesgartenschau (Laga) sind am Mittwochabend in einer Bürgerversammlung im Forum des Bad Gandersheimer Roswitha-Gymnasiums vorgestellt worden.

Planentwurf: Das Landesgartenschaugelände soll sich am Nordostrand der Bad Gandersheimer Kernstadt entlang ziehen.

Hier die wichtigsten Eckpunkte:

Lage

Das Gelände reicht vom Kloster Brunshausen (Nummer 1 in der Karte) im Norden der Kurstadt bis zur Paracelsus-Klinik (2) im Süden. Kernbereich sind die Kuranlagen zwischen dem See am Kurhaus (3) und der Roswitha-Klinik am nördlichen Ende der Kuranlagen von Bad Gandersheim (4).

Die genauen Grenzen des Laga-Geländes stehen nach den Worten von Geschäftsführer Thomas Hellingrath aber noch nicht fest. So ist bei den derzeitigen Planungen das Gelände um das Kurhaus (einschließlich des Teiches) außen vor gelassen worden, weil wegen der Eigentumsfrage noch nicht klar ist, ob es mit umgestaltet werden kann. Die im Plan deutlich hervorgehobenen Bereiche, zeigen das Gelände, mit dem sich das Planungsbüro NSP (Hannover) zunächst beschäftigt hat. Der endgültige Geländezuschnitt werde sich in den nächsten Monaten entscheiden.

Gestaltung

Die Bepflanzung der Kuranlagen sollen nach den Worten von Geschäftsführer Thomas Hellingrath komplett neu gestaltet werden. Der alte Baumbestand soll dabei aber erhalten bleiben. Ein Aspekt, der erreicht werden soll, ist eine Anbindung des Stadtkerns rund um die Stiftskirche (5) an die Kuranlagen.

Infrastruktur

Für Besucher sollen am östlichen Ortseingang (Bundesstraße 64) befristet auf die Zeit der Landesgartenschau rund 2000 Parkplätze (6) entstehen. Es laufen gerade Verhandlungen mit den Eigentümer der Ackerflächen südlich und westlich der Klinik am See.

Der Haupteingang ist dort geplant, mindestens zwei weitere Eingänge soll es geben: einen in der Stadt und einen am Kloster Brunshausen. Eventuell soll dazwischen noch ein Weiterer geschaffen werden.

Auf dem Gelände sind Gastronomie-Einrichtungen und eine Bühne für Veranstaltung geplant. Im sichtbaren Bereich soll ein ansehnlicher Zaun das Gelände begrenzen. In den Bereichen, wo die Laga-Grenze kaum erkennbar ist – beispielsweise dort, wo es an Wald angrenzt, soll es eine schlichtere Einfriedung geben. Im Nordosten, wo der Lauf des Flüsschens Gande die natürliche Geländegrenze bildet, soll es gar keinen Zaun geben.

Zeitplan

Mit dem Ablassen des einen Osterbergsees (7) haben die Vorarbeiten für die Umgestaltung des Geländes bereits begonnen. Der eigentliche Baubeginn soll Mitte des kommenden Jahres sein. „Dann wird anderthalb Jahre durchgearbeitet“, sagt Hellingrath. Ende 2021 sollen die meisten Arbeiten abgeschlossen sein.

Allerdings, so räumt der Hellingrath ein, sei es bei Landesgartenschauen immer so, dass vorne die ersten Besucher auf das Gelände kämen, während hinten die letzten Bagger herunterfahren.

Er hat Erfahrung: Als Geschäftsführer war er für die Landesgartenschau 2014 in Zülpich (Nordrhein-Westfalen) mitverantwortlich. In der Nachfolgegesellschaft, die das Gelände in der 20 000-Einwohner-Stadt zwischen Bonn und Aachen weiter vermarktet hat, war er bis zum vergangenen Jahr ebenfalls als Geschäftsführer tätig.

Das Land Niedersachsen zahlt

Die Landesgartenschau 2022 in Bad Gandersheim ist die erste, die vom Land Niedersachsen gefördert wird. Es hat bereits fünf Millionen Euro für Investitionen und eine Million Euro für die Kosten der Trägergeselleschaft bewilligt. Laut Laga-Geschäftsführer Thomas Hellingrath sind weitere Anträge in Vorbereitung, um aus weiteren Fördertöpfen des Landes Geld zu bekommen. Er hofft, dass insgesamt 12 Millionen Euro aus Hannover für die Laga fließen.

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