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Gandersheimer Domfestspiele: Mit Improvisation mehrfach den Spielplan gerettet

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Von: Olaf Weiss

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Zogen eine zufriedene Bilanz: (von links) Uwe Schwarz, Achim Lenz, Thomas Groß, Theaterpädagoge Lukas Keller und Franziska Schwarz.
Zogen eine zufriedene Bilanz: (von links) Uwe Schwarz, Achim Lenz, Thomas Groß, Theaterpädagoge Lukas Keller und Bürgermeisterin Franziska Schwarz. © Olaf Weiss

Corona hat den Gandersheimer Domfestspielen viel abverlangt. „Wir sind alle ziemlich durch“, sagte Intendant Achim Lenz bei der Abschlusspressekonferenz am Mittwoch.

Bad Gandersheim – Zeitweise Ausfälle von infizierten Schauspielern konnten nach seinen Worten nur ausgeglichen werden, weil Personen einsprangen, die eigentlich andere Aufgaben haben. So war beispielsweise Domfestspiel-Geschäftsführer Thomas Groß einmal in der Hauptrolle des William von Baskerville „In der Name der Rose“ auf der Bühne zu sehen. Publikumsliebling Fehmi Göklü, der in diesem Jahr eigentlich nicht zum Ensemble gehörte, sprang außerdem kurzfristig ein und übernahm zeitweise unterschiedliche Rollen. In der Disziplin Improvisation hätten die Festspiele Medaillenchance, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Schwarz.

Lenz hob auch den Einsatz des gesamten Ensembles hervor. Denn um diejenigen, die einsprangen, beispielsweise in Choreografien der Musicals zu integrieren, seien zahlreiche zusätzliche Proben notwendig gewesen, die nachmittags in der prallen Sonne stattgefunden hätten.

Spielzeit 2023

Eine Lehre der diesjährigen Erfahrungen ist laut Lenz, für die nächste Spielzeit Stücke auszusuchen, deren Inszenierungen „weniger komplex sind“ wie Spamalot. Außerdem soll es ein Stück vor der Stiftskirche geben, „das wir immer spielen können“ – auch wenn das Ensemble durch Krankheitsausfälle gebeutelt ist.

Was auf den Spielplan 2023 kommt, weiß der Intendant nach eigenen Worten selbst noch nicht. Nur das möglicherweise „Frühstück bei Tiffany“ im nächsten Jahr wiederaufgenommen wird, gaben er und Groß bekannt. Auch soll die Spielzeit wegen der Landesgartenschau wie die diesjährige eine Woche länger sein als üblich. Als die Festspiele 2022 mit dem Motto „Grüner wir´s nicht“ geplant wurden, war von einer Verschiebung der Laga auf 2023 noch nicht die Rede.

Die Stückauswahl für das kommende Jahr will Lenz erst vor dem Vorverkaufsbeginn am 14. November bekannt geben. Zum einen wollen er und Groß zunächst die diesjährige Spielzeit analysieren, bevor über neue Stoffe entschieden wird. Zum anderen erhoffen sie sich damit auch zusätzliche Aufmerksamkeit, wenn sie das Programm erst im Herbst öffentlich machen.

Finanzen

Geschäftsführer Groß freut sich über 20 Prozent mehr Zuschauer als im vergangenen Jahr. Zur noch laufenden Spielzeit sagt er: „Es wird schwer, die schwarze Null zu erreichen.“ Er dankte Sponsoren und Publikum für ihre Solidarität mit den Domfestspielen. Trotz der allgemeinen Teuerung schlossen er und Aufsichtsratschef eine Erhöhung der Eintrittspreise für 2023 aus. „Wir wollen weiter Zuschauer zurückgewinnen“ sagte Groß. Da wäre eine Preisanhebung das falsche Signal. „Theater muss sich der Kommerzialisierung entgegenstellen“, betonte auch Lenz. Es wäre falsch, die Kostensteigerung über den Ticketpreis aufzufangen. Bei den Domfestspielen werden 70 Prozent des Budgets durch den Kartenverkauf gedeckt. Der Rest kommt von Sponsoren und öffentlichen Förderern. Dort, bei Bund und Land, wird Groß ansetzen: „Ich will mich bemühen, dass wir mehr Fördergeld bekommen.“ Denn im Vergleich zu anderen erhielten die Domfestspiele eine relativ geringe Unterstützung. (Olaf Weiss)

7000 Besucher mehr als 2021

Die Domfestspielsaison 2022, mit der die Verantwortlichen zufrieden sind, in Zahlen:

3 Aufführungen von „Die „Schatzinsel“ mussten ausfallen, weil coronabedingt Ausfälle im Ensemble nicht kompensiert werden konnten. So gab es insgesamt nur zwölf Aufführungen des Familienstückes.

10-mal stand „Frühstück bei Tiffany“ im Probenzentrum auf dem Spielplan. Alle Aufführungen waren ausverkauft.

16 Aufführungen des am besten besuchten Stückes, dem Schauspiel „Der Name der Rose“ nach dem gleichnamigen Roman von Umberto Eco, gab es vor der Stiftskirche.

18-mal gab es das Musical „Spamalot – Die Ritter der Kokosnuss“ zu sehen.

19-mal wurde „Der kleine Horrorladen“ gespielt.

63 Prozent der Plätze waren durchschnittlich bei den Stücken besetzt.

78 Termine, das Nebenprogramm eingerechnet, gibt es bis zum Ende der Spielzeit am Sonntag insgesamt, 81 waren geplant.

42.000 Besucher haben bisher die Stücke besucht, 7000 mehr als im vergangenen Jahr, aber 10.000 weniger als im Rekordjahr 2019. Domfestspiel-Geschäftsführer Groß hofft, bis einschließlich Sonntag auf 44.000 zu kommen. Mit dem Rahmenprogramm (Begrüßungsfest, Theaterfest, „Freitags im Zelt“ und Domspitzen) kalkuliert die Festspielleitung mit 50.000 Besuchern. (ows)

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