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Erlebnisausstellung „Roms Legionen marschieren“ in Brunshausen eröffnet

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Von: Michael Caspar

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3D-Druck einer römischen Lanzenspitze: Bad Gandersheims Bürgermeisterin Franziska Schwarz (von links), Kalefelds Bürgermeister Jens Meyer, Lennart Jörn von der Bürgerstiftung und Julia Fuhrmann vom Museum.
3D-Druck einer römischen Lanzenspitze: Bad Gandersheims Bürgermeisterin Franziska Schwarz (von links), Kalefelds Bürgermeister Jens Meyer, Lennart Jörn von der Bürgerstiftung und Julia Fuhrmann vom Museum. © Michael Caspar

„Roms Legionen auf dem Marsch“ gibt es jetzt in einer Sonderausstellung zu erleben, die der Veranstalter, „praeteritum“, bis zum 23. Oktober auf dem Klosterhügel Brunshausen bei Bad Gandersheim zeigt.

Bad Gandersheim - An die 50 Kilogramm wog die Ausrüstung, die ein römischer Legionär einst schleppen musste. „Das ist zehnmal so viel, wie ein Schulranzen auf die Waage bringen darf“, berichtet Julia Fuhrmann, die stellvertretende Museumsleiterin beim Portal zur Geschichte. Rüstung, Schild und Helm können Besucher selbst zur Hand nehmen.

Auch 3D-Drucke der Lanzenspitzen sind zu bewundern. Die Schuhe der Soldaten, häufig Sandalen mit harten, nagelbeschlagenen Sohlen lassen sich anfassen. Solche Nägel machen einen großen Teil der Fundstücke aus, die auf dem nahen, aus dem Jahr 235 nach Christus stammenden, römisch-germanischen Schlachtfeld am Harzhorn entdeckt worden sind.

„4000 bis 6000 Mann war eine Legion stark“, führt Fuhrmann aus. Die Soldaten marschierten in einem endlos langen Zug. Einen Teil eines solchen Marschs zeigt die Ausstellung. 1400 handbemalte Zinnsoldaten im Maßstab 1:72 umfasst er. Mit dabei sind Ochsengespanne. Maultiere tragen unter anderem die schweren Lederplanen für die drei mal drei Meter großen Mannschaftszelte. Jeweils acht Legionäre teilen sich nachts ein solches Zelt.

Riesig musste die Fläche eines Marschlagers sein, von dem die Ausstellung ein Modell zeigt. Um die Wasserversorgung sicherzustellen, ließen sich die Soldaten in der Nähe eines Flusses nieder. Jeder Legionär trank acht Liter Wasser am Tag. Das kühle Nass führten die Krieger tagsüber in Holzbottichen oder in einem Lederbeutel mit sich. Genau abgemessen war die Getreideration, die sich die Soldaten abends im Lager zu einem groben Mehl vermahlten. Daraus buken sie Brotfladen, die sie auch als Proviant mitnahmen. Aus Resten bereiteten sie sich einen Brei zu. Ergänzt wurde der Speiseplan mit Lebensmitteln, die die Krieger in Dörfern raubten.

„Der Raub von Vorräten war eventuell der Grund für die Schlacht am Harzhorn“, sagt Fuhrmann. Die Germanen könnten angegriffen haben, weil sie die Lebensmittel für den Winter benötigten. Vielleicht wollten sie auch versklavte Freunde und Verwandte befreien. Einen gemeinsamen Besuch von Ausstellung und Harzhorn fördert „praeteritum“ mit vergünstigten Eintrittskarten.

„Die Idee zur Ausstellung hatten wir schon länger“, berichtet praeteritum-Geschäftsführerin, Nathalie Boes. Nach der Absage der Landesgartenschau setzten sie den Plan – alternativ zum eigentlich geplanten Programm – innerhalb von drei Monaten um. Leihgaben erhielten sie vom süddeutschen Veranstalter Mules of Marius. Unterstützung gewährten die Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim, die Braunschweigische Stiftung wie der Landschaftsverband Südniedersachsen und die Bürgerstiftung Bad Gandersheim.

Info: Die Erlebnisausstellung im Kloster Brunshausen ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Eine Führung gibt es sonntags ab 14 Uhr. Vorab lässt sich um 11.30 Uhr zudem das Schlachtfeld am Harzhorn besichtigen. Infos: portal-zur-geschichte.de (Michael Caspar)

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