Sanierungsfehler: Wasser im Sandstein

Der Sandstein in der Westfassade des Rathauses ist so mürbe, dass immer mehr Putzstücke abfallen, zeigen Bauamtsleiter (von links) Jürgen Schnute, seine Vertreterin Margit Radke und Bürgermeisterin Franziska Schwarz. Foto:  Niesen

Bad Gandersheim. Am Rathaus der Kurstadt müssen Fehler der 1970er-Jahre beseitigt werden. Die teure Instandsetzung ist in acht Etappen geplant.

Die Bürgermeisterin von Bad Gandersheim, Franziska Schwarz, bezweifelt, dass drei Millionen Euro ausreichen werden, um den Bestand des historischen Rathauses auf Dauer für die nachkommenden Generationen zu sichern. „Unsere Kostenschätzungenberuhen auf dem Jahr 2013. Preissteigerungen sind dabei noch nicht berücksichtigt.“

Für die Bürgermeisterin ist die Sanierung des Rathauses eine Verpflichtung. „Es geht nicht um die Verwaltung, es geht vielmehr um die Erhaltung des historischen Denkmals von nationalem Rang für die Stadt.“

Für die finanziell gebeutelte Stadt Bad Gandersheim bedeutet die Sanierung einen Kraftakt. Im Rahmen des Entschuldungsvertrages mit dem Land Niedersachsen hat sie sich verpflichtet, ihre Ausgaben auf ein Minimum zu beschränken und neue Schulden zu vermeiden. Die Stadt hat sich deshalb mit der Mehrheit aus allen Ratsfraktionen entschlossen, das Mammutprojekt in acht Etappen anzupacken.

„Wir hoffen, dass wir durch Zuschüsse und vielleicht auch Bürgerspenden unseren Eigenanteil auf unter 20 Prozent drücken und vielleicht auch schneller fertig sein können“, sagt die Bürgermeisterin, die erst am 1. November vergangenen Jahres ihr Amt angetreten hat.

Nach Darstellung von Bauamtsleiter Jürgen Schnute und seiner Stellvertreterin Margit Radke sind die Schäden nach den letzten Sanierungen in den 1970er-Jahren vor allem in den Fundamenten und Grundmauern sowie im Bereich der Altane entstanden. Damals seien luftundurchlässige Putze als neueste Erkenntnisse der Bauwerkssanierungen verwendet worden.

Vollgesogen wie ein Schwamm

Leider habe dies dazu geführt, dass die betroffenen Bereiche nicht mehr „atmen“ konnten. Die bis zu einen Meter dicken Sandsteinfundamente hätten sich wie ein Schwamm voll mit Wasser gesaugt und seien infolge dessen „mürbe“ geworden. Schnute: „Über 400 Jahre lang war alles offenporig, so dass das Wasser weg konnte.“ Mit den neuen Beschichtungen habe dieses Prinzip nicht mehr funktioniert und sich als Fehler herausgestellt.

Ein anderes Problem sei die moderne Kanalisation in dem morastigen Untergrund. Sie führe wiederum Wasser von denen quasi auf einem „Wasserpolster“ stehenden Fundamenten weg, so dass insbesondere die Standfestigkeit der Westfassade gelitten habe. Diese Seite soll nun in diesem Jahr als erste mit einem Kostenaufwand von zunächst 331 000 Euro saniert werden, unter anderem mit Unterfütterungen des Fundaments.

Zuschüsse in Höhe von zusammen rund 200 000 Euro haben bereits der Bund sowie die Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim zugesagt. „Wir hoffen, dass weitere Zusagen bald kommen und wird die Baumaßnahmen ausschreiben können“, sagt die Bürgermeisterin. Ihren Worten zufolge sollen die Sanierungen so laufen, dass der Betrieb von Heimatmuseum, Gastronomie und Verwaltung möglichst wenig beeinträchtigt werden.

Von Hans-Peter Niesen

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