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Wegen Kriegslage: Bauern im Kreis Northeim wollen Brachen nutzen

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Von: Axel Gödecke

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Ackerflächen wie diese unterhalb des Hochbehälters am Northeimer Sultmer sollten laut Forderung des Kreisbauernverbands nicht länger Brachland bleiben, sondern künftig wieder bewirtschaftet werden.
Ackerflächen wie diese unterhalb des Hochbehälters am Northeimer Sultmer sollten laut Forderung des Kreisbauernverbands nicht länger Brachland bleiben, sondern künftig wieder bewirtschaftet werden. © Niko Mönkemeyer

Der Ukraine-Krieg hat weltweite Folgen für die Lebensmittelversorgung Ernte- und Importausfälle sorgen bereits jetzt für deutliche Preisanstiege und Verknappung.

Northeim - Deswegen fordern auch die Landwirte aus dem Kreis Northeim, stillgelegte Flächen wieder voll für die Produktion nutzen zu dürfen. Sie schließen sich damit einer Forderung des Landvolkverbands Niedersachsen an, wie der stellvertretende Kreislandvolkgeschäftsführer, Gerhard Rudolph, betont. Bislang aber vergebens.

Bislang erreicht worden sei in Deutschland lediglich, dass der wild aufgewachsene Aufwuchs auf ökologischen Vorrangflächen ab 1. Juli für Futterzwecke genutzt werden darf. Das geht dem Landvolk jedoch nicht weit genug. Andere Länder seien viel weiter gegangen, zumal die EU den Nationalstaaten die volle Nutzung auch für Lebensmittelerzeugung freigestellt habe.

Gerhard Rudolph, stellv. Geschäftsführer Landvolk Northeim
Gerhard Rudolph, stellv. Geschäftsführer Landvolk Northeim © Karina Wulf / nh

Die in Deutschland beschlossene Freigabe zur Futtermittelnutzung erst ab 1. Juli sei zudem zu spät gekommen, sodass eine Einsaat von Futtergerste auf diesen Flächen nicht mehr möglich sei, kritisiert Rudolph.

Auf bisherigen Pflichtbrachen als Ausnahme eine volle Nutzung zuzulassen, wäre aus Sicht des Landesbauernverbandes sinnvoll gewesen, bedauert auch Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies die schon im April getroffene Entscheidung.

Doch damit nicht genug: Für das Jahr 2023 gelte, dass sogar vier Prozent der Anbaufläche ganz brach liegen gelassen werden muss. „Wir Landwirte wollen uns mit aller Kraft für die Ernährungssicherung hierzulande und über die Landesgrenzen hinaus einsetzen. In unseren Vorschlägen geht es uns nicht um persönlichen Profit, sondern es wäre ein preisdämpfendes Signal an die überhitzten Getreidemärkte“, betonte Hennies.

Rudolph ergänzt: „Landwirte haben immer auch den Naturschutz im Hinterkopf, doch ob man sich in einer Ausnahmesituation wie der jetzigen den Luxus leisten kann, auf vier Prozent der Anbaufläche komplett zu verzichten, sollte man schon hinterfragen.“ Und man brauche eine schnelle Entscheidung. „Die Planungen der Landwirte für 2023 laufen jetzt an.“

Minister warnt: Klimakrise im Auge behalten

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) begründete die zurückhaltende deutsche Regelung der Brachflächennutzung mit der Klimakrise, der Hunger sei schon da am größten, wo sie zuschlage. Dem hält das Landvolk entgegen, dass es im Krieg mit Ausfall der Ukraine als weltweit drittgrößtem Weizenexporteur Ausnahmen geben müsse. Allein in Niedersachsen wäre 2022 durch Brachenutzung eine Steigerung der Getreideerzeugung um 600 000 Tonnen möglich gewesen. (Axel Gödecke)

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