Beim neuen Raumordnungsprogramm geht es nicht nur um Vorranggebiete für Windkraftanlagen

Ausweisung von Bauland soll nicht in jedem Dorf möglich sein

Luftbild von Wachenhausen. Dort ist ein neues Baugebiet  mit 35 Bauplätzen geplant.
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Ein neues dörfliches Baugebiet plant zum Beispiel die Gemeinde Katlenburg-Lindau am Dorfrand von Wachenhausen. Am oberen Bildrand sind bis zu 35 Bauplätze angedacht.

Nicht nur der seit Jahren tobende Streit um die Ausweisung von Standorten für Windkraftanlagen im Landkreis Northeim wird die weitere Diskussion um die Fertigstellung des neuen Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) bestimmen, sondern auch die Ausweisung von neuen Baugebieten in den kleinen Dörfern.

Northeim – Das wurde in der jüngsten Sitzung des Kreisbauausschusses deutlich, als es um den Zeitplan und den derzeitigen Stand für die Aufstellung des RROP bis zu seiner geplanten Verabschiedung durch den Kreistag im zweiten Quartal 2022 ging.

Die zweite Großbaustelle im RROP dürfte die Ausweisung von Bauland werden, wenn davon nur die größeren Orte mit einer gewissen Infrastruktur profitieren. „Das Land gibt vor, Orte mit dem Schwerpunkt Wohnen auszuweisen“, erklärte die Regionalplanerin in der Kreisverwaltung, Kirstin Wahler. Außerdem soll die sogenannte Innenentwicklung, also die Bebauung von Freiflächen in den Dorfkernen, Vorrang vor der Ausweisung neuer Baugebiete haben. Das wäre in allen Dörfern weiterhin möglich.

Die Entwicklung von Wohn- und Arbeitsstätten soll laut Landesraumordnungsprogramm vorrangig auf die zentralen Orte konzentriert werden. Das sind neben den vier Mittelzentren Northeim, Einbeck, Uslar und Bad Gandersheim die übrigen Städte und Hauptorte der Gemeinden. Aber auch elf weitere Dörfer sind nach einer Erhebung der Kreisverwaltung infrastrukturell so hoch bewertet, dass bei ihnen auch künftig noch Baugebiete ausgewiesen werden könnten.

„Wir müssen auch an die kleinen Orte denken“, sah Ausschussmitglied Werner Thiele (CDU), der als Ortsbürgermeister von Wolbrechtshausen an die Entwicklung seines eigenen Dorfes denkt, die Konzentration kritisch.

Werner Thiele (CDU)

Ohne Zuzug von außen könnten die kleinen Orte nicht überleben. Ausschussvorsitzender Rolf Metje (SPD, Sülbeck) ließ durchblicken, dass er ähnlich denkt.   (Hans-Peter Niesen)

Windräder trotz Rotmilanen möglich

Dass bei der Ausweisung der Windvorrangflächen nach wie vor ein riesiger Diskussionsbedarf zwischen Gegnern und Befürwortern unter den Zwängen der Gesetzgebung durch Bund und Land besteht, wurde bei der Sitzung des Kreisbauausschusses schon in der Bürgerfragestunde deutlich.

Der Northeimer Ratsherr Eckhard Ilsemann (FDP) wartete gleich mit einem ganzen Katalog detaillierter Fragen zur Ausweisung von Vorranggebieten auf.

Dabei ging es unter anderen um das ins Auge gefasste Gebiet am Böllenberg zwischen Berwartshausen und Wetze, die Art und Weise der vogelkundlichen Untersuchungen, um Höhenbegrenzungen für Anlagen und um rechtliche Fragen.

Um den Schattenwurf der Anlagen, die möglicherweise zwischen Hollenstedt und Wetze gebaut werden sollen, und um den Schutz des Schwarzstorchs sorgte sich Adolf Arnemann aus Hollenstedt. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und die RROP-Expertin der Kreisverwaltung, Dr. Kirstin Wahler, antworteten unter anderem, Höhenbeschränkungen gebe es nicht mehr und private Kartierungen der Vogelwelt würden geprüft. Wahler machte zudem deutlich, dass das Vorkommen des Rotmilans kein Ausschlusskriterium mehr sei, falls Vermeidungsmaßnahmen möglich seien, die das Todesrisiko für die Vögel minimierten. Dafür stünden inzwischen neue Techniken zur Verfügung.

Außerdem kündigte sie Infoveranstaltungen an, um dem Diskussionsbedarf nachzukommen. Wegen der Coronapandemie seien sie bislang nicht möglich gewesen.

Bei zwei Enthaltungen wurde einstimmig beschlossen, dass der Landkreis die Ausweisung von Windvorranggebieten übernimmt. Dies geschah zur rechtlichen Absicherung, weil bei der Sitzung vor Weihnachten Northeim, Einbeck und Moringen der Vereinbarung noch nicht beigetreten waren.

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