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Fast Zweidrittel aller Ausbildungsplätze im Kreis Northeim noch unbesetzt

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Von: Axel Gödecke

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Zwei junge Männer, wahrscheinlich Auszubildende für Mechatronik, schauen sich einen Motor an.
Auszubildende gesucht: Die Agentur für Arbeit berichtet von hunderten Stellen für Fachkräfte, die offen sind. (Symbolbild/Archiv) © Oliver Berg/DPA

Fast Zweidrittel aller Ausbildungsplätze im Kreis Northeim sind drei Monate vor Ausbildungsbeginn noch offen.

Landkreis Northeim – Weit über die Hälfte, ja fast sogar Zweidrittel aller von den Betrieben im Landkreis Northeim angebotenen Ausbildungsstellen sind drei Monate vor Start des neuen Ausbildungsjahres im August noch unbesetzt. Vertreter des Handwerks und der Industrie sind beunruhigt.

Laut Arbeitsagentur hat sich die Zahl der angebotenen Ausbildungs- und dualen Studienplätze im Kreis Northeim im Vergleich zum coronageplagten Vorjahr deutlich von 601 auf 722 erhöht. Davon sind erstaunlicherweise noch über 500 (Stand Ende März) unbesetzt.

Von den insgesamt 564 Ausbildungssuchenden – 24 weniger als im Vorjahr – warten laut Arbeitsagentur noch etwa 350 junge Menschen auf die Zusage eines Betriebs. Zum einen geht also die Schere zwischen angebotenen Stellen und Schulabgängern immer mehr auseinander, zum anderen ist es offenbar für Betriebe immer schwieriger, geeignete Azubis zu finden.

Das bestätigt Hans-Joachim Nüsse, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Northeim. „Unsere Innungsbetriebe klagen fast alle, dass es kaum noch Bewerbungen gibt, selbst bei früher überlaufenen Modeberufen wie Friseurin und Kfz-Mechatroniker ist das mittlerweile der Fall.“ Aber natürlich gebe es weiter eklatante Probleme, Auszubildende im Gastrobereich wie Bäckereien und Fleischereien, aber auch – trotz hoher Ausbildungsvergütung – für Bauberufe zu finden.

Hans-Joachim Nüsse Kreishandwerkerschaft
Hans-Joachim Nüsse, Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft Northeim © Jelinek, Hubert

Arbeitsagentur-Sprecherin Christine Gudd sieht einen Grund für die vielen offenen Lehrstellen auch darin, dass wegen Corona und ausgefallener Schulpraktika die Berufsorientierung bei den Jugendlichen fehle. Viele seien unentschlossen, warteten ab und entschieden sich dann für den weiteren Schulbesuch. Abiturienten drängten vermehrt ins Studium.

Auch in der Industrie gibt es noch viele offene Lehrstellen. So weist die Internet-Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover unter hannover.ihk.de für Northeim und Umgebung 70 freie Plätze auf.

Allein die Verpackungsmittelhersteller Thimm in Northeim sucht noch vier Azubis (Maschinenführer, Packmitteltechnologe, Industriemechaniker, Fachinformatiker). Infos gibt es im Internet unter www.entdecke-deine-zukunft.de.

124 Stellen im Einzelhandel

Ansonsten gibt es in nahezu allen Berufsgruppen im Landkreis noch offene Ausbildungsstellen. Darauf weist die Arbeitsagentur Göttingen hin. Aus der aktuellen Statistik der Agentur geht hervor, dass der Bedarf nach Auszubildenden im Einzelhandel am größten ist. So sind in den Verkaufsberufen kreisweit noch 124 offene Lehrstellen zu vergeben.

Nach Branchen geordnet folgen dann offene Ausbildungsstellen in folgenden Bereichen:

Energietechnik: 30 Stellen,

Handel (auch Großhandel): 28 Stellen,

Büro und Sekretariat: 24 Stellen,

Lagerwirtschaft, Post, Güterumschlag: 22 Stellen

Arzt- und Praxishilfen: 19 Stellen,

Unternehmensorganisation: 19 Stellen,

Fahrzeugtechnik: 15 Stellen,

Maschinenbau- und Betriebstechnik: 13 Stellen,

Versicherungs- und Finanzdienstleistungen: 11,

Holzbearbeitung und -verarbeitung: 11,

Lebensmittelherstellung: 11,

Speisenzubereitung: 11,

Informatik: 11 Stellen.

Agentur-Pressesprecherin Christine Gudd: „Und dazu gibt es in nahezu allen Berufsbereichen auch außerhalb des Landkreises Northeim noch offene Stellen, die, je nach Wohnort, für Ausbildungsinteressierte trotzdem gut zu erreichen wären, zum Beispiel im Raum Göttingen.

Hilfe bei der Ausbildungsplatzsuche

Jugendliche, die sich Unterstützung bei der Ausbildungs- oder Studienplatzsuche wünschen, können sich bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit melden. Es sind auch Beratungstermine in den Arbeitsagenturen Northeim, Einbeck und Uslar möglich (Terminvereinbarung bei der Arbeitsagentur unter 05 51 / 52 08 00 oder per E-Mail an goettingen.berufsberatung@arbeitsagentur.de). Die Kreishandwerkerschaft ist unter Tel. 0 55 51/ 9 79 70 bei Lehrstellenwünschen im Handwerk behilflich. (Axel Gödecke)

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