Ausbildung zum Brenner

Ehepaar Strautmann eröffnet Scheunen-Brennerei in Bodenfelde

Betreiber der Scheunenbrennerei: Carolin und Frank Strautmann haben mit Fördergeld ihren Traum von der eigenen Brennerei verwirklicht. Der 46-Jährige (an der geöffneten 300 Liter Brennblase) hat die Lizenz zur Herstellung von Edelbränden, Gin, Korn, Likören und Whiskey.
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Betreiber der Scheunenbrennerei: Carolin und Frank Strautmann haben mit Fördergeld ihren Traum von der eigenen Brennerei verwirklicht. Der 46-Jährige (an der geöffneten 300 Liter Brennblase) hat die Lizenz zur Herstellung von Edelbränden, Gin, Korn, Likören und Whiskey.

Eine Schnapsbrennerei haben Frank und Cordula Strautmann in Bodenfelde aufgebaut.

Bodenfelde – Das alte Holzscheunenrolltor an der Straße oberhalb der Weser in Bodenfelde ist zur Seite geschoben. Da, wo sonst Heuwagen und Trecker ein- und ausfuhren, befindet sich ein verglaster Eingang. So ist schon von Außen zu sehen, was sich im Inneren befindet: eine voll ausgestattete Brennerei.

Herr über die Anlage, die mit 100 000 Euro Fördergeld der Europäischen Union und Eigenkapital in den vergangenen Monaten entstanden ist, ist der staatlich geprüfte Brenner Frank Strautmann (46). Zusammen mit seiner Frau Carolin (39) betreibt er die Scheunenbrennerei Strautmann. Hergestellt und kreiert werden Edelbrände, Gin, Korn, Liköre und bald auch Whiskey. Damit ein Brand so heißen darf, muss er mindestens drei Jahre lang reifen, sagt Jung-Brenner Frank Strautmann.

Die Idee entstand vor neun Jahren, weil zum ehemaligen elterlichen Nebenerwerbs-Landwirtschafsbetrieb auch Wiesen mit Obstbäumen gehörten. „Das eigene Obst schien wie geeignet fürs Brennen“, sagt Strautmann. Dann nahm alles seinen Lauf. Schnell fand der Elektriker und Betriebswirt, der seit 1992 als Produktionsleiter in einem Göttinger Unternehmen arbeitet, heraus, dass der Zoll gefragt werden muss.

Von 2015 bis 2017 ließ er sich an der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg/Heilbronn nebenberuflich zum Brenner ausbilden. Für Blockunterricht und Praktika in Betrieben sowie einen zusätzlichen Sommelier-Kurs reiste er nach Baden-Württemberg und Bayern und lernte viel etwa über Obstbau, Brennerei, Rezepte, Chemie und Sensorik.

Eine gesetzliche Änderung 2018 machte dann den Weg frei. Der Zoll genehmigte eine Brennerei (Mitbewerber gibt es in Nörten-Hardenberg und Reileifzen/Weser) im 3200-Seelen-Ort Bodenfelde. Bei einem touristischen Workshop erfuhr Strautmann von Fördermöglichkeiten im ländlichen Raum. Und weil er Schnaps nicht nur für den Hausgebrauch brennen wollte, sondern vor allem etwas Besonderes für die Menschen der Region und Touristen im Weserbergland schaffen wollte, freute er sich, als er über die lokale Leader-Aktionsgruppe des Kreises Northeim eine Förderzusage bekam. Bei der Vorstellung seines Vorhabens sei er sich vorgekommen wie in der Höhle der Löwen. „Ohne Fördergeld hätte alles länger gedauert“, gibt Frank Strautmann zu. Neben dem Fördergeld hat er mit seiner Frau Carolin auch ordentlich in das zweite Standbein Brennerei investiert. Unternehmen und Handwerker aus der Region haben den Umbau realisiert. Das Ergebnis sei „doch echt toll“, freut sich Carolin Strautmann, die in der Verwaltung eines Seniorenheims tätig ist.

Sie ist für die Flaschen und das Design der Strautmann-Produkte verantwortlich, während ihr Mann die Brände kreiert und gern auch mit alten Birnen- und Apfelsorten, Mirabelle und Quitte experimentiert, ohne jedoch seine Rezepte preiszugeben. Zwischen Ernte und fertigem Brand liegen bis zu vier Monate.

Weitere Informationen: im Internet unter Scheunenbrennerei.de. Jürgen Dumnitz

Verköstigungs- und Verkaufsraum: Ebenerdig ist die Scheunenbrennerei zu erreichen. Carolin Strautmann ist für das Design der lokalen Erzeugnisse für Erwachsene verantwortlich und lädt auch zum Probieren ein.
Brennerei und Verkaufsraum: Wo früher Überreste der Landwirtschaft standen, sind jetzt das Lager mit Verkaufsraum (unten) und die Brennerei untergebracht.

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