Ex-Hallenbad in Bodenfelde bald Fitness-Tempel?

Seit 2003 geschlossen: Einst war die Hubbodentechnik des Bodenfelder Hallenbades etwas ganz Besonderes. Nach der Schließung stand das Bad seit 14 Jahren ungenutzt leer. Jetzt soll es für einen Euro verkauft werden. Der Rat entscheidet Donnerstag. Fotos: Dumnitz

Gemeinde des Fleckens will das seit 14 Jahren leerstehende Gebäude für einen Euro verkaufen. Der Rat stimmt am Donnerstag darüber ab.

Bodenfelde. Was lange währt, wird endlich gut. Das hoffen zumindest die Lokalpolitiker des Fleckens Bodenfelde, die am Freitagnachmittag in der öffentlichen Sitzung des Fachausschusses für Jugend, Tourismus, Soziales und Sport dem Verkauf des seit 14 Jahren leerstehenden Hallenbades in unmittelbarer Nachbarschaft der Gesamtschule einmütig zugestimmt haben.

Käufer will der Sportlehrer und Unternehmer Eugen Gress (45) aus Hofgeismar sein, der laut Bürgermeister Mirko von Pietrowski mindestens 300 000 Euro investieren und in dem Gebäude eine Fitness- und Freizeiteinrichtung eröffnen will. Gress ist gebürtiger Kasache und lebt seit 1990 in Deutschland. Er ist seit 1996 Inhaber eines Fitness-Centers im ehemaligen Hallenbad in Hofgeismar. Dort werden auf über 3000 Quadratmetern Fitness-Kurse, eine Kletterwand, Krafttraining, Kinderclub, Rückenschule, Massage, Seniorenfitness, Solarium und Sauna angeboten.

Konzept überzeugte

Das Konzept, das Gress dem Verwaltungschef und dem Fachausschuss vorgelegt hat, habe auf ganzer Linie überzeugt, sagte Mirko von Pietrowski. Gress trage das unternehmerische Risiko und wenn er sein Vorhaben wider Erwarten in den nächsten 36 Monaten nicht umsetze, dann behalte sich der Flecken den Rückkauf für einen Euro vertraglich vor.

„Soweit wird es aber nicht kommen“, sind sich von Pietrowski und der Ausschuss-Vorsitzende Reinhard Papesch sicher. Das Gebäude kostet einen Euro und das Grundstück einen weiteren Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Gress beabsichtigt nach Umbauten eine Fitnesseinrichtung mit Trainingsangeboten für Kraft- und Ausdauersportler jeden Alters, Rückentraining sowie Massage- und Wellnessangebote mit Saunen und Solarien. Für Outdoor-Aktivitäten könnten Flächen nordöstlich des Ex-Hallenbades genutzt werden.

Er will vier feste Mitarbeiter und mehrere Mini-Jobber anstellen und die ehemaligen Physio-Praxisräume wieder als solche nutzen, sagte er am Freitag.

Der Fachausschuss folgte nach einer Besichtigung des Bades dem Vorschlag der Verwaltung. Pietrowski freute sich, dass das leer stehende Gebäude bald wieder mit Leben gefüllt wird. Der Verkauf für zwei Euro sei ein guter Abschluss, nach mehrjährigen vergeblichen Bemühungen zum Verkauf des Gebäudes.

Hintergrund

Das Hallenbad in Bodenfelde neben der Gesamtschule ist 1972 gebaut und 30 Jahre nach der Inbetriebnahme geschlossen worden. Zuletzt war es in der Wintersaison 2001/2002 geöffnet.

Die Einrichtung des Fleckens Bodenfelde stand in den vergangenen 14 Jahren oft kritisch im Blickpunkt. Das begann mit der Sanierung von 1996 bis 1998, die mit 3,5 Millionen D-Mark veranschlagt war, letztendlich aber mit 4,8 Millionen D-Mark (rund 2,4 Mio. Euro) zu Buche schlug. Dann folgte eine lange öffentliche Diskussion über die Zukunft des Bades.

Grund: Das Hallenbad belastete die Gemeindekasse enorm. Das führt letztendlich zum Beschluss im Gemeinderat, das rund 800 Quadratemeter große Bad ab 2003 nicht mehr zu öffnen.

Bald gründete sich eine Initiative pro Hallenbad, die eine Wiedereröffnung unter Regie einer Genossenschaft anstrebte. Für diesen Fall sagte die Gemeinde einen Zuschuss zu. In einem Bürgerentscheid im April 2005 kam jedoch das endgültige Aus: 1203 Bodenfelder stimmten gegen eine Öffnung, 319 waren dafür. Jedes Jahr hat die Unterhaltung des geschlossenen Bades den Flecken rund 3000 Euro gekostet. Anfang 2007 tauchte mit Eugen Gress (Hofgeismar) der bisher einzige Kaufinteressent auf. Zwischenzeitlich war das Gebäude europaweit zum Verkauf ausgeschrieben. Ohne Erfolg. Ende 2008 lehnte der Gemeinderat die Erstellung eines Wertgutachtens ab.

Nach langen und zuletzt intensiven Gesprächen ist es der Verwaltung nun offensichtlich gelungen, den Dauerinteressenten zum Kauf und zu einer Investition von über 300 000 Euro zu motivieren. Weil das Gebäude abgeschrieben ist, beträgt der Kaufpreis einen Euro. (jde)

Von Jürgen Dumnitz

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