Funde der 2015er-Grabungskampagne

Glashütte älter als gedacht

Interessierte Öffentlichkeit: Ausgewählte Fundstücke von den Glashütten-Grabungen im Reiherbachtal wurden im DLRG-Zentrum präsentiert. An der Veranstaltung nahmen rund 70 interessierte Gäste sowie Medienvertreter teil. Alle Fotos: Dumnitz

Bodenfelde. Die Geschichte der Glashütten in Europa ist nach den Erkenntnissen von Prof. Dr. Hans-Georg Stephan rund 300 Jahre älter als bisher angenommen.

Dieses Ergebnis stellte der Göttinger Professor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit einer Forschergruppe am Montag im DLRG-Zentrum in Bodenfelde 70 Zuhörern vor.

Er geht davon aus, dass die geografisch höher gelegene der beiden teilweise bei Grabungen zwischen Bodenfelde und Polier freigelegten Waldglashütten-Produktionsstandorte aus dem 9. Jahrhundert und damit aus der karolinger Zeit stammt. Bisher waren nur mittelalterliche Glashütten aus dem 11. und 12. Jahrhundert bekannt.

Der Fund, der durch weitere Grabungen ab den kommenden Frühjahr bestätigt werden soll, gilt als europaweit älteste Dokumentation derartiger Glashütten, von denen es laut einer Kartierung rund 200 im Weserbergland geben soll.

Bodenfeldes Bürgermeister Mirko von Pietrowski nannte die Erkenntnisse des Forscherteams als „Teil der geschichtlichen Verwurzelung“, der noch heute ein Teil es Lebens der Menschen prägt. Gleichzeitig sagte Pietrowski zu, die Grabungen, die seit 2012 auf der Wiese am Kreickgrund stattfinden, weiterhin zu unterstützen. Schließlich seien die Reste des Fundaments der frühesten Glashütte ganz Europas bei Bodenfelde zu finden, und das sei „eine nicht kleine Sensation“ für die gesamte Region.

Neben Erörterungen zu den Fundstücken – darunter Werkzeuge aus der Produktion – gab es auch Informationen über die fachliche Haltbarmachung und wissenschaftliche Untersuchung der Stücke. Prof. Dr. Alexandra Jeberien (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin) und Prof. Dr. Rainer Drewello (Uni Bamberg) beschäftigen sich seit einiger Zeit projektbegleitend mit der modellhaften Bergung und Konservierung. Es sei nicht einfach, die aus dem feuchten Wiesenboden gelösten Funde dauerhaft zu bewahren. Diese Problem sei bisher meist vernachlässigt worden. Gerade bei dem vorgefundenen Pottasche-Glas sei ein weiterer Verfall sonst nicht aufzuhalten.

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