Funde sollen dauerhaft gesichert werden

Bei Grabungen entdeckt: Mittelalterlicher Glasofen im Solling

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Jüngste Grabung am Franzosenweg im Solling: Wenige Meter südlich vom Lakenteich gelegen ist die neue Fundstelle eines mittelalterlichen Ofens für die Glasherstellung. Studenten und Hilfskräfte tragen den Boden unter einem Dach Schicht für Schicht ab.

Bodenfelde. Aktuell gibt es zwischen Weserbergland und Solling zwei Grabungen: An der Franzosenstraße am Lakenteich und an der Bredenbeke bei Polier. Die Funde sollen dauerhaft gesichert werden.

Hans-Georg Stephan

Ungewöhnliche Aufschüttungen an Bachläufen im Solling wecken seit geraumer Zeit das Interesse von Archäologen und Heimatforschern. Jetzt hat Roland Henne aus Oberweser am Franzosenweg im Solling, einem Areal im Wald nahe des Lakenteiches zwischen Eschershausen und Relliehausen einen solchen Hügel entdeckt, der aktuelle Grabungsstelle für ein Team unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Georg Stephan (66) ist. Jüngst hat Stephan die Grabungsstelle rund 50 Interessierten bei einer Exkursion vorgestellt.

Hans-Georg Stephan macht das für das Institut für Kunstgeschichte und Archäologie Europas der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg seit 2012. Er lebt in Göttingen und zeitweise in Fürstenhagen und hat den Solling bereits seit Jahren wissenschaftlich bei mehreren Grabungskampagnen untersucht.

Die Grabung mit Studenten und von der Uslarer Job-Agentur vermittelten Hilfskräften ist noch nicht besonders ergiebig, hieß es. Stephan schätzt die baulichen Überreste des Glasofens auf etwa 1240 bis 1260. Er rechnet mit Funden in tieferen Schichten an den Steinen, die einst Teil eines mittelalterlichen Brennofens für Gebrauchsglas waren.

Auf der Suche nach Fundstücken: Ein Archäologie-Student lässt sich bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. Boden aus der Umgebung des Glasofens wird so durchgesiebt.

Die zweite aktuelle Grabung findet an der Bredenbeke bei Polier statt. Wie bereits berichtet, gilt die jetzt erst näher untersuchte ehemalige Produktionsstätte für Glas als Sensation. Laut Prof. Stephan stammt sie aus dem 9. Jahrhundert und damit aus der Karolinger-Zeit. Bisher waren im Weserbergland und Solling nur mittelalterliche Glashütten aus dem 11. bis 13. Jahrhundert teils freigelegt und näher untersucht worden.

Die Scherben an der Bredenbeke seien rund 300 Jahre älter und ein Beweis für die frühmittelalterliche Waldglashütten-Kultur im Weserbergland, hieß es bei der Exkursion. Der Fund gilt als europaweit älteste Dokumentation derartiger Glashütten, von denen es laut einer Kartierung rund 200 im Weserbergland geben soll.

Begonnen hatte die Exkursion unter der Leitung von Prof. Stephan an dem teilweise rekonstruierten Glasbrennofen mit einigen Nebenöfen am Lakenteich im Solling. Die Anlage ist rustikal überdacht, eingezäunt und mit Schaurtafeln für Besucher ausgestattet.

Modellhafte Bergung

Die bis ins 19. Jahrhundert europaweit verbreitete Betriebsform der Waldglashütten war im waldreichen Weserbergland stark verbreitet. Bei dem aktuellen Forschungsprojekt der Deutschen Stiftung Umwelt (Osnabrück) geht es um die modellhafte Bergung, Konservierung und Restaurierung der Funde. Kooperationspartner von Stephan sind Prof. Dr. Alexandra Jeberlein (Berlin) und Prof. Dr. Rainer Drewello (Bamberg).

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