HNA-Interview: Mirko von Pietrowski

Seit 100 Tagen Bodenfelder Bürgermeister: „Sitze ganz gut im Sattel“

Bodenfelde. In der Wesergemeinde Bodenfelde hat Bürgermeister Mirko von Pietrowski kein leichtes Erbe angetreten. Er gewann vergangenen Mai die Wahl und trat seinen Posten zum 1. November an.

Seine Bilanz nach den ersten 100 Tagen Amtszeit fällt sehr positiv aus. Er verspürt eine gewisse Aufbruchstimmung in der 3200-Seelen-Gemeinde und findet vor allem den Kontakt zu den Einwohnern vorteilhaft.

Herr von Pietrowski, Sie kennen die Verwaltung des Fleckens seit Ihrer Ausbildung, jetzt sind sie Chef. Wie ist es Ihnen ergangen? 

Mirko von Pietrowski: Alle meine Bedenken waren unbegründet. Ich habe eine tolle Mannschaft, deren beruflicher Reifegrad eine Bereicherung ist. Durch meinen antiautoritären Führungsstil hat sich eine gute Zusammenarbeit entwickelt. Wir definieren Ziele und arbeiten gemeinsam an einer Umsetzung. Das motiviert, wie daran deutlich wird, dass Leute Verantwortung wagen, mitdenken und beispielsweise beim Bauhof handeln. Der Rückhalt aller Mitarbeiter ist gut, wir pflegen ein offenes Wort.

Im Flecken leuchtet jetzt LED-Licht. Geht mit Ihnen als Chef das Licht auch symbolisch an, gibt es Dinge, von denen alle Einwohner profitieren? 

Mirko von Pietrowski: Ich will den Flecken mit den Bürgern an der Seite weiterhin stärken. Auch durch ein positives Image in der Region, zu dem alle beitragen können. Vielversprechende Ideen etwa durch ein Seniorenheim im Ort gibt es. Laut einer Standortanalyse fehlt uns sowas. Ein Seniorenheim schafft nicht nur Arbeitsplätze, sondern sorgt auch dafür, dass Ältere Bodenfelde in der letzten Lebensphase nicht verlassen müssen. Wir haben schon ein gutes Miteinander der Generationen an vielen Stellen. Die LED-Lampen sind ein Anfang. Ich stelle mir vor, dass durch wiederkehrende Jahresbeiträge in einen zweckgebundenen Topf alle Einwohner auch zur nötigen Sanierung vieler Straßen im Flecken beitragen können. Davon profitiert letztlich jeder, genau wie von einem schnellen Internet, was wir dringend brauchen.

Wie kann sowas funktionieren, ohne neue Schulden?

Mirko von Pietrowski: Kleine Gemeinde sind wegen der Fixkosten stark betroffen vom Sparzwang. Ich setze weiter aufs Ehrenamt, spreche Leute direkt an, weil deren Einsatz ein Gewinn für uns alle ist und sonst nicht zu bezahlen wäre. Patenschaften für Kinderspielplätze sind so ein Anliegen. Aber Geld braucht es trotzdem, etwa für ein Feuerwehrhaus, sonst sparen wir alles kaputt.

Vor den repräsentativen Aufgaben hatten Sie vor Amtsantritt Bedenken. Wie ist es Ihnen ergangen?

Mirko von Pietrowski: Mein bürgernahes Amtsverständnis nimmt doch viel Zeit in Anspruch. Ich lebe ja im Ort und will auch weiterhin für jeden ansprechbar bleiben, auch wenn mein Privatleben dadurch eingeschränkt ist. Das muss sich noch etwas einpendeln, ich sitze aber schon ganz gut im Sattel.

Geht es aufwärts durch das Team in der Verwaltung und den Gemeinderat an der Seite?

Mirko von Pietrowski: Ja. Stillstand ist Rückschritt. Wir wollen auf der Höhe und attraktiv bleiben für Familien und ganze Generationen. Mit Kitas, Schulen, Jugendpflege und Vereinen sind wir gut aufgestellt. Nur Arbeitsplätze fehlen. Da könnte eine schnellere Zugverbindung nach Göttingen helfen, um etwa Pendler schnell in unseren schönen Ort am Weserbogen zu bringen, mit dem wir uns nicht verstecken müssen.

Ist Ihre Parteilosigkeit ein Vorteil bei der Arbeit?

Mirko von Pietrowski: In der Lokalpolitik auf alle Fälle, da geht es um Sachpolitik und Überzeugungsarbeit. In der großen Politik entscheidet nach meinen Erfahrungen leider oft das Parteibuch.

Wahmbeck und Bodenfelde liegen an der Weser und dem Weserbergland Rad- und Wanderweg. Bleibt der Tourismus ein Wirtschaftsfaktor? 

Mirko von Pietrowski: Touristisches Engagement ist nicht gleich messbar. Wir liegen märchenhaft toll und brauchen den regionalen Schulterschluss mit dem SVR-Tourismus-Zentrum als starkem Partner an der Seite. Vor Ort müssen wir die Erwartungen unserer Gäste erfüllen, Vereine, Gastronomie und jeder vor seiner Haustür.

Der Flecken Bodenfelde hat nur noch rund 3200 Einwohner. Bleibt der Minustrend? 

Mirko von Pietrowski: Wir werden leider weniger und stellen uns der Situation. Ich arbeite mit anderen Beteiligten daran, die Bedingungen so zu verändern, dass unsere Gemeinde für Neubürger noch interessanter wird. Wenn wir unter 3000 Einwohner haben, ist unser Führerschein für die Zukunft infrage gestellt, dann ist auch eine Fusion kein Fremdwort mehr. Da sind wir aber weit von weg. Ich freue mich über jede Geburt und jeden Zuzug und auch die erwarteten 36 Flüchtlinge mit ihren Lebensperspektiven helfen uns auf diesem Weg.

Wie sieht Ihre Bilanz nach den ersten 100 Tagen aus? 

Mirko von Pietrowski: Die Arbeit und der Kontakt zu den Menschen auf Augenhöhe machen mir Spaß. Gemeinsam arbeiten wir an den drei Baustellen für die alte Schule als Dorftreffpunkt in Amelith, den Erhalt des Freibades und das Engagement für die Feuerwehr. Und für das ungenutzte Hallenbad scheint es eine Lösung zu geben, die uns allen hilft.

Was ist das nächste Projekt, das Sie angehen wollen?

Mirko von Pietrowski: Die Aufstellung des Haushaltsplanes bis 2018, weil wir – Verwaltung, Lokalpolitik und Bürger – damit die Weichen für unsere gemeinsame Zukunft stellen.

Von Jürgen Dumnitz

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