Alte Bahnbrücke abgerissen

Jerry-Cotton-Brücke bei Bodenfelde ist Geschichte

Abbruch von beiden Seiten: Die Baggerfahrer Michael Grüling und Andreas Bergman arbeiteten sich mit ihren jeweils rund 30 Tonnen schweren Kettenbaggern Stück für Stück durch das Betonmauerwerk mit Baustahl durch.
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Abbruch von beiden Seiten: Die Baggerfahrer Michael Grüling und Andreas Bergman arbeiteten sich mit ihren jeweils rund 30 Tonnen schweren Kettenbaggern Stück für Stück durch das Betonmauerwerk mit Baustahl durch.

Die Bogenbrücke über der Bahnlinie Bodenfelde – Bad Karlshafen gibt es nicht mehr. In wenigen Stunden wurde das Bauwerk, das 1966 als Filmkulisse diente und deswegen Jerry Cotton-Brücke hieß, jetzt abgerissen.

Bodenfelde – Mitarbeiter der Firma Beissner aus Varlosen bei Dransfeld haben am Freitag mit den Vorarbeiten begonnen. Für den Bauschutt wurde an einer Böschung ein Zwischenlagerplatz freigeschoben und auf der gesperrten Gleisanlage aus Holzbalken und zentimeterdicken Stahlplatten ein Schutz aufgelegt. Schließlich musste die Bahnstrecke bis Montagfrüh wieder uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Sie ist Teil der Strecke Northeim – Ottbergen und wird oft als Sollingbahn bezeichnet.

Um Beschädigungen durch den herabfallenden und tonnenschweren Bauschutt auf Schienen und dem Gleisbett zu vermeiden, habe man alles abgedeckt, sagte Jens Uhlendorf von der Betriebsleitung der Spezialfirma. Es habe alles reibungslos geklappt, sagte er am Sonntag.

Von beiden Seiten her haben Mitarbeiter des Unternehmens mit ihren Kettenbaggern die Brücke abgebrochen. Ein Lastwagen transportierte den Bauschutt von der Kahlberg-Seite bis zum Lagerplatz auf der Feldhelmsen-Seite. Dort wird das Material wegen der Schadstoffbelastung zwar noch beprobt, sagte Uhlendorf, es sei aber schon klar, dass der unter anderem mit Teer belastete Bauschutt auf eine Sondermülldeponie gebracht werden müsse.

Das soll in den nächsten Wochen erledigt werden, wenn feststeht, auf welche Deponie das Material (Stahl und etwa 200 Kubikmeter Bauschutt) gebracht werden muss. Mit Teer sei das Stahlbetonbauwerk einst isoliert worden, sagte Uhlendorf.

Der Bodenfelder Heimatforscher und ehemalige Lehrer Klaus Glaesner verteilte Informationen über die Brücke und die einstigen Filmdreharbeiten an Schaulustige. Danach sei die Eisenbahnstrecke zwischen Ottbergen und Northeim 1878 eröffnet worden. Glaesner vermutet, dass die Cotton-Brücke zwischen Feldhelmsen und der einstigen Papiermühle sogar schon um 1875 gebaut und somit 145 Jahre alt sein könne. Ihm sei aber kein genaues Datum bekannt und auch bei der Bahn habe er kein definitives Baudatum erfahren.

Das Brückenbauwerk mit Sichtmauerwerk war 21 Meter lang und und fünf Meter breit. Zwischen Bahnschienen und Brücken-Unterseite seien 5,25 Meter gemessen worden. Glaesner vermutet, dass die Brücke für den landwirtschaftlichen Verkehr gebaut wurde.

Abbruch von beiden Seiten: Die Baggerfahrer Michael Grüling und Andreas Bergman arbeiteten sich mit ihren jeweils rund 30 Tonnen schweren Kettenbaggern Stück für Stück durch das Betonmauerwerk mit Baustahl durch. (Archivbild)

In den vergangenen Jahren wurde die vermutlich um 1911 errichtete Überfahrt meist nur noch von Wanderern und Radfahrern als kurze Verbindung vom Kahlberg zu den Waldwegen am Ahne- und Steinberg genutzt. Eine Sanierung sei mit 600 000 Euro veranschlagt worden. Das war der Bahn zu teuer und auch der Flecken Bodenfelde lehnte eine Übernahme und Sanierung der Brücke auf eigene Kosten ab. Für den jetzigen Abriss zahlt die Bahn rund 100 000 Euro.

Laut Glaesner soll eine 2017 am Geländer der Brücke aufgestellte Infotafel bald neben einer Ruhebank an einer alten Birke auf dem Feldhelmsenweg einen neuen Platz bekommen. (Von Jürgen Dumnitz)

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