Bodenfelderin Hannelore Henke war 1953 Statistin im Film

Mit königlicher Hoheit im Solling vor der Kamera

Filmdreh mit Zeitzeugin am Originalschauplatz: Dr. Stefan Zimmermann (von links) mit Sven Schreivogel, Kameramann Thomas Klawunn, Klaus Glaesner und der früheren Komparsin Hannelore Henke auf dem Gelände des alten Forstamtes in Winnefeld, das heute als Pferdehof in Privatbesitz ist.
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Filmdreh mit Zeitzeugin am Originalschauplatz: Dr. Stefan Zimmermann (von links) mit Sven Schreivogel, Kameramann Thomas Klawunn, Klaus Glaesner und der früheren Komparsin Hannelore Henke auf dem Gelände des alten Forstamtes in Winnefeld, das heute als Pferdehof in Privatbesitz ist.

Hannelore Henke (82) erinnert sich noch daran, dass es für die Zeit der Dreharbeiten zu dem Film „Königliche Hoheit“ 1953 arbeitsfrei gab. Und: Sie durfte als Statistin vor die Kamera.

Bodenfelde/Winnefeld – Damals, 1953, war die Bodenfelderin „in Stellung“ im Haushalt der Familie Steinhoff im ehemaligen Forstamt Winnefeld. Der Filmdreh sei eine willkommene Unterbrechung der anstrengenden Sechs-Tage-Arbeitswoche gewesen. Ihre Erinnerungen erzählte sie 67 Jahre nach dem Dreh der Thomas Mann Romanverfilmung erneut vor der Kamera. Diesmal im Interview mit Sven Schreivogel aus Göttingen.

Damals seien die Hauptdarsteller Dieter Borsche mit Ruth Leuwerik bei einem Ausritt über das Reiherbachtal bis zum Forstamt gekommen. Allerdings ritten Doubles, Leuwerik und Borsche stiegen auf dem Hof nur von den Pferden ab, um dann eine Pause bei einer Kaffeetafel zu machen. Da hatte dann Hannelore Henke ihren Auftritt. Vom Filmteam schick frisiert und mit einem tollen Kleid ausgestattet, spielte sie eine Servicekraft im Forstgarten. Inhaltlich ging es in der Romanverfilmung (Regie: Harald Braun) um die Romanze von Thomas Mann und seiner späteren Frau bis zur Hochzeit.

„Hier bin ich im Film langgegangen“: Hannelore Henke zeigt ihrem Schwiegersohn Rüdiger Dietrich (links), vor dem früheren Forstamtsgebäude in Winnefeld, wo sie vor 67 Jahren für den Film „Königliche Hoheit“ mitgewirkt hat.

Der Hörspielproduzent Sven Schreivogel (48) betreibt das Filmbüro Göttingen und beschäftigt sich mit Partnern mit der Geschichte der Stadt als Filmzentrum in der Mitte Deutschlands. Zwischen 1948 bis 1961 wurden in der Stadt rund 100 Filme gedreht, darunter acht mit Heinz Erhardt.

Zur Gruppe um Schreivogel gehören Regisseure, Schauspieler, Produzenten und Medienwissenschaftler wie etwa Lektor Dr. Stefan Zimmermann. Sie alle interessiert neben der Stadt Göttingen auch die Umgebung. Alle haben sich zur Aufgabe gemacht, die Uni-Stadt und Südniedersachsen wieder zum beliebten Drehort zu machen.

Für das geplante Archiv und eine Ausstellung war Schreivogel mit einem Team jetzt erstmals an einem Originaldrehort im Einsatz. Der frühere Bodenfelder Lehrer Klaus Glaesner hatte die Kontakte hergestellt. Er wusste von Hannelore Henke, dass sie einst in der Romanverfilmung eine Rolle spielte. Glaesner hat bereits auf mehrere Drehorte in Bodenfelde und Umgebung hingewiesen, unter anderem jüngst, als es um den Abriss der Jerry Cotton-Brücke ging.

Mit dem Interview will Schreivogel Infos von Zeitzeugen für eine Dokumentation zu Filmproduktionen erhalten. Diese sollen Teil des Projektes zur Attraktivierung von Göttingen und Umgebung als Drehort werden. 2016 begann die Initiative.

Original Filmplakat: Als der Film „Königliche Hoheit“ 1953 in die Lichtspielhäuser kam, wurde mit diesem Plakat für die Kinoverfilmung des zweiten Romans von Thomas Mann geworben, den er zwischen 1906 und 1909 geschrieben hatte. Foto: Stadtarchiv Göttingen/Repro: Thomas Klawunn/nh

Auf dem Weg, die Filmgeschichte der Region erlebbar zu machen, ist die Eröffnung eines multimedialen Museums-Ateliers im August 2023 vorgesehen. Das ist für Schreivogel eine Herzensangelegenheit, weil er und Mitstreiter fasziniert sind von Göttingen und Umgebung als Film- und Drehort. Dazu gehört auch Kameramann Thomas Klawunn, der Hannelore Henke in Winnefeld ins rechte Licht rückte.

Glaesner holte sich bei den neuen Besitzern des Ex-Forstamtes auch die Genehmigung zum Dreh und zeigte dem Schreivogel-Team später unterhalb des Schlosses Nienover einen weiteren Drehort, der im Film „Königliche Hoheit“ zu erkennen ist.

Aus dem Fotoalbum: Hannelore Henke (rechts) mit Kolleginnen am Rande der Dreharbeiten zum Film.

Bei älteren Filmen ist es wohl unwahrscheinlich, aber bei neueren Produktionen kann es nach einer Ausstrahlung eines Filmes durchaus zu einem Drehort-Tourismus kommen, meint Schreivogel. Er arbeitet an einem Drehort-Kataster und nennt als Beispiel für einen Film-Pilgerort das Heinz Erhard-Standbild als Verkehrspolizist auf der Kreuzung in Göttingen, mit dem sich Touristen immer wieder ablichten.

25 Drehorte seien ihm bekannt und bereits archiviert, etliche müssten noch ausfindig gemacht werden. Dafür seien Zeitzeugen unverzichtbar. (Von Jürgen Dumnitz)

Kontakt: Sven Schreivogel, Filmbüro Göttingen, Telefon 0 55 42/30 37 79 3; E-Mail: kontakt@filmstadt-goettingen.de

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