Interview mit Bürgermeister Mirko von Pietrowski

Nach dem Brand in der Holzkohlefabrik: Die Einsatzkosten zahlen alle

Bodenfelde. In der Nacht von Sonntag auf Montag waren bei einem Brand in einem Trocknungsbunker der Bodenfelder Holzkohlefabrik ProFagus rund 120 Feuerwehrleute und Rettungskräfte im Dauereinsatz. Erst Montagnachmittag waren der Bunker leer und das Feuer gelöscht.

Das Feuerwehrwesen ist gesetzlich geregelte Aufgabe der Städte und Gemeinden. Sie müssen Gebäude, Fahrzeuge und Geräte vorhalten und sich um Ehrenamtliche bemühen. Wir fragten Bürgermeister Mirko von Pietrowski zu der Arbeit in der Verwaltung nach dem Brandeinsatz in dem Bodenfelder Betrieb, in dem es in der Vergangenheit schon öfter gebrannt hat.

Herr von Pietrowski, bei dem Brandeinsatz waren Rettungskräfte aus Bodenfelde, Wahlsburg, Oberweser und Uslar bis zu 16 Stunden lang im Einsatz. Wer kommt eigentlich für die Kosten auf? 

Mirko von Pietrowski: Nach den Bestimmungen des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes ist der Einsatz der gemeindlichen Feuerwehren bei Bränden und Hilfeleistungen zur Rettung von Menschen aus akuter Lebensgefahr unentgeltlich. Der übergeordnete Gedanke dabei ist, dass dem Geschädigten, der ohne Verschulden einen Schaden erlitten hat, keine Kosten entstehen sollen. Die durch den Einsatz zur Brandbekämpfung entstandenen Kosten tragen der Flecken Bodenfelde sowie die Stadt Uslar und die Gemeinden Wahlsburg und Oberweser, die dankenswerterweise Löschhilfe geleistet haben. Von der Geschäftsführung wurde mir sofort und bereitwillig die Kostenübernahme für die Einsatzverpflegung der über 120 Helfer zugesagt. Überdies wird sich die Firma ProFagus – wie in der Vergangenheit auch – wohl entgegenkommend zeigen, wenn es um die Kostenerstattung für Geräte oder Schutzausrüstung geht. Durch die große Hitzeeinwirkung wurden etwa Innenmembrane der Einsatzbekleidung von Atemschutzträgern zerstört, die neu gekauft werden müssen.

Die Mitglieder der freiwilligen Rettungskräfte von Feuerwehr und Rotem Kreuz haben wegen des Brandeinsatzes bei ihrer normalen Arbeitsstelle gefehlt. Wie hoch sind die Ausgleichszahlungen in etwa, die die Gemeinde den Arbeitgebern erstatten muss? 

Von Pietrowski: Die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr verrichten ihren Dienst ehrenamtlich. Nehmen Angehörige der Einsatzabteilung an Einsätzen teil, so sind sie während der Dauer der Einsätze und für den zur Wiederherstellung ihrer Arbeits- oder Dienstfähigkeit notwendigen Zeitraum danach, von der Arbeit freigestellt. Sie erhalten als Arbeitnehmer ihren Verdienstausfall entschädigt. Mit Blick auf die sehr langen Einsatzzeiten rechne ich allein für die rund 50 Einsatzkräfte aus dem Flecken mit Verdienstausfallentschädigungen von mehr als 5000 Euro.

Durch den Betrieb der Holzkohlefabrik ist das Brandrisiko höher als etwa in einem Privathaushalt. In welcher Form trägt das Unternehmen zum Brandschutz bei? 

Von Pietrowski: Dem Flecken obliegt der abwehrende Brandschutz und die Hilfeleistung in seinem Gebiet. Dafür haben wir eine den örtlichen Verhältnissen entsprechend leistungsfähige freiwillige Feuerwehr aufgestellt und ausgerüstet. Weil vom ProFagus-Werk tatsächlich eine höhere Brandgefahr ausgeht, werden auf dem Areal weitere Löschmittel und Geräte sowie ein Feuerwehrfahrzeug bereitgehalten. Zudem hat das Unternehmen speziell ausgebildetes Personal.

Gibt es Gespräche zwischen der Gemeinde, der Feuerwehr und der Firmenleitung zum Thema Brandschutz und wie schätzten Sie die Kooperation ein? 

Von Pietrowski: Natürlich sprechen wir regelmäßig gemeinsam über die Aufgabe des Brandschutzes, die im beiderseitigen Interesse liegt. Auch der letzte Einsatz wird uns mit der Geschäftsführung wieder zeitnah zusammenführen, um beispielsweise weitere Verbesserungsmöglichkeiten bei der Brandbekämpfung auf dem Werksgelände zu erreichen.

Müssen beim geplanten Neubau des Feuerwehrhauses Besonderheiten wegen der wiederkehrenden Brandeinsätze in der Holzkohlefabrik berücksichtigt werden? 

Von Pietrowski: Dem Flecken obliegt ja der abwehrende Brandschutz und die Hilfeleistung in seinem Gemeindegebiet. Mit dem beabsichtigten Neubau des Feuerwehrgerätehauses werden wir weiterhin eine den Verhältnissen entsprechende ausgerüstete Feuerwehr erhalten. Dabei sind die baulichen Anlagen zur Unterbringung von Fahrzeugen, Geräten und Ausrüstungen sowie Räumlichkeiten für das Personal sowie sanitäre Anlagen und Schulungsräume relativ standardisiert und normiert. Die zuletzt auf dem ProFagus-Fabrikgelände geleisteten Brandeinsätze werden vermutlich keinen Einfluss etwa auf die Größe des Neubaus haben. Bei den nachfolgenden Fahrzeugbeschaffungen oder deren Ausrüstung kann das jedoch schon anders aussehen.

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Feuer im Bodenfelder Holzkohlewerk

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