Nach Harenkamp-Rückzug

Bodenfelde bereitet sich auf eine erneute Bürgermeisterwahl vor

Im Flecken Bodenfelde steht im nächsten halben Jahr erneut eine Bürgermeisterwahl an.

Bodenfelde – Bei der Stichwahl am Sonntag erhielt der parteilose Kandidat Nico Harenkamp (Wiensen) zwar 1021 Stimmen (57,59 Prozent) – SPD-Kandidatin Bianca König kam auf 42,41 Prozent (752 Stimmen) – er will aber „definitiv kein Bürgermeister in Bodenfelde werden“, sagte der 35-Jährige am Montag auf Anfrage der HNA.

Er habe sich am vergangenen Freitag auf ärztlichen Rat hin entschieden, seine Kandidatur zurückzuziehen. Dabei bleibe es auch. Einfluss auf die zu dem Zeitpunkt schon angelaufene Wahl hatte das aber nicht mehr, wie Mirko von Pietrowski als Gemeindewahlleiter zur gesetzlichen Grundlage sagte.

Das Ergebnis der Stichwahl stelle der am heutigen Dienstag tagende Gemeindewahlausschuss fest. Dann werde Harenkamp das Ergebnis über seinen Wahlsieg schriftlich mitgeteilt und er habe sieben Tage lang Zeit, dem Gemeindewahlleiter schriftlich mitzuteilen, dass er das Amt annehme. Das werde er aber nicht machen, sagte Harenkamp am Telefon.

Somit ist der Weg frei für eine neue Direktwahl nach dem Motto „neues Spiel, neues Glück.“ Bis das Bürgermeisteramt im Flecken neu besetzt wird, bleibt der amtierende Bürgermeister von Pietrowski im Amt. Bodenfelde sei also in keinem Fall führungslos, sagte er am Wahlabend vor 25 Zuhörern im Feuerwehrhaus, wo die Wahlergebnisse öffentlich präsentiert wurden.

Die jetzige Situation bringe ihn wegen seiner beruflichen Pläne zwar in Unruhe, er werde aber die anstehenden Aufgaben als amtierender Bürgermeister „seriös zu Ende bringen“ und sich unter anderem sowohl um die Neuaufstellung des vor 14 Tagen neu gewählten Gemeinderates als auch um die für die Gemeinde nicht billige Bürgermeister-Direktwahl kümmern. Da gehe alles zurück auf Anfang: Ernsthaft am Amt interessierte Bewerber müssten ihre Kandidatur bekannt geben, dann gebe es einen Wahlkampf und schließlich zu einem vom neuen Gemeinderat festgelegten Termin innerhalb der nächsten sechs Monate (spätestens bis März/April 2022) einen Wahltermin mit einem weiteren Termin für eine mögliche Stichwahl.

Zum Hintergrund: Bei der Bürgermeisterwahl zum 12. September waren sieben Kandidaten angetreten. Da sei die Welt noch in Ordnung gewesen, sagte von Pietrowski am Sonntag. Niemand davon schaffte auf Anhieb mehr als 50 Prozent. Mit den meisten Stimmen kamen Harenkamp und König in die Stichwahl mit dem bekannten Ergebnis.

Laut von Pietrowski dauert die Bürgermeister-Amtszeit von jetzt an fünf Jahre. Die Amtszeit eines neuen Bürgermeisters (oder einer Bürgermeisterin) verkürze sich entsprechend um die Zeit, bis ein mehrheitlich gewählter Kandidat die Wahl annehme. Das sei gesetzlich so geregelt.

Bianca König kann verstehen, dass es am Sonntag eine ungewöhnliche Wahlsituation für alle Beteiligten war. „Auch mir war es unangenehm, gegen jemanden zu kandidieren, der krank ist. Deshalb ist es gut, dass wir nun Neuwahlen haben, die eine Basis für eine gute Entscheidung für Bodenfelde bieten“, heißt es in ihrer Stellungnahme. Sie wisse, dass viele Stimmen für Harenkamp Stimmen für Neuwahlen und nicht gegen sie waren. Deshalb nehme sie ihre erzielten 42,41 Prozent als Auftrag an, weiterhin als Bürgermeisterkandidatin zur Verfügung zu stehen.

SPD-Sprecher enttäuscht

Als Sprecher des SPD-Ortsvereins Bodenfelde ist Lothar Richter ein Stück weit enttäuscht. Nicht über das für die Sozialdemokraten sicher nicht überwältigende Ergebnis der Stichwahl, sondern über das Agieren von zahlreichen Akteuren vor dem Wahltag etwa in sozialen Netzwerken.

Da sei auf „unfaire Art und Weise massiv Stimmung gegen die SPD-Kandidatin“ gemacht worden. Gleichzeitig sei über die monströsen Wahlplakate von Harenkamp für alle nicht durch die HNA informierten Wählerinnen und Wähler suggeriert worden, dass er weiter im Rennen sei, obwohl er zwei Tage vor der Wahl einen Rückzieher machte.

Die jetzt nötige und wahrscheinlich sehr teuere Bürgermeister-Neuwahl wäre aus Sicht von Richter zudem nicht nötig gewesen, wenn alle, die bei der Bundestagswahl ihr Kreuz bei der SPD gemacht haben auch ein Kreuz bei der SPD-Bürgermeister-Kandidatin König gemacht hätten, ist sich der Pressesprecher sicher.

CDU-Sprecher Christian Ilsemann ist der Ansicht, die Wählerinnen und Wähler im Flecken hätten „eine kluge Wahl“ getroffen. Er sei der festen Überzeugung, dass eine Bürgermeister-Neuwahl für die Gemeinde „die klügste und beste Lösung“ sei.

Ob die CDU, die jüngst mit Kandidat Daniel Zarnitz (4,44 Prozent/72 Stimmen) scheiterte, wieder einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicke, sei unklar. Nach der Kommunalwahl sei verabredet worden, dass die CDU mit der Bürgervereinigung Zukunft Bodenfelde eine Gruppe im neuen Bodenfelder Gemeinderat bilden und auch über einen Bürgermeister-Kandidaten beraten will, sagte Ilsemann.

Der Noch-Ratsvorsitzende und Sprecher der Wählergemeinschaft Neue Gruppe, Klaus Glaesner, meint, dass die Stichwahl wegen der Einflussnahme „nicht ganz demokratisch“ gewesen sei. Es sei durch Taktik verhindert worden, dass die SPD-Kandidatin siegte. Neuwahlen seien in Ordnung, jeder könne sich positionieren. (Jürgen Dumnitz)

Amtsnachfolge hat nicht geklappt: Mirko von Pietrowski (links) dankte der SPD-Bürgermeister-Kandidatin Bianca König, die in der Bodenfelder Stichwahl nicht genügend Stimmen erhielt, für ihre Kandidatur und ihr Engagement.

Rubriklistenbild: © Jürgen Dumnitz

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