Machbarkeitsstudie im Rat vorgestellt

Ohne Fusion mit hessischen Nachbar hat Bodenfelde wenig Chancen

Bodenfelde. Ohne Fusion mit den Gemeinden Wahlsburg und Oberweser bleiben dem Flecken Bodenfelde nicht viele Möglichkeiten zur kommunalen Zusammenarbeit mit den hessischen Nachbarn.

So lautet das Fazit der Machbarkeitsstudie, das Carmen Möller von der Freiherr-vom-Stein-Beratungsgesellschaft am Donnerstag in der öffentlichen Ratssitzung in Bodenfelde vorstellte.

Laut Möller gibt es drei Aufgaben, die sich für eine Kooperation eignen könnten: Bauhof, Standesamt und Kinderbetreuung. Ein größerer Pool an Bauhofmitarbeitern (aktuell 5 in Bodenfelde, 8 in Oberweser) wäre gut für eine bessere fachliche Abdeckung und Vertretungsregelungen. Außerdem könnte der Fuhrpark besser ausgelastet werden. Weil man mit der gleichen Software arbeitet und das Personenstandsgesetz ein Bundesgesetz ist, kommt eine Zusammenarbeit der Standesämter infrage. Im Bereich der Kindergärten könnten durch Urlaubs- und Krankenvertretungen der Erzieherinnen gegenseitig Engpässe abgedeckt werden.

Kooperation schwierig

In anderen Bereichen sei eine Kooperation schwierig, weil man in den Rathäusern mit unterschiedlicher Software arbeitet oder sich hessische und niedersächsische Gesetze unterscheiden, erklärte Möller. Wegen des Aufwandes lohne sich dann die Abwicklung über einen gemeinsamen Zweckverband erst ab einer Größenordnung von 30 000 bis 40 000 Einwohnern.

Weite Wege

Die Ausgangslage von Bodenfelde ist aus mehreren Gründen schwierig. Expertin Möller sprach von einer „Riegellage“ zwischen den Naturparks Reinhardswald und Solling. „Mit Naturparks kann man nicht zusammenarbeiten.“ Auf der anderen Seite sind die Wege nach Wahlsburg und Oberweser zwar kurz und es gibt eine große Nähe der Menschen zueinander, aber eben auch die Landesgrenze. Aktuell sei es nicht realistisch, dass Gebiete aufgegeben werden, weder von hessischer noch von niedersächsischer Seite, sagte Möller. Bleibt der Blick zum niedersächsischen Uslar mit bereits wieder relativ weiten Wegen.

Dazu kommen demografische und wirtschaftliche Aspekte: In zehn Jahren hat Bodenfelde 11 Prozent der Bevölkerung verloren. Bis 2030 wird ein weiterer Rückgang um 12 Prozent vorhergesagt. Da vor allem Jüngere wegziehen, verschiebt sich die Alterspyramide ungünstig. Das Einkommensniveau liegt unter dem Landesdurchschnitt. Das gilt auch für die eigene Steuerkraft und Steuererträge. Als positiven Aspekt nannte Möller den Tourismus als größtes Standbein und wichtig für die Wertschöpfung.

Weil die Lage schwierig sei, habe man im Weserraum bereits 1972 mit der länderübergreifenden Zusammenarbeit begonnen. Nach dem Schulzweckverband folgten der Unterhaltungsverband Schwülme (1996), WAZ Solling (2010) und Verein Solling-Vogler-Region (2011). Noch mehr interkommunale Zusammenarbeit trotz Hürden, lautet die Schlussempfehlung der Studie. Möller: „Der Weg ist schon der richtige, man sollte ihn weiterverfolgen.“ (zsh)

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Dumnitz

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