Brauchtum seit 1946

Nach Beschwerde: Wahmbecker Treckerfreunde sagten Osterfeuer ab

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Frustriert und enttäuscht: Mitglieder des Vereins Treckerfreunde Wahmbeck vor dem Haufen mit Baum- und Strauchschnitt, der am Samstagvormittag eigentlich zum Osterfeuer aufgebaut werden sollte. Jetzt soll alles geschreddert werden.

Wahmbeck. Seit gut vier Wochen haben sich Mitglieder des Wahmbecker Vereins Treckerfreunde mit den Vorbereitungen des Osterfeuers beschäftigt. 

Haben in Ansprache mit Anwohnern des 580-Seelen-Dorfes Baum- und Strauchschnitt quasi von den Grundstücken abgeholt und zum Osterfeuerplatz am Hilkenberg oberhalb des Friedhofs gefahren. So wie seit 1946, sagt der Vorsitzende Daniel Bunzendahl.

Am Donnerstag gab es Beschwerden von einzelnen Einwohnern, die wegen der sommerlichen Temperaturen durch Funkenflug eine Brandgefahr durch das Brauchtumsfeuer befürchteten. Auch in den vergangenen Jahren hätten sich die Einwohner aus der Nachbarschaft wegen der Lärmbelästigung vom Osterfeuer beschwert, hieß es. Die Folge: Die Treckerfreunde sagten das Osterfeuer ab.

Mit rot-weißem Flatterband ist der Haufen auf dem Gelände von Landwirt Erdmann abgesperrt, der den Platz seit Jahrzehnten für das Osterfeuer bereitstellt. Feuerwehrleute wachten am Samstagabend freiwillig am Flatterband, damit der Haufen nicht doch noch etwa durch eine achtlos weggeworfene Fackel brannte.

Die Treckerfreunde hatten als Alternative für das traditionelle Osterfeuer eine kleine, eiserne Feuerschale aufgestellt, damit Kinder dort wenigstens ihre Fackeln anzünden konnten. Und Buden mit Getränken und Gegrilltem gab es auch, sogar wie üblich eine Zuckerbude. „Wir sind echt sauer“, sagte der Vorsitzende Bunzendahl, „aber was bleibt uns anderes übrig, wenn sich Einwohner wegen des Brauchtumsfeuers beschweren und uns das Risiko wegen möglichen Ärgers zu groß wird?“

Viele Wahmbecker, vor allem ältere Einwohner, die keine andere Gelegenheit hätten, nutzten die Gelegenheit, ihren Baumschnitt beim Osterfeuer mit zu verbrennen. Seit über sieben Jahrzehnten gebe es Osterfeuer in dem Weserdorf. Ärger und böse Worte gebe es erst seit einiger Zeit. Umso größer ist die Enttäuschung, dass es erstmals seit Jahrzehnten abgesagt wurde.

Der Haufen soll jetzt von einem Unternehmen geschreddert werden. Daniel Bunzendahl schätzt, dass das Schreddern und Entsorgen den Verein bis zu 1500 Euro kosten wird. Facktisch haben die Treckerfreunde den Baum- und Strauchschnitt gegen eine kleine Spende aus den Gärten der Einwohner des Dorfes am Osterfeuerplatz zusammengefahren und dürfen diesen jetzt auf eigene Kosten entsorgen.

Ob die Treckerfreunde sich trotz des Ärgers im nächsten Jahr wieder um die Pflege des Brauchtums kümmern wollen, steht noch nicht fest. „Wir haben ja jetzt ein Jahr lang Zeit, um zu entscheiden“, sagt der Vorsitzende. Am Samstagabend, als das Feuer eigentliche brennen sollte, haben viele der Gäste am Osterfeuerplatz die Absage bedauert.

Laut Bunzendahl seien die Helfer der Treckerfreunde stets sorgfältig und verantwortungsbewusst mit dem Osterfeuer umgegangen. Haben alle Auflagen etwa wegen Abständen und der Größe eingehalten. Auch die Feuerwehr war mit einbezogen.

Seit Jahren trafen sich die Treckerfreunde am Samstag vor Ostern morgens zum Um- und Aufschichten des Haufens, und abends, um mit den 300 bis 400 Gästen das Abbrennen des Brauchtumsfeuers zu feiern. Diesmal war das anders. " HINTERGRUND

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