Fährbetrieb gewährleistet

Weser-Fähre gerät nach Kündigung in Schräglage

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Gerät die Weser-Fähre in Wahmbeck in den Strudel eines Rosenkriegs?

Diese Frage beschäftigt angesichts der Entwicklung um die Gierseilfähre des Fleckens Bodenfelde, die seit vielen, vielen Jahrzehnten zwischen Wahmbeck und Gewissenruh übersetzt, die Gemeindeverwaltung, Lokalpolitik und auch die Menschen an der Weser.

Seit Anfang der Woche setzt der Alt-Fährmann Wolfgang Borchhardt (68) das Fährschiff wieder über den Fluss. Er war seit 1990 Fährmann und verabschiedete sich 2013 in den in Ruhestand. Seither musste er immer wieder einspringen, weil es mit mehreren potenziellen Nachfolgern Probleme gab. Borchhardt will den Fährbetrieb zunächst bis zum Ende der Saison am 31. Oktober täglich sicherstellen.

Auf diese Regelung hat sich der frühere Fährmann mit Bodenfeldes Bürgermeister Mirko von Pietrowski geeinigt, nachdem vom Absender „fährfrau@wahmbeck.de“ eine augenscheinlich von Fährfrau Petra Ilsemann (53) verfasste schriftliche Kündigung bei der Gemeinde eingegangen ist.

Auch gegenüber der HNA sagte die Fährfrau am Freitagabend, dass sie wegen der Trennung von ihrem Mann Christian Ilsemann nicht mehr Fähr-Führerin sein wolle und die Gegend vermutlich wegen eines anderen Jobs sowieso verlassen werde. Am Montag schlug sie gegenüber der HNA/Sollinger Allgemeine eine andere Richtung ein.

Das Niedrigwasser in der Weser sei für sie vor einigen Wochen der Grund für die Einstellung des Fährbetriebes gewesen. In der Folge habe sie den Schlüssel an einen Gemeindemitarbeiter des Bauhofs mit der Bitte gegeben, sich während ihrer Abwesenheit um die sicher festgemachte Fähre am Ufer zu kümmern.

Sie wollte sich um eine Beschäftigung auf einer Mainfähre für die Wintermonate bemühen, weil das Wahmbecker Fährschiff zwischen November und Februar nicht fährt und sie ja sonst keine Einnahmen habe, sagte sie am Montag.

Nach ihrer Rückkehr nach Wahmbeck habe sie den Mitarbeiter mehrmals vergeblich per WhatsApp angeschrieben wegen der Herausgabe des Schlüssels für die Fähre und das Fährhaus. Von ihrem inzwischen von ihr getrennt lebenden Ehemann habe sie erfahren, dass alle Schlüssel bei Fährmann Borchhardt seien.

Die bei der Gemeinde eingegangene Kündigung vom 1. Oktober hat der Bürgermeister nach der Rückkehr aus seinem Urlaub am Freitag gelesen und sofort mit Borchhardt Kontakt aufgenommen, um zu klären, ob der Wasserstand zum Betrieb der Fähre ausreichend ist und ob er zur Sicherung des Fährbetriebs einspringen könne.

An der Richtigkeit der Kündigung habe er nicht gezweifelt, sagte von Pietrowski, weil die Fährfrau stets unter der Web-Adresse mit ihm kommuniziert habe und das der E-Mail angehängte Schreiben augenscheinlich auch von ihr unterschrieben sei.

Und weil der Wasserstand nach den vorausgegangenen Regenfällen unterm Kiel ausreicht und ihm „seine“ Fähre am Herzen liegt, sprang Borchhardt wieder einmal ein.

Auf die HNA-Nachfrage, ob sie denn ab sofort und auch im kommenden Jahr die Fähre fahren will, antwortete Petra Ilsemann am Montag: „Ich hatte nie vor, die Fähre nicht zu fahren“. Sie will jetzt klären, von wem die mit ihrem Namen unterschriebene Kündigung stammt.

Ob sie am Ende der Querelen weiterhin Fährfrau in Wahmbeck sein will, kann sie indes nicht sicher sagen. Sie müsse sehen, wie sich alles entwickele. Seitdem Petra Ilsemann ihren Job Anfang des Jahres auf der Weser-Fähre aufgenommen hat, war das Medieninteresse groß. Unter anderem gab sie Fernsehteams als einzige Fährfrau auf der Weser Interviews, in denen sie betonte, dass sie den Job als Fährfrau auf der Weser liebe.

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