Bombenhagel auf Fredelsloh jährt sich zum 70. Mal

Mahnende Grabsteine: Dieses Bild entstand nach der Beerdigung der Opfer im April 1945 auf dem Fredelsloher Friedhof. Ob es Fotos von der Zerstörung gibt, ist nicht bekannt. Foto: Privatarchiv König/ Repro: Büttner/nh

Fredelsloh. Am 28. März 1945 zerstörten amerikanische Bomber das Töpferdorf Fredelsloh. 23 Menschen starben infolge des Angriffs. Am Samstag erinnern die Fredelsloher an die Opfer.

Es war in den Vormittagsstunden des 28. März 1945, als über Fredelsloh das Unheil hereinbrach. Viele Menschen waren zu diesem Zeitpunkt in ihren Gärten und auf den Feldern beschäftigt. Warm und sonnig präsentierte sich der Frühling an diesem Tag.

Die Gegend hatte immer im Durchfluggebiet der Bomber gelegen, deshalb machte sich niemand Gedanken, als in der Ferne das Brummen amerikanischer Flugzeuge zu hören war. Luftschutzmöglichkeiten gab es in dem abgelegenen Dorf ohne jeden militärischen Charakter ohnehin kaum.

Mit aller Wucht traf der Bombenhagel gegen 10.20 Uhr die Dorfmitte und hüllte alles in eine einzige Rauch- und Staubwolke. Innerhalb weniger Minuten wurden 20 Häuser komplett zerstört und 27 Gebäude zum Teil erheblich beschädigt. Auch die über 800 Jahre alte Klosterkirche blieb nicht verschont.

„Die erste Bombe fiel am Tönnieshof, weitere schlugen hinter den Gebäuden der Ziegelei Behrens ein“, erinnert sich Lisa Staschik, geb. Henze, die damals neun Jahre alt war. Besonders schwer getroffen wurde die Straße Am Nonnenbach.

15 Menschen verloren infolge des Angriffs ihr Leben - das jüngste Opfer, Gabriele Albrecht, war gerade 16 Monate alt. Darüber hinaus wurden am Nachmittag acht Feuerwehrleute aus Northeim, die zur Hilfeleistung nach Fredelsloh eilten, in ihrem Einsatzfahrzeug zwischen Moringen und Lutterbeck im Tieffliegerbeschuss getötet.

„Die Deichseln von Stellmacher Müller flogen durch die Luft und blieben hochkant im Dach stecken“, erinnert sich Heinrich Melching an den Bombenangriff. Und Elfriede Windelband, geb. Horstmann, berichtet: „Voll Entsetzen sah ich bei den Nachbarn nur Feuer und Rauch. In nachbarschaftlicher Hilfe wurde versucht zu löschen, was aber bei den vielen Feuern sehr schwierig war.“

Wie durch ein Wunder verfehlten die Bomben die Schule, so dass die rund 50 Kinder mit ihren Lehrern, die sich im Gebäude aufhielten, weitgehend unverletzt blieben. „Fenster und Steinbrocken flogen ins Klassenzimmer. Der Druck war so stark, dass ich auf den Boden fiel“, erinnert sich Karl-Heinz Herbst.

Das Dach wurde abgedeckt, Türen, Fenster und Fassade schwer beschädigt. Erst 1948 wurde die Schule wieder in Betrieb genommen.

Hintergrund: Das Programm zum Jahrestag

Zum Jahrestag des Bombenangriffs auf Fredelsloh gibt es am Samstag, 28. März, ein umfangreiches Programm. Damit soll der Toten gedacht und an die Schrecken des Krieges erinnert werden.

Beginn ist um 10 Uhr am Gedenkstein an der Klosterkirche. Um 10.20 Uhr folgt eine Andacht in der Kirche. Gegen 11 Uhr beginnt dann ein Rundgang durch das Dorf, bei dem Elfriede Gebhard-Pahmeier und Ingelore König an die Ereignisse und die Schicksale der Menschen erinnern. Ab 12 Uhr gibt es für alle Gäste ein Mittagessen in der Kirche.

Zugleich wird eine Ausstellung eröffnet und das neue Fredelsloher Heft vorgestellt, das sich dem Angriff vom 28. März 1945 widmet. Es ist ab Samstag für 3,50 Euro in der Klosterkirche, bei Traupe und in den Fredelsloher Cafés erhältlich.

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