Mehr als Feuerlöscher ist in den Gotteshäusern selten vorhanden

Brandschutz: Nur wenige Kirchen im Landkreis Northeim sind gerüstet

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Im Turm der Sixti-Kirche: Christian Steigertahl zeigt die Steigleitung, über die zum Löschen Wasser nach oben gepumpt werden kann.

Brandschutzeinrichtungen sind in den Kirchen des Landkreises Northeim eine Ausnahme. Das ergab eine stichprobenartige Umfrage der HNA bei einigen Kirchengemeinden.

Der Fokus der Verantwortlichen liegt zumeist auf der Einhaltung der Brandschutzvorschriften – und auf Übungseinsätzen der Feuerwehren. Deren Einsatzmöglichkeiten sind aber Grenzen gesetzt. Gerade Brände im Bereich des Dachstuhls oder im Turm könnten deshalb schnell ähnlich verheerende Ausmaßen annehmen wie bei der Kathedrale Notre Dame in Paris.

St. Sixti in Northeim

Die Northeimer Sixti-Kirche ist eine der wenigen großen Gotteshäuser im Kreisgebiet, in der es auch im Innern Brandschutzeinrichtungen gibt. Dr. Christian Steigertahl vom Kirchenvorstand und Kreisbrandmeister Bernd Kühle verweisen auf eine Steigleitung für Löschwasser im Kirchturm.

„Die Leitung wurde 1993 auf Anregung der Feuerwehr installiert, wofür die Gemeinde damals 30 000 DM investiert hat“, erinnert sich Steigertahl. Die Leitung müsse von unten mit einer Pumpe der Feuerwehr mit Wasser versorgt werden. Die Steigleitung führe bis auf Höhe der Turm-Uhren. Von dort könne über einen weiteren Schlauch auch die Turmspitze in immerhin 62 Metern Höhe erreicht werden. Für die Drehleitern der Feuerwehren, die alle „nur“ auf 32 Meter kommen, wäre der Turm zu hoch.

Laut Bernd Kühle, der 1993 beim Bau beratend mit aktiv war, gibt es in den Turmstockwerken auch einzelne Schlauchanschlüsse sowie über die gesamte Leitung im Turm eine Art Sprinkleranage über Wasserauslässe.

Über einen Abzweig von der Steigleitung gebe es auch einen Löschwasseranschluss im Dachstuhl oberhalb des Kirchenschiffs, Sprinkler sind dort aber nicht installiert.

Eine ähnliche Anlage sei bei der Renovierung der Hohnstedter Martini-Kirche vor wenigen Jahren ebenfalls eingebaut worden.

In der Sixti-Kirche sind laut Steigertahl sechs Feuerlöscher und Löschdecken, gekennzeichnet an den Wänden installiert. Bei allen Veranstaltungen seien die Fluchttüren offen, davon gebe es zwei an der Nordseite und zwei an der Südseite sowie den Haupteingang.

Die wesentlichen Kunstschätze in der Sixti-Stadtkirche sind laut Steigertahl der Hochaltar, die zwei kleineren, aber nicht weniger wertvollen Altäre und die Gemeindebibliothek. „Diese Dinge werden wir bei einem Brand wohl nur unter Lebensgefahr sichern können.“

St. Johannis in Uslar

St.-Johanniskirche in Uslar: Nur Feuerlöscher sind vorhanden.

Die im späten 13. Jahrhundert gebaute St. Johannis-Kirche in Uslar hat laut Frank Wagner vom Amt für Bau- und Kunstpflege in Göttingen Bestandsschutz, was den Brandschutz angeht. Das bedeute, vorgeschrieben seien nur Feuerlöscher, die in der Kirche Uslar auch vorhanden seien. Laut Uslars Stadtbrandmeister Jörg Jacob verfügen weder die evangelische Johannis-Kirche noch die katholische St.-Konrad-Kirche in Uslar über Brandmeldeanlagen mit direkter Leitung zur Feuerwehr.

St. Mauritius in Hardegsen

St.-Mauritius-Kirche in Hardegsen: Einen Notfallplan für den Brandfall gibt es nicht.

Die Hardegser St.-Mauritius-Kirche ist ebenfalls nicht mit einer Sprinkleranlage ausgestattet. „Die Kirche ist lediglich entsprechend der Feuerschutzvorschriften ausgestattet“, sagt Pastor Bernd Ranke. „Dazu gehören natürlich Feuerlöscher und eine entsprechende Beschilderung der Rettungswege.“

Auch einen Notfallplan zur Rettung von wertvollen Gegenständen aus dem Kircheninneren gebe es nicht, so Ranke. „Das einzig wirklich Wertvolle ist die Orgel, aber die wäre im Falle eines Brandes nur durch rechtzeitiges Löschen zu retten“. Insofern könne die Kirchengemeinde nur auf Vorbeugung setzen, um eine Katastrophe wie in Paris zu verhindern.

Liebfrauenkirche in Moringen

Liebfrauenkirche in Moringen: Brandschutztüren sind eingebaut worden. 

Für den Brandfall ist die Moringer Liebfrauenkirche zwar nicht mit Sprinkleranlagen ausgestattet, jedoch mit Feuerlöschern und Brandschutztüren. „Wie es die Brandschutzverordnung eben auch vorsieht. Wir haben alle erforderlichen Maßnahmen in der Liebfrauenkirche umgesetzt“, sagt Pastor Dirk Grundmann.

Bei einer Tragödie wie der der in Notre Dame wäre er als Pastor zunächst jedoch ratlos gewesen. „Als ich die Bilder sah, habe ich mich direkt gefragt, was ich in so einer unvorstellbaren Situation tun würde.“ Diese Frage zu beantworten, sei nicht einfach, so Grundmann. Denn einen Notfallplan für Brände dieses Ausmaßes, gebe es nicht.

Immerhin, in den vergangenen 25 Jahren haben insgesamt drei Übungseinsätze der Feuerwehr mit dem Szenario „Brand in der Kirche“ stattgefunden. „Dabei lag der Fokus unter anderem auch auf einem Brand im Kirchturm“, erinnert sich Grundmann. Dieser sei zum Glück „nur“ 33 Meter hoch.

St. Martin in Nörten-Hardenberg

St.-Martin-Kirche in Nörten: Bei Begehungen sollen Gefahrenpotenziale erkannt werden. 

Auch die katholische Kirche St.-Martin in Nörten-Hardenberg ist nicht mit einer Sprinkleranlage ausgestattet. Laut Heinrich Brönnecke, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes, existieren auch keine Notfallpläne zur Rettung wertvoller Einrichtungsgegenstände im Falle eines Brandes. „Um mögliche Gefahrenpotenziale zu erkennen, finden regelmäßig Brandschutzbegehungen statt“, so Brönnecke. „Ansonsten achten wir auf die Einhaltung der Brandschutzbestimmungen.“

Im Landkreis Northeim gibt es über 100 Kirchen

Allein zum evangelischen Kirchenkreis Leine-Solling der Landeskirche Hannovers, der den größten Teil des Landkreises Northeim umfasst, gehören 61 Kirchen, 32 Kapellen sowie sechs separate Glockentürme. Die größten und bekanntesten sind St. Sixti in Northeim, St. Jacobi (Marktkirche) in Einbeck, die Liebfrauenkirche Moringen, St. Johannis in Uslar und die Klosterkirche Fredelsloh. 

Im zum evangelischen Kirchenkreis Harzer Land gehörenden Alten Amt gibt es weitere acht Kirchen und zwei Kapellen. Auch die evangelische Kirche in Lindau gehört zu diesem Kirchenkreis. 

Die wohl bekannteste Kirche im Landkreis, die romanische Siftskirche in Bad Gandersheim, gehört zur Probstei Gandersheim-Seesen der Braunschweigischen Landeskirche. Insgesamt gehören weitere 32 Kirchen im Nordosten des Landkreises zu dieser Probstei. 

Zum katholischen Dekanat Nörten-Osterode des Bistums Hildesheim gehören im Landkreis Northeim Gotteshäuser in Northeim, Nörten-Hardenberg, Moringen und Hardegsen, Uslar, Einbeck, Dassel und Markoldendorf. 

Die katholische Kirche in Lindau gehört zum Dekanat Untereichsfeld.

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