Plädoyers vor dem Landgericht

Staatsanwalt fordert fünfeinhalb Jahre Haft für Brandstifter von Einbeck - Urteil wird erwartet

Die Statue einer Frau ist vor blauen Himmel zu sehen, sie hält eine Waage in der linken Hand.
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Symbolbild: Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Im Prozess um eine Serie von Brandstiftungen im Raum Einbeck wird am heutigen Donnerstag (19.03.2021) das Urteil verkündet.

Göttingen / Einbeck – Die Staatsanwaltschaft hat vor dem Landgericht Göttingen für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren gefordert. Dies sei ein relativ milder Antrag, sagte Oberstaatsanwalt Andreas Buick. Dem 24-Jährigen sei zugute zu halten, dass er sich von Anfang an geständig gezeigt und zu den Taten bekannt habe. Wochenlang hatte die Brandserie den Ort Einbeck in Atem gehalten.

Verteidiger Markus Fischer plädierte auf eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Sein Mandant habe von Anfang an alles offengelegt und Reue gezeigt. Er werde wegen der hohen Schäden wohl lebenslang Regressansprüchen ausgesetzt sein. Der Angeklagte selbst sagte: „Tut mir leid, dass ich das gemacht habe.“ Das Gericht will sein Urteil, morgen, Donnerstag verkünden.

Die Brandserie hatte im Sommer 2020 für großes Aufsehen gesorgt. Die Staatsanwaltschaft hatte den 24-Jährigen wegen 16 Brandstiftungen angeklagt, mit denen er zwischen dem 25. August und dem 14. September die Feuerwehren in Atem gehalten habe. Der Gesamtschaden der Brandstiftungen wird auf eine halbe Million Euro geschätzt. Am gravierendsten war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft der Brand einer Fachwerkscheune in Stroit. Anfang September standen auf einem Feld 2000 Strohballen in Flammen.

Bereits einige Wochen zuvor hatte es mehrere andere Brandstiftungen im Raum Einbeck gegeben. Unter anderem war dabei die historische Saline in Salzderhelden niedergebrannt. Der Angeklagte habe damals mitbekommen, welch großes Aufsehen dieser Brand erregt habe, sagte der Staatsanwalt. Dies habe ihn animiert, selbst Feuer zu legen und damit sein Selbstwertgefühl zu stabilisieren.

Zuvor sei es für ihn nicht gut gelaufen: Seine Freundin hatte sich von ihm getrennt, er hatte Schulden angehäuft, ein Krisengespräch mit der Mutter endete mit einem Krach. In seinem Frust habe er zunächst in einem Autohaus in Hildesheim einen PS-starken Golf für eine Probefahrt ausgeliehen und nicht zurückgebracht. Damit sei er mehr als 20 000 Kilometer durch Niedersachsen gefahren, ohne eine Tankrechnung zu bezahlen. Auch den Hotels, in denen er übernachtete und regelmäßig Drei-Gänge-Menüs verspeiste, prellte er die Zeche. (pid)

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