Schwarze Zahlen ab 2014 geplant

Rettung des Einbecker Krankenhauses ist geschafft

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So sehen Retter aus: Krankenhausmanager Norbert Mischer (von links), Chefarzt Dr. Olaf Städtler, Treuhänder Jochen Beyes, Insolvenzverwalter Jens Rüdiger und Betriebsrat Berthold Kabelitz haben mit ihrem Engagement den Erhalt des Einbecker Krankenhauses geschafft.

Einbeck. „Wir gackern nur, wenn das Ei schon gelegt ist“, sagt Jochen Beyle verschmitzt. So verkündet er in der ersten Pressekonferenz der Initiativgruppe zum Erhalt des Einbecker Krankenhauses gleich die erfolgreiche Rettung.

Das Innenministerium hat den Plänen zugestimmt. „Die letzten Unterschriften sind gemacht und auf dem Weg hierher.“

Auch die Belegschaft hatte stets dicht gehalten. Statt offen für ihre Arbeitsplätze zu demonstrieren, erhielten sie den Betrieb aufrecht und verzichteten auf ihren Lohn, berichtet Betriebsrat Berthold Kabelitz. Das hat sich gelohnt: Anders als bei ähnlichen Fällen brachen die Belegzahlen nach den ersten Pleitegerüchten nicht ein – eine wichtige Grundlage für den Erhalt. Aber: 80 Mitarbeiter mussten gehen, die restlichen 350 arbeiten künftig am Limit.

Hilfe aus Bevölkerung

Aus der Bevölkerung erfuhr die Initiativgruppe viel Rückhalt. Eine fünfstellige Summe kam an Spenden zusammen. Zudem brachten elf Einbecker Familien als zukünftige Gesellschafter insgesamt 500 000 Euro für das Krankenhaus auf. „Aus sozialer Verantwortung, nicht um Rendite zu erzielen“, sagt Beyle. Als Anerkennung heißt das Krankenhaus künftig „Einbecker Bürgerspital“.

Zu den Gesellschaftern gehört Chefarzt Dr. Olaf Städtler, der künftig als geschäftsführender Gesellschafter mit Krankenhausmanager Norbert Mischer die Geschicke des Hauses lenken wird. „Unser ausdrückliches Ziel ist, die Grund- und Regelversorgung für Einbeck und Umgebung zu erhalten“, betont Städtler. Das Krankenhaus habe mit der Schmerzmedizinischen Abteilung ein Alleinstellungsmerkmal. Zudem werde eine Kooperation mit der Uniklinik Göttingen ausgelotet. Sie soll Spezial- und schwere Notfälle von Einbeck übernehmen.

Die Stadt Einbeck unterstützte die Krankenhaus-Rettung mit einem Investitionszuschuss von 500 000 Euro und einem stillen Gesellschaftsanteil von 2,5 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Kredit der Sparkasse von einer Million Euro. Das Landkreis übernimmt eine Ausfallbürgschaft von einer Million Euro.

Ende der roten Zahlen

Damit soll der Start gelingen. „Wenn die Belegzahlen auf dem Niveau von 2012 bleiben, dann kommen wir mit dem Geld hin“, sagt Insolvenzverwalter Jens Rüdiger. Laut Businessplan soll das Krankenhaus schon ab 2014 kostendeckend wirtschaften. Ein fünfköpfiger Beirat, der um einen kommunalen Vertreter erweitert werden soll, wird die neue Führung kontrollieren. „Mehr Transparenz hat es in diesem Krankenhaus noch nie gegeben“, sagte Dr. Städtler.

Mitte Februar soll das Insolvenzverfahren abgeschlossen sein. Mit den Gläubigern wurde ein Vergleich geschlossen: Laut Insolvenzverwalter erhalten sie symbolisch 1,5 Prozent ihrer ausstehenden Ansprüche zurück.

Das Krankenhaus bittet weiter um Spenden. Infos: Katja Hencke, Tel. 0 55 61/94 02 41.

Von Friederike Steensen

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