Corona macht Arbeitsplätze mobil

Homeoffice wird in vielen Firmen und Verwaltungen umgesetzt

Eine Frau arbeitet mit Laptop im eigenen Wohnzimmer und telefoniert.
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Die Forderung, Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken, wird aufgrund der Corona-Pandemie immer größer. Das Arbeiten von zu Hause bekommt einen neuen Stellenwert.

Die Corona-Pandemie hat einen Prozess beschleunigt, der sich in großen Unternehmen schon seit Längerem abzeichnet: der Arbeitsplatz wird mobil.

Northeim – Zurzeit heißt das, dass viele Mitarbeiter aus dem Homeoffice heraus ihre Arbeit erledigen. Meike Brönnecke, Unternehmenssprecherin bei der Firma Thimm, berichtet, dass rund 60 Prozent der 388 kaufmännischen Mitarbeiter am Standort Northeim aktuell das mobile Arbeiten nutzen.

Als Vorzüge nennt sie, dass Mitarbeiter, die ihre Kinder zu Hause betreuen müssen, mehr Flexibilität über den Tag verteilt bekommen. Zudem sparen sie sich die Fahrzeiten.

Bei Thimm gab es schon vor Corona stellenweise Mitarbeiter, die von zuhause aus gearbeitet haben. Eine Herausforderung sei es zunächst im ersten Lockdown für die IT-Abteilung gewesen, die externen Zugänge, die zur Arbeit auf dem Firmennetzwerk notwendig sind, sowie die erforderliche Bandbreite herzustellen. „Das konnte glücklicherweise Mitte letzten Jahres gelöst werden“, so Brönneke.

„Mobiles Arbeiten ist in unserem Unternehmen seit Langem gelebte Praxis und bei vielen Tätigkeiten problemlos möglich“, erklärt Continental-Unternehmenssprecherin Antje Lewe. Bereits 2016 habe man flexible Arbeitsbedingungen für alle Mitarbeiter weltweit eingeführt.

Für die Zeit des Lockdowns empfehle man der Belegschaft, sofern es die Tätigkeit zulässt – also hauptsächlich in den Verwaltungsbereichen – mobil zu arbeiten. Das werde auch am Standort Northeim, an dem rund 1700 Mitarbeiter beschäftigt sind, umgesetzt. Die jeweilige individuelle Abstimmung erfolge dabei zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern, so Lewe.

Vertrauen zwischen den Mitarbeitern und den Vorgesetzten sei einer der wichtigsten Eckpfeiler, der aktuell während der Phase des mobilen Arbeitens helfe, so Brönneke. Schon während des ersten Lockdowns seien die Führungskräfte bei Thimm in speziellen Online-Trainings begleitet worden. Gleichzeitig werde die Kommunikation untereinander über eine „sehr gute IT-Ausstattung sowie gute Software-Lösungen unterstützt“.

Doch nicht für alle Arbeitnehmer gibt es die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. In der Produktion und in kundennahen Bereichen ist auch bei Thimm und Continental eine Anwesenheit der Mitarbeiter erforderlich. Beim Autohaus am Harztor müssen ebenfalls die meisten Mitarbeiter vor Ort arbeiten. Geschäftsführer Michael Rösner: „Homeoffice ist in vielen Bereichen wie Werkstatt und Notdienst nicht umsetzbar.“ Von den rund 210 Mitarbeitern befinden sich deshalb nur fünf im Homeoffice.

Die Firmen haben für die Mitarbeiter in der Produktion nach eigenen Angaben umfassende Hygienekonzepte erarbeitet. Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie wurde bei Conti das bestehende ganzheitliche Schutzkonzept weiterentwickelt, so Lewe, das an allen Standorten weltweit – und damit auch in Northeim – Anwendung fände.

Bei der Stadt Northeim können Mitarbeiter der technischen Bereiche, der Kitas und einiger Verwaltungsbereiche wie Bürgerbüro und Standesamt nicht im Homeoffice arbeiten, da eine Präsenz erforderlich ist.

Aber die Mitarbeiter an den Büroarbeitsplätzen versuchen eine Reduzierung der Präsenzzeiten und stimmen sich entsprechend ab, erklärt die Stadt das Vorgehen. Homeoffice werde zur Sicherstellung des Dienstbetriebes bei der Stadt Northeim in den Arbeitsbereichen, in denen dieses möglich ist, wahrgenommen und findet sowohl bei den Mitarbeitern sowie bei den Vorgesetzten eine hohe Akzeptanz, heißt es seitens der Stadt.

Probleme gebe es höchstens mal mit den Netzkapazitäten, die Abstimmungen zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten erfolgen per Telefon oder in Telefon- oder Videokonferenzen.

Die Stadtverwaltung Northeim sieht nach eigenen Angaben großes Potenzial in der Nutzung von digitalen Lösungen für Sitzungen, Homeoffice und Bürgerbeteiligung. Die Stadtverwaltung Northeim habe den Anspruch, eine der attraktivsten Arbeitgeberinnen der Region zu sein. Dazu gehöre ein schlüssiges Homeoffice und Digitalisierungskonzept, an dem auch künftig konsequent weiter gearbeitet werde.

Auch die Reduktion von Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte betrachtet die Stadtverwaltung mit Blick auf den Klimaschutz als sehr wichtiges Ziel. Homeoffice trage in großem Maße dazu bei. Auch eine veränderte Führungskultur sei erforderlich: Führen aus der Distanz und digitale Kompetenz werde bei zukünftigen Stellenbesetzungen im Verwaltungsbereich zum Anforderungsprofil gehören, so die Stadt. (Rosemarie Gerhardy)

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