Künftiger Standort für Verwaltungsgebäude

Erste Ausgrabung: Archäologen finden alte Keramik am Dasseler Kirchplatz

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Ausgrabungen am Kirchplatz in Dassel: Archäologe Frank Wedekind (Göttingen) hat mit seinem Team mehrere Keller freigelegt und auch Scherben aus dem 13. Jahrhundert gefunden.

Dassel. Es ist die erste archäologische Ausgrabung überhaupt in Dassel. Unweit der St.-Laurentius-Kirche am Kirchplatz, dort, wo die Stadt ein Verwaltungsgebäude bauen wird und bislang zwei marode Fachwerkhäuser standen, hat Archäologe Frank Wedekind mit seinem Team auf 800 Quadratmetern Fläche dem Boden Informationen entlocken können.

Gefunden hat er Überreste eines zerstörten Kachelofens aus dem frühen 16. Jahrhundert, Grundrisse zweier verfüllter Keller, die im 17. Jahrhundert aufgegeben worden sind sowie aus dem 13. Jahrhundert stammende Scherbenreste von Tüllenkannen.

Die Grabungsfunde werden den Experten wichtige Hinweise auf die Siedlungsgeschichte im Herzen der Sollingstadt liefern können, sobald alle Scherben gewaschen und alle Befunde dokumentiert sind. Außerdem konnte Frank Wedekind eine wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert stammende Sandstein-Frischwasserleitung freilegen. Die entdeckten Keller könnten aus dem Mittelalter stammen, durch die gefundenen Keramikscherben könne man nur datieren, wann die Keller mit Brandschutt gefüllt worden sind und nicht wann sie gebaut wurden, sagt der Archäologe aus Göttingen. Am nächsten Donnerstag, 13. April, um 15 Uhr bietet Archäologe Frank Wedekind vor Ort am Kirchplatz in Dassel eine Führung für Interessierte an.

Ein Archäologe aus Göttingen hatte Glück: Zu den Funden gehören auch Scherben aus dem 13. Jahrhundert. 

Nach Ostern werden die Ausgrabungen abgeschlossen, dann baut die Stadt Dassel auf der Fläche ihr neues Rathaus. Das barrierefreie Gebäude für rund 1,6 Millionen Euro soll im zweiten Halbjahr 2018 von der Verwaltung bezogen werden, 27 Arbeitsplätze haben und das stark sanierungsbedürftige heutige alte Rathaus ersetzen, außerdem mit einem städtebaulichen Impuls die Dasseler Innenstadt beleben, wünscht sich Bürgermeister Gerhard Melching.

Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne ist von den Bodenfunden der ersten Ausgrabungen in Dassel begeistert: „Sie sind gut erhalten und zeichnen sich im hellen Lössboden schön ab.“ Die Archäologin des Landkreises würde sich freuen, wenn bei künftigen Baumaßnahmen ebenfalls wieder an die Erforschung des Bodens gedacht würde. Auch Lokalhistoriker Prof. Ludger Kappen vom örtlichen Museum Grafschaft Dassel ist fasziniert von den Ergebnissen: „Dassel ist voller Geheimnisse - spannend, wenn einmal eines aufgedeckt wird.“ 

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