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Dasseler Firma lässt Ölpflanzen im Landkreis Northeim anbauen

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Von: Michael Caspar

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Hand mit Leinsamenkörnern
Leinsamen: Aus diesen Körnern wird von der Firma Tapir Wachswaren aus Dassel-Amelsen das Leinöl gepresst. © Privat

Statt aus Kasachstan will die Firma Tapir Leinöl künftig aus dem Landkreis Northeim beziehen.

Amelsen – „Jahrelang haben wir unser Leinöl bei einem schwäbischen Lieferanten gekauft – im Glauben, dass es in Deutschland hergestellt wird“, berichtet Tapir-Geschäftsführer Bodo Rengshausen-Fischbach. Im Zuge der Öko-Zertifizierung seines Unternehmens hat er dann zu seiner Überraschung erfahren, dass das Öl aus Kasachstan kommt. Lange Transportwege passen aber aus Klimaschutzgründen nicht zu Ökoprodukten.

Rengshausen-Fischbach fragte Anfang des Jahres den Biohof Schaper im Dasseler Ortsteil Ellensen um Rat. Der Betrieb baut unter anderem Senf für die Einbecker Senfmühle an, die der Tapir-Chef einst mitgegründet hat. Beide Seiten wurden sich rasch einig. „Lein oder Flachs, wie die Pflanze auch heißt, ist bei uns während des Zweiten Weltkriegs angebaut worden, als technische Öle knapp waren“, erfuhr Juniorchef Andre Schaper von seiner Großmutter.

Die Geschichte des Leinanbaus reicht in Europa jedoch noch viel weiter zurück. Bereits in die Steinzeit gewannen die Menschen aus ihr Textilfasern. Das blieb so, bis im späten 19. Jahrhundert die billigere und praktischere Baumwolle Leinenstoffe verdrängte. Im April säte Schaper den Lein auf einer Fläche von 2,1 Hektar aus. Im Juni blühte die Pflanze „herrlich blau“, schwärmt der Landwirt. Mit dem trockenen, heißen Wetter kam der anspruchslose Lein gut zurecht. Jetzt zur Ernte im August zeichnet sich ein „sehr guter Ertrag“ ab, sagt der Bauer. Schaper will im kommenden Jahr wieder Lein pflanzen, allerdings auf einer anderen Fläche.

Der Fruchtfolgeabstand beträgt nämlich sechs Jahre. Die Samen lässt Rengshausen-Fischbach von einer Ölmühle in Hollenstedt pressen. Die ausgequetschten Samen, den Presskuchen, nimmt Schaper zurück. Er ist eiweißreich und eignet sich gut für die Geflügel- und Schweinemast, aber auch zum Füttern von Milchkühen.

Der Tapirchef zahlt am Ende fast 80 Prozent mehr für das Öl als bisher. Da es aber nur einer unter mehreren Grundstoffen ist und die Ausgaben fürs Personal den Großteil der Kosten ausmachen, erhöht sich der Preis für das Endprodukt nur um wenige Cent, versichert er.

Die Firma Tapir, die 13 Mitarbeiter beschäftigt, stellt aus dem Öl Möbelpolituren sowie Produkte zur Pflege von Ledersohlen her. Das Öl dringt gut ein, oxidiert rasch und wird dann fest. Auch ein Leinöl-Produkt zur Pflege von Kunststoffteilen in Oldtimern hat die Firma im Angebot. „Das Öl hält dort den spröde gewordenen Kunststoff zusammen“, erläutert Produktionsleiter Björn Washausen. In diesem Jahr hat Tapir ein Leinöl-Produkt zur Pflege von alten Kunststoffmöbeln auf den Markt gebracht.

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