Grasen für die Forschung: Versuchsgut der Uni Göttingen

Nachwuchs: Zurzeit bringen die Kühe in Relliehausen ihre Kälber zur Welt. Die Rasse „Deutsches Fleckvieh“ wird in Deutschland häufig in der Mutterkuhhaltung eingesetzt. Göttinger Agrarwissenschaftler führen mit den Tieren einen Weideversuch auf Grünland aus, das nicht gedüngt und nicht mit Pflanzenschutz behandelt wird. Fotos: Schmidt-Hagemeyer

Dassel. Fernab der Universitätsstadt weiden die Rinder, Schafe und Lamas der Uni Göttingen. Mehr als 40 Straßenkilometer liegen zwischen der Fakultät für Argarwissenschaften und dem 350 Hektar großen Versuchsgut Relliehausen bei Dassel, das seit 1966 für die Tierzucht und Tierhaltung genutzt wird.

Schwerpunkte der Forschung sind Verfahren zur tiergerechten Haltung und umweltschonende Nutzungssysteme. Aktuell arbeiten die Wissenschaftler beispielsweise an einem Weideversuch mit Rindern. Deutsches Fleckvieh grast auf Wiesen, die nicht mehr mit Dünger und Pflanzenschutz bearbeitet werden. Anlass für das Projekt sind zurückgehende Milchviehbestände in Mittelgebirgslagen.

Dadurch wird bislang intensiv bewirtschaftetes Grasland frei. Die Forscher wollen wissen, ob sich dieses Weideland mit weniger Aufwand für die Haltung von Fleischrindern nutzen lässt und ob durch eine extensive Weidewirtschaft die verloren gegangene Pflanzenartenvielfalt zurückkehrt. Ganzjährige Weideprojekte laufen mit Lamas und Ponys. Außerdem leben Schafe und Schweine in Relliehausen, es gibt eine Forellenzucht und seit 2006 eine Biogasanlage.

Lehrbetrieb für Azubis

Diese Vielfalt und die wissenschaftlichen Versuche machen das Gut auch zu einem interessanten Lehrbetrieb für Auszubildende. „Junge Leute kommen gern her“, berichtet Arne Oppermann, seit zwölf Jahren Wirtschaftsleiter des Versuchsgutes mit aktuell 17 Mitarbeitern. Regelmäßig stellt der Eigenbetrieb der Universität je einen Azubi des zweiten und des dritten Lehrjahrs ein. Für sie steht auf dem Gut ein eigenes Zimmer zur Verfügung. Das ist wichtig, weil es zum Beispiel während der Kalbezeit zu den Aufgaben der Azubis gehört, auch zu später Stunde noch einmal nach den Kühen zu sehen.

Grundsätzlich ist es Oppermann lieber, wenn die Azubis nicht von einem Hof in der Nähe kommen. „Die wollen sonst oft nach Hause, um dort weiter zu arbeiten“, weiß er aus Erfahrung. Wichtig ist dem Betriebsleiter, dass die jungen Leute alle Bereiche kennenlernen. Darum werden die Azubis zum Beispiel auch zum Einholen von Angeboten eingesetzt. „Im Einkauf kann man sparen“, sagt der Chef. Ziel der Ausbildung ist es schließlich, dass die geprüften Landwirte später in der Lage sind, einen Betrieb zu führen – technisch und betriebwirtschaftlich.

Bei der Auswahl seiner Auszubildenden zählt für den Wirtschaftsleiter die Motivation. „Ich nehme auch gern Hauptschüler. Die Qualität hängt nicht an der Schulbildung“, sagt Oppermann, dem die Arbeit mit jungen Leuten Spaß macht. „Weil sie viel in Frage stellen, man selbst gute Argumente haben und Dinge überdenken muss.“

Nicht alle angehenden Landwirte kommen von einem Hof. Sie interessieren sich aus Tierliebe für den Beruf oder finden die wissenschaftlichen Versuche – etwa zur Klauengesundheit von Schafen – interessant. Abiturienten studieren nach der Ausbildung oft Agrarwissenschaften. Aber auch für die anderen, wie Geschwister von Hoferben, sieht Oppermann Chancen auf dem Arbeitsmarkt. „Aktuell werden gute Leute gesucht, als Betriebsleiter und Mitarbeiter – speziell in der Tierhaltung.“

Von Kornelia Schmidt-Hagemeyer

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