Manufaktur in Relliehausen bei Dassel ist weltweit bekannt

Hahnemühle: Viel mehr als nur Papier

Achten auf Qualität: Hahnemühle-Auszubildende Lisa-Marie Bönig prüft hier einen Bogen Echt-Büttenpapier. Produziert wird es an einer Rundsiebmaschine in Relliehausen bei Dassel.
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Achten auf Qualität: Hahnemühle-Auszubildende Lisa-Marie Bönig prüft hier einen Bogen Echt-Büttenpapier. Produziert wird es an einer Rundsiebmaschine in Relliehausen bei Dassel.

Die älteste deutsche Künstlerpapiermanufaktur, die Hahnemühle mit Sitz in Einbeck und Produktion im Dasseler Ortsteil Relliehausen, macht von sich reden: Anfang Januar widmet der NDR dem Unternehmen eine TV-Reportage. Zudem ist die Firma zum dritten Mal in Folge mit dem Siegel „Marke des Jahrhunderts“ ausgezeichnet worden.

Relliehausen - Alles begann 1584 mit reinem Quellwasser aus dem Solling. „Wir sind die älteste Papierfabrik weltweit, die seit der Gründung am selben Ort mit Wasser aus eigenen Brunnen produziert“, erklärt Unternehmenssprecherin Bettina Scheerbarth.

Heute beschäftigt das Unternehmen rund 230 Mitarbeiter, davon rund 150 in Dassel und 40 in Einbeck. Tochtergesellschaften hat es in Großbritannien, Frankreich, den USA, Singapur, China und Brasilien.

Am 27. Februar 1584 gewährte der Herzog von Braunschweig dem Relliehäuser Merten Spieß das Recht, eine Papiermühle in Reylingehausen (Relliehausen) zu errichten, heißt es auf der Firmenseite im Internet. In der folgenden Zeit wuchs am Fuße des Sollings die „Reylingehäusische Papiermühle“, die seit 1886 den Namen Hahnemühle nach dem Besitzer Carl Hahne trägt, der die Fabrik damals kaufte.

In mehr als vier Jahrhunderten Fertigungsgeschichte hat Hahnemühle, die seit 2002 Hahnemühle FineArt GmbH heißt und 2004 nach 57-jähriger Zugehörigkeit zu Schleicher & Schuell wieder eigenständig ist, immer wieder neue Produkte erfunden und das Anwendungsfeld für Papiere erweitert.

Angefangen hatte alles mit Schreib- und Urkundenpapieren, später kamen Künstlerpapiere hinzu. Seit 1883 dann hochreine Papiere für technische Anwendungen wie die Filtration. So waren die Dasseler Papiermacher in den 1960er-Jahren die Ersten, die vegane Künstlerpapiere ohne tierische Leime herstellten.

1997 erfanden sie die bis heute weltweit führenden FineArt Inkjet-Papiere für Tintenstrahl-Fotodruck. Auf Fine-Art-Papier gedruckte Werke finden sich weltweit in Museen und Galerien.

Einen Namen hat sich Hahnemühle auch erst kürzlich in der Herstellung hochreiner, teils aus Glasfasern hergestellten Papierkomponenten für die Covid19-Test-Kits gemacht.

Vor dem Hintergrund der Pandemie wurden zudem eigene FFP2-Schutzmasken mit Covid-zertifizierten Filtern entwickelt, produziert nicht in Fernost, sondern in Deutschland. Überhaupt macht die Herstellung von hochreinen Filterpapieren für medizinische Anwendungen und von technischen Spezialpapieren heute einen wichtigen Produktionszweig aus.

Scheerbarth: „Mit unserer langen Tradition und dem Anspruch an Qualität, Innovation und Kultur sind wir erstmals 2015 ins Register ,Marken des Jahrhunderts‘ aufgenommen worden.“ Die nach drei Jahren nötige Bestätigung des Markensiegels erfolgte 2019 und in diesem Jahr für 2022 erneut. Als „Marke des Jahrhunderts“ sei die Hahnemühle zudem im weltweit anerkannten Markenregister „Deutschen Standards“ vertreten, heißt es vom Unternehmen. Das Register erscheine alle drei Jahre im Verlag Die Zeit und präsentiere 200 traditionsreiche und innovative deutsche Marken.

Großen Anteil an der Aufnahme des Dasseler Unternehmens in diese „Markenbibel“ haben laut Scheerbarth jedoch die traditionellen Hahnemühle-Künstlerpapiere, die international Künstler mit ihrer Qualität und Alterungsbeständigkeit überzeugen.

Echte Spezialisten – Papiertechnologen genannt – fertigen sie in Relliehausen aus hochwertigen Zellstoffen und Quellwasser nach teils Jahrhunderte alten Rezepturen. Produziert werden sie teils sogar noch von Hand oder in einer der wenigen, weltweit noch existierenden Rundsiebpapiermaschinen. Die Produkte aus Dassel sind nach Firmenangaben in mehr als 130 Ländern erhältlich.

Info: Die Nordreportage „Nicht von Pappe“läuft am 3. Januar ab 18.15 Uhr im NDR-Fernsehen und ist danach in der NDR Mediathek oder dem YouTube Kanal der Nordreportage zu sehen. (goe)

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