Wildbuche für die Küche

Im Solling hat die Laubholzernte begonnen

Einkauf im Wald: Wolfgang König (links) begutachtet mit Revierförster Uwe Zywina (Mitte) und Forstamtsleiter Thomas Reulecke so genannte Wildbuchen aus dem Solling, die in Dassel zu Massivholzplatten verarbeitet werden. Foto: Niedersächsische Landesforsten/nh

Dassel/Neuhaus. Mit Beginn der kalten Jahreszeit starten die Forstämter Dassel und Neuhaus die Ernte der heimischen Laubhölzer. Gefragt seien in dieser Saison neben Buche, Eiche und Esche auch Ahorn und Kirsche, melden die Niedersächsischen Landesforsten.

Begehrt ist nicht zuletzt die so genannte Wildbuche.

So bezeichnen Forstleute und Holzkäufer das verkernte Holz der heimischen Rotbuche. Die Farbänderungen im Stamm galten früher als Qualitätsmangel und Stämme mit Kernholz wurden zu Brennholz. Das ist heute anders: Aus Wildbuchen baut man Arbeitsplatten für Massivholz-Küchen oder Treppenstufen.

Verarbeitet werden solche Stämme zum Beispiel vom Schäferwerk in Dassel. Das mittelständische Unternehmen aus der Sollingstadt verarbeitet jährlich rund 20.000 Kubikmeter Laubholz. Den größten Anteil macht Buchenholz aus, nämlich 16 bis 18 Tausend Kubikmeter. Die Firma mit 70 Mitarbeitern hat sich auf die Herstellung von Massivholzplatten spezialisiert und greift gern auf Holz der Forstämter Dassel und Neuhaus zurück, deren Waldflächen direkt vor den Werkstoren liegen.

Küchenplatte für Northeim

Im Solling vermarkten Forstleute ihr Stammholz überwiegend in der Region: Aus einer Wildbuche in Hardegsen wird vielleicht eine Küchenarbeitsplatte in Northeim. Oder aus der kernlosen Buche in Fürstenberg entsteht ein Kindergartenstuhl in Holzminden.

Wolfgang König ist Holzeinkäufer für das Schäferwerk. Sind die Wildbuchen gefällt und die Stämme an den Weg gerückt, fährt er zu den Landesförstern ins Revier und begutachtet mit den Forstleuten das frisch geerntete Holz. „Früher wollte keiner die Kernbuchen kaufen, doch seit einigen Jahren wächst der Anteil der rotkernigen Buchenhölzer auf dem Markt“, weiß König zu berichten.

Auch Möbelhäuser und Küchenstudios zeigen diesen Trend, über den sich Thomas Reulecke, Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Dassel, freut: „Mit der Wildbuche liefern wir ein Produkt aus der Region auch weit über die Region hinaus.“

Möbel oder Hackschnitzel

Insgesamt wollen die Niedersächsischen Landesforsten in der laufenden Saison rund 450.000 Kubikmeter Laubholz vermarkten. Je nach Baumart, Stärke und Qualität kann es für die unterschiedlichsten Zwecke verwendet werden: Das Angebot reicht von hochwertigen Stämmen für die Möbelindustrie, Holz für Fußböden bis hin zu Hackschnitzeln oder Scheitholz für die Wärmeerzeugung. Die Landesforsten beliefern mit ihrem Laubholz vor allem die regionalen Märkte und Sägewerke, die wiederum ihre Produkte weltweit vermarkten. (nh/shx)

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