Wo Wilhelm Busch konfirmiert wurde - Lüthorst erinnert an den Dichter

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Mit einem Erlebnispfad will das 650-Einwohner-Dorf Lüthorst am Solling an Wilhelm Busch erinnern.

Dassel/Lüthorst. In Lüthorst ist nicht viel los. Das soll sich jetzt ändern. Der kleine Ort am Solling setzt auf Wilhelm Busch, der dort einen Teil seines Lebens verbracht hat.

Joachim Stünkel sitzt auf der harten Holzbank hinterm Lehrerpult. "Hier hat der Onkel von Wilhelm Busch die Dorfkinder unterrichtet", sagt der Vorsitzende des Lüthorster Heimatvereins. Unklar ist, ob Wilhelm Busch seinem Onkel, dem Dorfpastor Georg Kleine, beim Unterrichten geholfen hat. Sicher ist nur, dass der berühmte Dichter, Zeichner und Maler einen Großteil seines Lebens in Lüthorst verbracht hat. Zur Erinnerung hat der Ort jetzt einen Erlebnispfad eingerichtet. Dieser soll am 1. Mai mit einem großen Fest eröffnet werden.

Eine der zwölf Stationen des neuen Pfades in dem 650-Seelen-Dorf am östlichen Rand des Solling ist das historisch nachgestellte Klassenzimmer. Es befindet sich im Turm der Dorfkirche - genau wie zu Buschs Zeit die Turmschule. "Pastor Kleine hat dort den Kindern der mittellosen Dorfbewohner kostenlos Lesen und Schreiben beigebracht", sagt Stünkel, der bis vor einigen Jahren für die CDU im niedersächsischen Landtag saß. "Wilhelm Busch dagegen wurde wohl eher im Pfarrhaus unterrichtet."

Der Dichter (1832–1908), der als einer der Pioniere des Comics gilt, wurde vor allem durch die Bildergeschichte um "Max und Moritz" bekannt. Die Anregungen dafür bekam er in Ebergötzen bei Göttingen, wo er von 1841 bis zur Umsiedlung der Pfarrersfamilie Kleine nach Lüthorst 1846 lebte. "Hier wurde er von seinem Onkel unterrichtet und 1847 konfirmiert", sagt Stünkel. "Und später ist er dann immer wieder gekommen, zuletzt 1897, kurz vor dem Tod des Onkels." Zu Kleine habe der Künstler zeitlebens ein gutes Verhältnis bewahrt.

Auch daran soll der Erlebnispfad an Originalschauplätzen erinnern. Heimatverein und örtliche Handwerker hätten monatelang an dem Projekt gearbeitet, sagt Bürgermeister Uwe Fingerhut. "Es sind mehr als 2300 ehrenamtliche Arbeitsstunden zusammengekommen." Die Kosten von 90.000 Euro wurden überwiegend aus einem Förderprogramm des Bundes finanziert.

Zu den Stationen, die zu besichtigen sind, gehört auch der Nachbau eines Gänsestalls, in dem sich Busch oft aufgehalten haben soll. Dieser Stall und das bäuerliche Leben seines Onkels sollen den Dichter zu seiner "Gänsehistorie" inspiriert haben, die er in Lüthorst geschrieben hat. In dem Dorf, das heute ein Ortsteil von Dassel (Kreis Northeim) ist, schuf der Künstler auch Skizzen, Landschaftsbilder und Porträts, die als Duplikate im "Wilhelm-Busch-Zimmer" zu sehen sind.

"Wir hoffen, dass der Wilhelm-Busch-Pfad viele Besucher nach Lüthorst lockt", sagt Bürgermeister Fingerhut. Fünf ehrenamtliche Führer stehen bereit. Das Interesse sei groß, glaubt Heimatvereins-Chef Stünkel. Schon vor der offiziellen Eröffnung hätten sich viele Gruppen angemeldet. Ob sie im Dorfpastor Kleine eine Art Lehrer Lämpel aus "Max und Moritz" sehen? (dpa)

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