Pilotprojekt: Der Arzt hilft aus der Ferne

Telenotfallmedizin startet im Landkreis Northeim

Rettungssanitäterin Zoe Rodefeld mit Harnisch, den sie für die Kommunikation mit dem Telenotfallmediziner Dr. Tobias Steffen braucht, der im Smartphone-Display zu erkennen ist.
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Rettungssanitäterin Zoe Rodefeld mit Harnisch, den sie für die Kommunikation mit dem Telenotfallmediziner Dr. Tobias Steffen braucht, der hier im Smartphone-Display zu erkennen ist.

Die Rettungssanitäter im Landkreis Northeim bekommen ab heute, Donnerstag, medizinische Unterstützung aus der Ferne. Mit drei Monaten Verspätung startet das Pilotprojekt Telenotfallmedizin.

Northeim – Bei dem auf zwei Jahre angelegten bundesweiten Modellprojekt kooperiert Northeim mit dem Nachbarlandkreis Goslar. Dort arbeiten die Telenotfallmediziner bereits seit Jahresanfang. Der geplante Start Anfang März im Kreis Northeim, musste verschoben werden, weil die dafür notwendigen Schulungen der Rettungssanitäter in Zeiten des Corona-Lockdowns nicht stattfinden konnten (HNA berichtete).

„Wir können Patienten beispielsweise durch die Gabe von Schmerzmitteln schneller helfen“, erklärt Notfallsanitäterin Zoe Rodefeld einen Vorteil. Es müsse dafür nicht mehr auf das Eintreffen eines Notarztes gewartet werden.

Der Telenotfallmediziner sei kein Konkurrent des konventionellen Notarztes, betont der Ärztliche Leiter Rettungsdienst im Landkreis Northeim, Dr. Bodo Lenkewitz. Er sei eine Ergänzung, von dessen Arbeit nicht nur Patienten in dünn besiedelten Gegenden wie dem Solling und dem Oberharz profitieren sollen.

Der Telenotfallmediziner hat seinen Arbeitsplatz in einem separaten Raum in der Rettungsleitstelle in Goslar. Dort werden ihm auf Monitoren Vitaldaten wie EKG, Herzfrequenz und Blutdruck angezeigt, die über eine gesicherte Internetverbindung übertragen werden. Er kann ferner auf Informationen aus Datenbanken und dem Internet zugreifen und so den Notfallsanitäter auch mit zusätzlichem Wissen unterstützen.

Der Notfallsanitäter trägt einen sogenannten Harnisch vor der Brust, in dem ein Handy eingeklinkt wird, mit dem das Bild des Patienten übertragen wird. Die Sprachverbindung wird über einen Ohrhörer hergestellt. Während des Gespräches wird der Patient von einem zweiten Sanitäter betreut.

Nur der Notfallsanitäter kann eine Gesprächsverbindung aufbauen, eine unbeabsichtigte oder unkontrollierte Überwachung des Rettungsteams oder des Patienten ist weder möglich noch gewünscht. Vorher wird der Patient informiert, dass ein Notarzt per Video zugeschaltet wird.

Auch der Patient kann so per Smartphone-Bildschirm ein Gespräch mit dem Notfall-Mediziner führen. Dieser kann ihm so beispielsweise erklären, wieso ein Transport ins Krankenhaus notwendig ist. (Olaf Weiss)

Drei Fragen sollen geklärt werden

Mit dem Pilotprojekt, in das auch das Klinikum und die Universität Oldenburg eingebunden sind, soll geklärt werden,

- wie stark Telenotfallmediziner eine Entlastung für den Notarzt sein können,

- wie der Notfallsanitäter dadurch bestimmte Krankheitsbilder effektiver und schneller behandeln kann und

- wie viele Einwohner ein telenotfallmedizinisches Zentrum sicher versorgen kann. (ows)

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