Verfasser eines Standardwerks über Tierspuren in Europa

Sascha Grolms folgt den Fährten

 Sascha Grolms zeigt auf einem Acker auf eine Fährte .
+
Diesmal war es nur ein Hund, stellte Sascha Grolms mit kurzem Blick auf einem Acker bei Üssinghausen fest.

816 Seiten stark, 2,5 Kilogramm schwer, über 1600 Fotos und Zeichnungen sowie acht Jahre Zeitaufwand: Diese beeindruckenden Zahlen stecken hinter dem Buch „Tierspuren Europas – Spuren und Zeichen bestimmen und interpretieren“, das Joscha Grolms jetzt veröffentlicht hat.

Üssinghausen – Der 38 Jahre alte Autor lebt mit seiner Partnerin Laura Gärtner seit dem Frühjahr in der Hardegser Ortschaft Üssinghausen am Rand des Sollings.

Grolms ist von Beruf Fährtenleser, eine Profession, von der in Deutschland nach seinen Angaben inzwischen rund 20 Menschen hauptberuflich leben können. Vor allem dadurch, dass sie ihr Wissen an Naturinteressierte in Seminaren weitergeben. Die Fährtenleser werden inzwischen auch von staatlichen Stellen angefragt, beispielsweise, wenn es um Wolfsnachweise geht. „Spurenlesen ist kostengünstiger als ein DNA-Test“, sagt Grolms.

Spuren sind die Trittsiegel, beispielsweise von Reh, Hirsch, Wildschwein, Mäusen oder Vögeln, die anhand ihrer Größe und Ausprägung zeigen, wer den Weg des aufmerksamen Wanderers gekreuzt hat. Zeichen nennt Grolms alles, was das Tier hinterlässt. Das können beispielsweise Kot, Haare, Bauten, Nester sein oder Fraßspuren wie angeknabberte Fichtenzapfen sein.

All diese Merkmale und vieles mehr hat Grolms zusammengetragen und damit ein Standardwerk verfasst. Es ist in einer Auflage von 4000 Stück erschienen. „Die ersten 2000 Exemplare sind innerhalb der ersten sechs Wochen bereits verkauft worden“, freut sich der Autor.

Grolms ist das Fährtenlesen nicht in die Wiege gelegt worden. Er ist als Stadtkind in Hildesheim aufgewachsen und hat „ganz gerne“ seinen „Winnetou“ gelesen. Als er bei einem USA-Aufenthalt nach dem Abitur indigene Ureinwohner kennenlernte, erwachte sein Interesse. „Dort kam ich mit Tierspuren in Kontakt.“ Er absolvierte Ausbildungen unter anderem in Nordamerika und Afrika. „In Südafrika ist der Fährtenleser sogar ein anerkannter Ausbildungsberuf“, sagt Grolms. Sie arbeiten unter anderen auf Lodges bei der Suche nach Großwild, die Touristen gerne beobachten möchten.

Grolms verbindet mit Fährten das Erleben von Geschichten. Welches Tier ist wohin gegangen mit welchem Ziel? Welche anderen Säugetiere, Vögel oder Insekten haben den Weg gekreuzt? Wie lebt das Tier? Was hat es gefressen? All das und noch viel mehr kann er beim Gang durch die Natur entdecken und erzählen. Der NDR nannte Grolms jüngst einen der besten Fährtenleser der Welt.

Die Begegnung mit der Natur suchen immer mehr Menschen, ist seine Erfahrung, nachdem er hauptberuflich als Fährtenleser arbeitet. „Das Interesse ist massiv gewachsen.“

Seit 2004 gehört er zum Team von Wildniswissen in Hannover. Das Unternehmen bietet Lehrgänge und Seminare für Privatleute, Familien, Schulklassen und allen anderen Interessierten an, aber auch Wildnistouren, unter anderem in Kanada, Namibia, Russland, Schweden und der Slowakei. „Unsere Kurse sind immer ausgebucht“, sagt Grolms. Für ihn ist es wichtig, dass Menschen sich mit der Natur vertraut machen, eine Verbindung zu ihr aufbauen. „Das ist eine gute Methode, sich in der eigenen Region zu verankern –und Spuren sind überall.“ (Hans-Peter Niesen)

Joscha Grolms, „Tierspuren Europas. Spuren und Zeichen bestimmen und interpretieren“, 816 Seiten, Verlag Eugen Ulmer (Stuttgart), ISBN 978-3-8186-0090-7, 69,95 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.