Kiesfirma beginnt mit Abbau im geplanten Seedorf-Areal

Northeims Freizeitsee wächst

Das Foto zeigt die Halbinsel am Ostufer des Großen Freizeitsees in Northeim, die wegen des Kiesabbaus bald deutlich kleiner sein wird. Die Bauleitplanung der Stadt von 1980 sieht im hinteren Abschnitt ein Seedorf und einen Badestrand vor.
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Diese Halbinsel am Ostufer des Großen Freizeitsees in Northeim wird bald deutlich kleiner sein. Die alte Bauleitplanung der Stadt von 1980 sieht im hinteren Abschnitt ein Seedorf und einen Badestrand vor.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten in der Northeimer Seenplatte, insbesondere im Großen Freizeitsee, voraus.

Northeim - Der Große See wird ab dem kommenden Jahr gehörig wachsen. Das Kiesabbauunternehmen Oppermann startet mit der intensiven Auskiesung im Bereich des von der Stadt einst geplanten Seedorfs am Ostufer.

Die Vorbereitungen laufen bereits, wie Diplom-Geologin Karina Schmidt von der Betriebsverwaltung der Firma Oppermann betont. Es handele sich um den letzten Abbauabschnitt auf dieser Uferseite im Großen See, der seit Langem genehmigt sei.

Karina Schmidt

Mit dem Abbau werde sich die jetzt noch von Osten her in den See ragende Landnase deutlich verkleinern. Übrig bleibe dann in drei bis vier Jahren der Bereich des Seedorfes, so wie es der Bebauungsplan 90 „Northeimer Seenplatte“ aus den 1980er-Jahren vorsehe. Hier sollten einst ein Feriendorf und auch ein Badestrand entstehen. Vor der Expo 2000 plante die Stadt hier auch einmal ein Seedorf mit Häusern teils auf Stegen über dem Wasser als Außenprojekt der Expo 2000 in Hannover. Dies scheiterte jedoch an der Finanzierung.

Für die Auskiesung der Flächen wird die Oppermann GmbH einen neuen sogenannten Tiefengreifer anschaffen, der bei einer Spezialfirma in Mannheim gebaut und im Frühjahr ans Seeufer nach Northeim transportiert und dort aufgebaut werden soll. Er hat die Ausmaße von 34 Metern Länge und 18 Metern Höhe und ersetzt den alten, wesentlich kleineren Tiefengreifer auf dem See.

Die auf Pontons schwimmende Anlage zum Nassabbau wird laut Schmidt mit einem Satteliten gestützten Abbaukontrollsystem ausgestattet sein und ermöglicht den Abbau in besonders sensiblen Bereichen wie etwa entlang der ICE-Trasse, die am See vorbeiführt. So könne auch der Bereich für das immer noch im B-Plan stehende Seedorf vorbereitet werden.

Um die Montagefläche und das Abbaugebiet des Tiefengreifers vorzubereiten, werde es in den kommenden Wochen zur Rodung von Bewuchs und auch zu Erdbewegungen im südlichen Seebereich kommen, in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde.

Ein Gigant zum Baggern

Gigantisch: Der von der Firma Oppermann bestellte Tiefengreifer (Schwimmbagger) zum weiteren Kiesabbau im Großen See in Northeim. Er ist 34 Meter lang und 18 Meter hoch. Er wird in Einzelteilen angeliefert.

Der Traum von der Entstehung eines Expo-Seedorfes am Northeimer Großen Freizeitsee platzte zwar Ende der 1990er-Jahre an der Finanzierung, doch ein Seedorf in welcher Form auch immer inklusive Badestrand ist nach wie vor im geltenden Bebauungsplan der Stadt für die Seenplatte vorgesehen. Ob sich dafür ein Investor findet, bleibt abzuwarten.

Die Voraussetzungen für die weitere Gestaltung des Ostufers – ob mit oder ohne Seedorf – will die Kiesabbaufirma Oppermann ab 2021 schaffen. Den Kiesabbau in dem Bereich soll ein neuer, mehrere Millionen Euro teurer Schwimmbagger (Tiefengreifer) schaffen. Das 350 Tonnen schwere Gerät werde laut Oppermann-Geologin Karina Schmidt vor Ort montiert.

Die Anlieferung der Greiferteile und der Pontons – Letztere werden allein je 34 Meter lang und 60 Tonnen schwer sein – werde durch mehrere Schwertransporte erfolgen. Die Teile würden mittels großer Industriekräne ins Wasser gelassen.

Der Kiesabbau sei in diesem Bereich genehmigt, die nötigen Pflanzenrodungen mit dem Landkreis abgestimmt. Probleme mit dem Artenschutz gebe es nach Schmidts Worten nicht. Im Gegenteil: Besonders für seltene Vogelarten, die am See heimisch geworden sind, sei es wichtig, dass neue offene Kiesflächen entstehen, während sich Flächen, auf denen der Abbau eingestellt werde, wieder begrünen. Gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde würden Maßnahmen zum Vogelschutz abgestimmt, so auch für die Uferschwalben, die seit Jahren einen festen Brutbestand am Freizeitsee hätten.

See geht künftig unter ICE-Trasse hindurch

Der neue Schwimmbagger sei so konzipiert, dass er in etwa vier Jahren auch über die ICE-Trasse gehoben werden könne. Dann soll die Auskiesung der Flächen auf der Südostseite der ICE-Trasse beginnen, die bekanntlich auf Stelzen steht. Segelboote werden später unter der Trasse hindurch segeln können.

(von Axel Gödecke)

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