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Gaspreise steigen auch im Kreis Northeim deutlich

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Von: Axel Gödecke

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Das Gas wird drastisch teurer: Hier im Bild ein Gaszähler im Keller eines Einfamilienhauses.
Das Gas wird drastisch teurer: Hier im Bild ein Gaszähler im Keller eines Einfamilienhauses. © Jan Woltas/dpa

Die örtlichen Gasversorger im Kreis Northeim kündigen Preiserhöhungen für Gas an. Grund sind neue Umlagen und massiv gestiegene Beschaffungskosten.

Northeim – Vor einer Woche hat die Bundesregierung Details zur Gaseinspeicherung sowie zu den Gasumlagen beschlossen. Letztere sollen die angeschlagenen Gasimporteure, die infolge der reduzierten Gaslieferungen aus Russland enorme Mehrkosten für die Nachbeschaffung haben, retten. Etliche örtliche Versorger haben bereits Preiserhöhungen verkündet.

Nachdem bereits die Stadtwerke Leine-Solling, die Moringen mit Gas versorgen, den Arbeitspreis für Gas zum 1. Oktober spürbar (Grundversorgung: von 8,07 auf 15,84 Cent pro Kilowattstunde netto oder 18,85 Cent mit Mehrwertsteuer) angehoben und dabei laut Geschäftsführer Bernd Cranen auch schon die höheren Gas-Beschaffungskosten eingepreist hatten, ziehen jetzt die Stadtwerke Northeim (SWN) nach. Allerdings geben die SWN ab 1. Oktober laut Sprecher Lars von Minden zunächst nur die beiden Umlagen in Höhe von 2,478 Cent je Kilowattstunde (kW/h) an die Kunden weiter.

So erhöhe sich der Arbeitspreis in der Grundversorgung netto auf 8,88 Cent pro kW/h, mit Mehrwertsteuer auf 10,57 Cent. Für ein Einfamilienhaus mache das eine jährliche Mehrbelastung von 492 Euro aus. Anders als Leine-Solling werden die Northeimer Stadtwerke erst zum Jahreswechsel die gestiegenen Gas-Beschaffungskosten weiterreichen.

Dirk Schaper SWN-Geschäftsführer
Dirk Schaper SWN-Geschäftsführer © Schrader, Roland

Laut SWN-Geschäftsführer Dirk Schaper sollten sich die Kunden jetzt schon auf dann deutlich steigende Preise einstellen. Die in den vergangenen Monaten massiv gestiegenen Beschaffungskosten müssten auch SWN weitergeben. Schaper: „Spätestens Ende November werden die Kunden rechtzeitig informiert.“ Er rät auch zur Senkung der Raumtemperatur. Ein Grad weniger könne den Verbrauch um 6 Prozent senken.

Die Stadtwerke Uslar haben bislang noch keine Mitteilung über Preisanhebungen herausgegeben. Auch die EAM überlegen laut Pressesprecher Steffen Schulze noch, wie sie Umlage- und Beschaffungskosten weitergeben. Das trifft auch auf Eon zu.

Harzenergie, die Katlenburg-Lindau versorgt, hat hingegen die Preiserhöhung aufgrund der Umlagen zum 1. Oktober schon verkündet. Der Arbeitspreis steigt in der Grundversorgung um 10,58 auf 21,09 Cent je Kilowattstunde (kWh) bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch eines Musterhaushalts, teilt der Energieversorger mit. Das entspricht ungefähr einer Verdoppelung. Darin enthalten sind sowohl die höheren Beschaffungskosten als auch die neuen Umlagen.

Für Kunden in Tarifen außerhalb der Grundversorgung würden die Preise gleichfalls, aber in zeitlich anderen Takten erhöht, so die Harzenergie. Hier änderten sich die Preise zunächst durch die neuen Umlagen zum 1. November, dann aber noch einmal aufgrund der höheren Beschaffungskosten zum 1. Januar 2023, und zwar dann auch deutlich, so Pressesprecher Jan Mohr. Alle betroffenen Kunden würden darüber in Kürze schriftlich informiert. Bei Harzenergie-Kunden, die schon eine Jahresabrechnung erhalten haben, seien bereits die zu leistenden Vorauszahlungen an die voraussichtliche Preisentwicklung angepasst worden, so Mohr. Damit wolle man späteren, hohen Nachzahlungen vorbeugen.

Was auf die Gas-Kunden insgesamt an Belastungen zukommt oder noch zum Jahreswechsel zukommen wird, zeigt eine Beispielrechnung der Stadtwerke Leine-Solling. Diese haben sowohl die neuen Umlagen als auch die immens gestiegenen Gas-Beschaffungskosten bereits in ihre angekündigten Preiserhöhungen zum 1. Oktober eingepreist.

Über 2000 Euro mehr im Jahr für einen Durchschnittshaushalt

Heraus kam eine Verdoppelung des Gesamtpreises. Der durchschnittliche Verbrauch in der Gas-Grundversorgung betrage im Versorgungsgebiet Moringen 17 500 Kilowattstunden, heißt es in der Berechnung. In diesem Fall betrage die Mehrbelastung pro Jahr 2018 Euro inklusive der noch geltenden 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Bei den anderen örtlichen Versorgern dürften die bereits vollzogenen oder noch zum Jahreswechsel kommenden Preisanhebungen für Erdgas zu ähnlichen immensen Belastungen für die Haushalte führen. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte am 18. August angekündigt, die Mehrwertsteuer für Gaslieferungen befristet bis Ende 2024 von 19 auf 7 Prozent zu reduzieren. Sollte dies so kommen, würden Gaskunden auf diese Weise wieder etwas entlastet.

Verbraucher schon sensibilisiert

Wie vergangene Woche beschlossen, beträgt die Gasbeschaffungsumlage 2,419 Cent je Kilowattstunde plus Mehrwertsteuer. Zudem gibt es aber weitere, kleinere Gasumlagen wie die Speicherumlage. Zur Entlastung soll die Mehrwertsteuer auf Erdgas von 19 auf 7 Prozent sinken. Immerhin scheinen die Menschen aber schon sensibilisiert zu sein. Im Vergleich zum Vorjahr wurde im ersten Halbjahr 2022 in Deutschland 14,7 Prozent weniger Gas verbraucht.  (Axel Gödecke)

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