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Kirchenkreis Leine-Solling verteidigt Kategorisierung der Gotteshäuser

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Von: Olaf Weiss

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Die St. Mauritius-Kirche in Edesheim
Die St. Mauritius-Kirche in Edesheim: Von ihr ist bereits bekannt, dass sie in die Kategorie D eingestuft worden ist. © Olaf Weiss

Der Kirchenkreis Leine-Solling muss bei der Unterhaltung seiner Gotteshäuser Prioritäten setzen. Das haben Superintendentin Stephanie von Lingen und Dr. Christian Steigertahl, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Gebäudemanagement im Kirchenkreis, betont. Sie reagierten damit auf Kritik an der vorläufigen Einteilung der Kirchen in vier Kategorien.

Northeim – Insbesondere aus den Gemeinden des Northeimer Nordbereichs (Langenholtensen, Imbshausen, Edesheim, Hohnstedt) waren die angewendeten Kriterien bemängelt worden.

Angesichts der schrumpfenden Zahl von Kirchenmitgliedern müsse gespart werden. Steigertahl verweist auf Zahlen der Landeskirche, wonach vom Jahr 2020 bis zum Jahr 2030 in der Landeskirche die Zahl der Mitglieder um 18 und als Folge davon die Kirchensteuereinnahmen um 22 Prozent abnehmen werden. Da im Kirchenkreis Leine-Solling (wie im gesamten Südniedersachsen) die Zahl der Gotteshäuser im Verhältnis zur Zahl der Kirchenmitglieder relativ hoch sei, sei hier der Spardruck besonders hoch.

Superintendentin Stephanie von Lingen
Superintendentin Stephanie von Lingen © Leine-Solling Pressedienst

Die vorliegende Einteilung in die Kategorien A (vorrangige Berücksichtigung bei Bauvorhaben) bis D (nur Grundsicherung der Gebäudesubstanz) wird in den Gemeinden dort ebenso kritisiert wie die Tatsache, dass einige Aspekte wie historische Bedeutung von Kirchen keine Rolle bei der Einteilung gespielt haben.

Die Kriterien und die daraus folgende Kategorisierung sind nach den Worten der Superintendentin das Ergebnis einer intensiven Arbeit in der Arbeitsgruppe. „Wir haben uns drei Jahre lang die Köpfe heißgeredet“, sagte sie. Die Berücksichtigung weiterer oder anderer Kriterien habe sich als nicht praktikabel erwiesen oder habe keine wesentlichen Veränderungen gebracht, erläuterten sie und Steigertahl.

Dr. Christian Steigertahl
Dr. Christian Steigertahl © von Lingen

Die vorliegende Kategorisierung ist nach ihren Worten nur ein Vorschlag. Er soll Grundlage für die einzelnen Gemeinden sein, selbst zu einer Einstufung ihrer Gotteshäuser zu kommen. Dazu haben sie Zeit bis zum Herbst 2023. Keinesfalls sollen Kirchen geschlossen werden, betonte von Lingen. Ziel sei es aber, das knapper werdende Geld für die Gebäudeunterhaltung zielgerichteter einzusetzen. Als nächster Schritt ist geplant, dass die Kirchenkreissynode im September den Grundsatzbeschluss fasst, dass ein Gebäudemanagement auf Kirchenkreisebene eingerichtet wird. (Olaf Weiss)

Gebäudesicherung ist der Minimalstandard

Der Kirchenkreis Leine-Solling will seine Kirchen kategorisieren, um das knapper werdende Geld für Bauinvestitionen konzentrierter einzusetzen. Dazu Erläuterungen in Fragen und Antworten.

Was bedeuten die vier Kategorien?

Kirchen in Kategorie A sollen vorrangig behandelt werden, wenn es darum geht, Geld für außerordentliche (also teure) Bauvorhaben von der Landeskirche zu beantragen, die eine Gemeinde und der Kirchenkreis allein finanziell nicht stemmen können.

Gemeinden mit einem Gotteshaus in Kategorie B haben auch noch Chancen, dass größere Investitionen gefördert werden. Sie müssen aber gegenüber A-Kirchen zurückstehen. Allerdings sind Zuweisungen für die Reparatur und die Erneuerung von Heizungsanlagen möglich.

Bei Kirchen in Kategorie C gibt es nur noch Geld zur Sicherung der Gebäudesubstanz und zur Abwehr von Gefahren. Zuweisungen sind darüber hinaus auch für Heizungsreparaturen, nicht aber -erneuerungen möglich.

In Kategorie D gibt es nur noch Geld zur Gebäudesicherung und zur Abwehr von Gefahren, allerdings nur mit einem reduzierten Standard.

Viele Kirchen stehen unter Denkmalschutz. Ist eine abgestufte Behandlung dieser Kirchen überhaupt möglich?

Ja, sagt Dr. Christian Steigertahl, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Gebäudemanagement. Es sei im Rahmen des Denkmalschutzes möglich, die Instandhaltung zu reduzieren. Auch werde der Denkmalschutz nicht aufgeweicht.

Kann eine Kirche durch eine bauliche Aufwertung (Investition) in eine höhere Kategorie aufsteigen?

Nein, das ist nicht vorgesehen. Die Kategorisierungsliste soll bindend sein, bis sie als Ganzes aufgehoben (oder durch eine neue Liste ersetzt) wird.

Einige Kirchengemeinden erzielen Pachterträge aus Kirchen- und Pfarrstiftungen. Wieso ist das bei der Einordnung der jeweiligen Gotteshäuser nicht berücksichtigt worden?

Dieses Geld geht gemäß des Finanzausgleichsgesetzes der Landeskirche Hannover an den Kirchenkreis und dient der Finanzierung von Pfarrstellen. Dabei gilt in der gesamten Landeskirche, dass der Solidaritätsgedanke gegenüber den Kirchengemeinden, die beispielsweise keine Ländereien besitzen, im Vordergrund steht.

Eine 50 Jahre alte Elektroheizung ist bei der Kategorisierung höher bewertet worden als eine 30 Jahre alte Ölheizung. Warum?

Die Landeskirche will künftig nur noch immissionsfreie Heizungen in Kirchengebäuden. Das sind Elektroheizungen, die für den Kirchenkreis in der Unterhaltung außerdem schon jetzt günstiger seien, sagt Steigertahl.

Einige Kirchen haben ein besonderes inhaltliches Konzept (Gospel-Kirche, Kultur-Kirche). Hat das bei der Kategorisierung eine Rolle gespielt?

Nein. Die wesentlichen Kriterien waren die Zahl der Gemeindemitglieder, die Heizung und der Denkmalwert des Kirchengebäudes.

Wie viele Kirchen und welche sind in die vier Kategorien eingeteilt?

In den sieben Regionen des Kirchenkreises soll es 30 Prozent A-Kirchen, 30 Prozent B-Kirchen, 20 Prozent C-Kirchen und 20-Prozent D-Kirchen geben. In welche Kategorien die einzelnen Gotteshäuser vorläufig eingruppiert worden sind, da hält sich der Kirchenkreis noch ein wenig bedeckt. Die großen Stadtkirchen wie St. Sixti in Northeim, St. Johannis in Uslar, St. Mauritius in Hardegsen, die Liebfrauenkirche in Moringen und die Marktkirche St. Jakobi in Einbeck sind nach den Worten von Superintendentin Stephanie von Lingen alle in der Kategorie A einsortiert worden. Gotteshäuser wie die Klosterkirche Fredelsloh, die sich im Eigentum der Klosterkammer befinden, sind nicht kategorisiert worden, da der Kirchenkreis nicht für ihre Unterhaltung sorgen muss.

Die vorläufige Kategorisierung der Kirchen hat die Arbeitsgruppe Gebäudemanagement des Kirchenkreises vorgenommen. Wer gehört zu der Arbeitsgruppe?

Neben Superintendentin Stephanie von Lingen sowie dem Leiter des Kirchenkreisamtes, Karl-Heinz Himstedt, sowie Petra Wendt, der Leiterin des Bereichs Bau- und Liegenschaften des Kirchenkreisamtes, gehören drei Vertreter aus dem zentralen Bau-Ausschuss des Kirchenkreises (darunter Dr. Christian Steigertahl, der den Vorsitz der Arbeitsgruppe inne hat), zwei Mitglieder des Kirchenkreisvorstandes, zwei Vertreter aus dem Stellenplan-Ausschuss und ein Vertreter des Finanz-Ausschusses an.

Wie hoch ist der Spardruck?

Hoch. Der Kirchenkreis hat nach Steigertahls Worten aus seinen von der Landeskirche zugewiesenen Baumitteln jährlich 240 000 Euro für Bauunterhaltung der Kirchen zur Verfügung. Die mittel- und langfristig geplanten außerordentlichen Baumaßnahmen sind derzeit auf zwei Millionen Euro geschätzt. Dazu kommen weitere 7,4 Millionen Euro für außerordentliche Bauprojekte auf einer Warteliste. Das zusätzlich notwendige Geld kann die Landeskirche nicht aufbringen. Es muss also geklärt werden, in welche Kirchen vorrangig investiert wird.

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