Diakonie-Chef fordert mehr Personal für Palliativpflege

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Besuch aus Berlin: Diakonie-Chef Ulrich Lilie (links) besichtigte das Alten- und Pflegeheim der Inneren Mission, hier mit Heimleiter Robert Wehr und Bewohnerin Katharina Keim.

Northeim. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie hat sich bei einem Besuch im Northeimer Altenheim der Inneren Mission für mehr Palliativ-Fachkräfte und gegen organisierte Sterbehilfe ausgesprochen.

„Pro 100 Bewohner brauchen wir eins bis zwei Stellen mehr“, sagte der aus Berlin angereiste Diakonie-Chef. Das habe eine bundesweite Umfrage der Evangelischen Kirche zum Thema Sterbehilfe ergeben. Die Kosten für entsprechend mehr Fachpersonal würden sich laut Lilie auf rund 500 Millionen Euro belaufen, „die sich durch die gleichzeitige Vermeidung unnötiger Krankenhausaufenthalte und Medikamente einsparen lassen“.

Fehlendes Personal für die palliative Versorgung sieht Lilie nicht nur in spezialisierten Einrichtungen wie Hospizen und Palliativstationen in Krankenhäusern, sondern auch in Altenpflegeheimen. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass jeder Mensch sicher sein kann, am Lebensende gut versorgt zu werden“, betonte der Diakonie-Chef.

Es dürfe nicht sein, dass alte und pflegebedürftige Menschen in ihrer letzten Lebensphase eine Odyssee zwischen Krankenhaus und Pflegeheim erleben müssen. „Das ist mit einer höheren Anzahl von Fachkräften und einer damit verbundenen guten palliativen Versorgung, vorausschauender Pflege und Medizin in den stationären Einrichtungen sehr einfach vermeidbar.“

Das Alten- und Pflegeheim der Inneren Mission in Northeim, das zur Diakonie gehört, sei auf einem guten Weg. Nach Angaben von Heimleiter Robert Wehr arbeiten im Altenheim an der Wallstraße derzeit eine Palliativpflege-Fachkraft sowie 16 weitere geschulte Sterbebegleiter - obwohl das Heim keine gesonderte Palliativstation hat. „Das ist in unserer Region außergewöhnlich viel“, sagte Wehr. Im Heim der Inneren Mission leben 160 Menschen. Pro Jahr sterben laut Wehr 50 bis 60 Bewohner.

Diakonie-Chef Lilie äußerte sich auch zur Sterbehilfe: „Organisierte Sterbehilfe zu verbieten, ist aus vielen Gründen wichtig und richtig“. Mindestens ebenso wichtig sei es, die Ursachen dafür zu beheben, dass alte Menschen Hilfe zur Selbsttötung wünschten. Dafür wolle er sich auch in Berlin einsetzen.

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