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Freimaurer in Einbeck und Northeim: Dialog in Weisheit und Erkenntnis

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Von: Olaf Weiss

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Begrüßung vor dem Betreten des abgedunkelten Festsaals: In der Mitte der Meister vom Stuhl, Jörg Dodenhöft.
Begrüßung vor dem Betreten des abgedunkelten Festsaals: In der Mitte der Meister vom Stuhl, Jörg Dodenhöft. © Frank Bertram

Zu ihrem 225. Stiftungsfest hat die Freimaurer-Loge „Georg zu den drei Säulen“ vor geladenen Gästen in der Stadthalle Northeim einen Festakt zelebriert, der Einsichten gewährte, wie die sonst im Verborgenen wirkenden Freimaurer ihre Arbeit im von ihnen genannten „Tempel der Humanität“ gestalten.

Northeim / Einbeck  – Ein ähnlicher Einblick wird wohl erst wieder in 25 Jahren, beim 250. Stiftungsfest, möglich sein, sagte der seit Juni amtierende „Meister vom Stuhl“ Jörg Dodenhöft.

Die 1797 gegründete Loge „Georg zu den drei Säulen“ in Einbeck, die seit 1999 mit der Northeimer Loge „Otto zu den drei Türmen“ eine Einheit bildet und aktuell rund 40 Mitglieder umfasst, zählt zu den traditionsreichsten Logen in Deutschland. Sie ist der älteste Verein in Einbeck.

Die Teilnehmer des Festaktes wurden vom Zeremonienmeister, der vor jeder Ankündigung mit seinem Stab drei Mal auf den Boden stieß, paarweise schweigend in die abgedunkelte Stadthalle eingelassen, in der eine meditative Atmosphäre herrschte. Die Gäste konnten einigen wenigen Ritualen der Freimaurer aus deren „Tempelarbeit“ beiwohnen, Fotos davon waren nicht gewünscht.

Beispielsweise ließ der „Meister vom Stuhl“ zu Beginn zwei „Aufseher“ prüfen, ob die Türen verschlossen sind, um nicht gestört zu werden, und ob Gäste geladen oder Brüder waren, letztere erkannten sich am um den Hals gelegten hellblauen Band und an den weißen Handschuhen.

Dann wurden drei auf Säulen stehende Kerzen entzündet: vom „Meister vom Stuhl“ und den „Aufsehern“ die Kerzen der Schönheit, der Stärke und der Weisheit, der Kombination von Liebe und Kraft. In Wechselrede werden in der Freimaurerei Weisheiten mit Anleitung zur Erkenntnis sozusagen nicht frei Haus serviert, sondern jeder muss die verwendeten Symbole und sprachlichen Sinnbilder für sich entschlüsseln, heißt es.

Die Festrede hielt Logenbruder Marc Hainski über den Begriff der „Gemeinschaft“. In der Freimaurerei gehe es um den Einzelnen und wie dieser sich verbessern könne, um Teil der Gemeinschaft zu sein.

Gäste waren Personen aus Einbeck und Northeim, die sich durch ihr ehrenamtliches Engagement hervorgetan haben: „Sie wollen wir durch unsere Einladung ehren und ihr Vorbild achten“, sagte Jörg Dodenhöft. Grußworte überbrachten die Bürgermeister von Einbeck und Northeim, Dr. Sabine Michalek und Simon Hartmann.

„Die Logen werden für die Allgemeinheit sichtbarer und erklären ihre Ziele und Vorstellungen“, freute sich Hartmann. Michalek erinnerte an die Anfänge mit sieben Brüdern, den Bau eines bis heute existierenden Altenheim-Gebäudes 1897 und an das wohl berühmteste Mitglied der Einbecker Loge, Friedrich Wilhelm Sertürner, den Entdecker des Morphiums. „Die Logen öffnen sich und stehen zum Dialog bereit“, sagte die Einbecker Bürgermeisterin, die an die dem Geiste der Aufklärung verbundenen Logenbrüder appellierte, gemeinsam als aufrechte Demokraten Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Toleranz und Menschlichkeit gegenüber den oftmals zu lauten Gegnern der Demokratie deutlich zu machen.

Im Namen des Distrikts Niedersachsen überbrachte Lutz Dietrich die Grüße des Großmeisters der Logen. Eine stabile Vereinigung wie die 225 Jahre bestehende Einbecker Loge sei eine Institution, die durch die Mitglieder in die Gesellschaft wirke. „Nicht der Ort macht die Loge aus, sondern die Brüder, die sie bilden“, sagte Dietrich. (Frank Bertram)

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität

Der Begriff Freimaurer geht wohl auf die Bruderschaften Steinbildhauer im Mittelalter zurück. Als älteste Freimaurerloge der Welt gilt die Lodge of Edinburgh (Mary’s Chapel) No. 1 in Schottland, die als Gründungsjahr 1599 angibt. In Deutschland sind Freimaurerlogen seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nachweisbar. Die Freimaurerei versteht sich nicht als Religion und ist für Angehörige unterschiedlicher Religionen offen. Ihre Grundpfeiler sind

- Freiheit des Geistes und der individuellen Verwirklichung;

- Gleichheit der Menschen;

- Brüderlichkeit durch Sicherheit, Vertrauen, Fürsorge, Mitverantwortung und Verständigung mit- und untereinander;

- Toleranz durch Verständnis für andere Meinungen; und

- Humanität als Summe der vorherigen vier Grundsäulen.

Freimaurer unterliegen der Verschwiegenheitspflicht über ihre Logenangelegenheiten, sie sind aber kein konspirativer Geheimbund. Freimaurer sind zum Respekt vor den Gesetzen des eigenen Landes verpflichtet. Der Sitz der Logen, ihre Vorsitzenden und ihre Satzungen sind bekannt, ihre Schriften und Beschreibungen ihrer Ritualen sind öffentlich zugänglich. Ursprünglich reine Männerbünde, gibt es inzwischen Frauenlogen und Logen, die auch Frauen aufnehmen. (ows)

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